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55 Jahre Camper-Idylle in Pressel: "Hier weckt uns der Öko-Lärm"

55 Jahre Camper-Idylle in Pressel: "Hier weckt uns der Öko-Lärm"

Schnapszahl-Geburtstag in Pressel: Den Campingplatz gibt es seit 55 Jahren. Seit seiner Entstehung 1960 hat er jede Menge mitgemacht. Platzwart ist seit vier Jahren Frank Eckekhardt aus Leipzig.

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Zum Geburtstag wird auch gern gemeinsam angestoßen. Inge und Gerd Hertel, Platzwart Frank Eckhardt sowie Mario und Kerstin Fiedler (von links) genehmigen sich ein Gläschen Sekt in ihrer Camper-Idylle.

Quelle: Steffen Brost

Pressel. Überhaupt haben die Leipziger hier die Übermacht. "Einheimische sind kaum da oder kommen nur mal zum Kurzzeitcamping übers Wochenende. Ein paar Dessauer und Eilenburger gibt es noch", erklärt Eckhardt, der jedes Wochenende in der Heide verbringt.

Die Camper schwören auf ihren Platz mitten in der Natur. Denn das bewaldete Anwesen befindet sich etwa ein Kilometer hinter Pressel in Richtung Torgau in unmittelbarer Nähe zum ökologisch sensiblen Presseler Heidewald- und Moorgebiet, ein Naturschutzgroßprojekt. Und das bedeutete Ende der 1990er Jahre beinahe das Aus - die Camper protestierten damals sogar mit Plakaten gegen den Naturschutz, den sie für maßlos übertrieben hielten. Der Platz sollte komplett verschwinden - in die Nähe des Forsthauses Wartha. "Die Natur sollte wieder sich selbst überlassen werden. Doch wir konnten den schwierigen Spagat zwischen Erholung und Natur meistern. Jetzt hat der Platz nach dem Erstellen eines Bebauungsplans im Jahr 2006 dauerhaften Bestandsschutz. Es wäre ja auch schade darum gewesen. Auch ich war hier in meiner Jugend oft zelten und habe im Teich das Schwimmen gelernt", sagt Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). Die Gemeinde ist Eigentümerin des Platzes. Die geforderten Maßnahmen seitens des Naturschutzes bedeuteten aber seinerzeit trotzdem Einschnitte. 80 Standplätze im unmittelbaren Uferbereich mussten zurückgebaut werden. Nach dem Abriss des Spielplatzes und einem Teilrückbau der großen Freilichtbühne ist das Gewässer weitgehend ein naturbelassener Waldsee. "Wir haben aktuell 100 Parzellen im Bestand. Davon sind 77 belegt. Wer also das Camping für sich entdecken möchte, ist hier ein gern gesehener Gast. In der Zukunft wird es wohl noch mehr freie Stellflächen geben, weil immer mehr ältere ihren Platz altersbedingt abgeben. Denn der Durchschnitt unsere Mitglieder liegt bei über 70 Jahren. Wir würden uns über Nachwuchs also sehr freuen", so der Platzwart.

Eckhardt gehört mit seinen 48 Jahren noch zu den jüngsten Campern. Eher ein Zufall trieb den Leipziger vor 13 Jahren nach Pressel. Mit Wohnwagen und seiner Frau war er damals in der Region unterwegs und suchte einen geeigneten Platz. "Am Doberschützer Morellensee habe ich nachfragt und die haben mich auf den Presseler Teich aufmerksam gemacht. Den kannte ich bis dahin noch nicht. Wir sind hingefahren und sind bis heute geblieben." Auch seine Mutter Karin lebt zwischen Mai und Oktober hier. Die 71-Jährige managt den Platz über die Woche, wenn ihr Sohn arbeitsbedingt nicht da ist. "Ich mache den ganzen Papierkram, kümmere mich um die Telefonstelle, erledigte die Post und anstehende Aufgaben. Ich fühle mich hier richtig wohl. Der Platz ist zu meinem Leben geworden."

Auch Inge und Gerd Hertel gehören seit den 70er Jahren zu den Campern. "Wir sind regelmäßig hier, verbringen fast jedes Wochenende auf dem Gelände. Aber neben dem Camping haben wir auch noch unsere Reisen in die Welt", so Gerd Hertel.

Wenn sich an den Wochenenden die meisten auf dem Platz treffen, wird auch kräftig gewerkelt. Denn auf einem so großen Platz gibt es immer etwas zu tun. "Wir machen hier viel gemeinsam. So haben wir unsere Frischwasserversorgung mit einen Durchlauferhitzer ergänzt. Bis dahin diente ein großer Wassertank, der mit Brunnenwasser gespeist wurde, als Vorratsbehälter. Stand das Wasser lange, dann hat es angefangen zu riechen. Auch frische Farbe wird jedes Jahr an den Gebäuden aufgebracht, die Hecken geschnitten und vieles andere", zählt Eckhardt auf.

Dass die Presseler Dauercampergemeinschaft eine eingeschworene Truppe ist, merkt man beim Rundgang. Es wird sich unterhalten, ein Bierchen gezischt oder einfach bei Kaffee und Kuchen der neueste Klatsch ausgetauscht. Auch Gerd Hertels 69. Geburtstag wird spontan mit den Wohnwagennachbarn Kerstin und Mario Fiedler gefeiert. Die Fiedlers gehören zur jüngeren Generation. Sie haben erst seit acht Jahren ihre Parzelle. "War waren früher in Wildschütz. Als der Platz dicht gemacht hat, sind wir nach Pressel. Denn hier weckt uns der Öko-Lärm und nicht der Straßenlärm", schwört Kerstin Fiedler auf die Idylle am Presseler Teich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.06.2015
Steffen Brost

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