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„Adieu, Mister National!“

Nachruf auf Bad Dübener Hotelier Peter Gleißner „Adieu, Mister National!“

Das Bad Dübener Traditionshotel „National“ – das war Peter Gleißner. Der langjährige Hotelchef ist letzte Woche mit 78 Jahren verstorben. Der Mann mit dem weißen Einstecktuch stand über 50 Jahre an dessen Spitze. Ein Nachruf auf einen Dübener mit Charisma.

Trauer um den Mann mit dem weißen Einstecktuch: Hotelchef Peter Gleißner (78) war der „Mister National“ in Bad Düben.
 

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben.  Ostalgiker mit geschichtlichem Kurzzeitgedächtnis haben es sicher längst vergessen. Doch wer zu DDR-Zeiten kurz entschlossen am Sonntagmittag in einem halbwegs guten Restaurant essen wollte, der konnte sich diesen Plan getrost vom Mund abputzen. Ohne Reservierung wurde der Hungrige zumeist mit spöttischem Lächeln abserviert. Oder er kannte Peter Gleißner. Im Dübener „National“ konnten die Tische noch so voll sein: Wenn der freundlich lächelnde Hotelchef mit dem weißen Einstecktuch im dunklen Jackett um die Ecke kam, ging immer noch was. Jetzt ist er gegangen – verstorben kurz nach seinem 78. Geburtstag. Es bleibt eine Lücke, nicht nur in „seinem“ Hotel.

Das „National“ – das war der Gleißner-Peter. Immer präsent, irgendwie immer da. Der Chef ließ es sich auch später – als die Tische lichter und die Leute launischer wurden – nicht nehmen, seine Runden zu drehen. „Ah, die Familie Müller, Majer, Schulze: Herzlich willkommen, schön, dass Sie wieder da sind...“ Er kannte sie alle und alle kannten ihn. Pfarrer, Bürgermeister, National-Chef: Es gibt wenige Dübener Persönlichkeiten, deren Gesichter einem so vertraut sind. Der Hotelier Peter Gleißner – das war ein Dübener Original – ein Mann mit Charme und Charisma. Einer, der in vierter Generation die Hotellerie von der Pike auf lernte. Der als junger Chef zu DDR-Zeiten auf wundersame Weise Bananen und frischen Orangensaft organisierte. Der als Conférencier Silvesterpartys schmiss, von denen die Stadt noch Tage danach redete. Und der nach der Wende mutig in Sachsens ersten Hotelneubau investierte – und sich an dieser Belastung fast verhob.

Er übernahm als junger Mann den Familienbetrieb

Er übernahm als junger Mann den Familienbetrieb: Peter Gleißner (rechts) mit seinem Vater Alfred

Quelle: Archiv

Trotzdem blieb eine gewollte Distanz, eine schützende Fassade, hinter die keiner von außen zu schauen hatte. Da hielt es der „Mister National“ mit dem früheren Mister Tagesthemen Hajo Friedrichs: „Überall dabei sein, aber nirgends dazugehören.“ Der 78-Jährige, der über 50 Jahre lang das erste Haus am Platz durch alle Höhen und Tiefen führte, war ein Bürger im besten Sinne. Einer, der mitdachte für seine Stadt, der sich nie über andere erhob, immer ein Dübener unter Dübenern blieb. Ein (nicht ernannter) Ehrenbürger, dem leider diese Auszeichnung nie angetragen wurde.

Vor einem Jahr war der Hotelier schon einmal schwer erkrankt. Er trat danach kürzer, gab alle Ehrenämter ab. „So lange ich kann, werde ich aber weiterarbeiten und allabendlich das Licht ausmachen“, sagte er damals im LVZ-Gespräch. Jetzt muss dies im „National“ ein anderer tun, die Hoffnung ruht auf seinen beiden Söhnen, dass sie das Hotel in fünfter Generation weiterführen. Sollte dies gelingen, dann geht zwar spätabends weiterhin das Licht aus im „National“. Aber etwas leuchtet weiter über den Tag hinaus: Adieu, Peter Gleißner – der Mann mit dem weißen Stecktuch!

Von Olaf Majer

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