Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Älteste Apfelsorte Deutschlands entdeckt
Region Bad Düben Älteste Apfelsorte Deutschlands entdeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 07.10.2010
Anzeige

. Doch jetzt tauchte in der Obst- und Beerenschauanlage bei Durchwehna ein völlig seltenes und fast ausgestorbenes sächsisches Urgestein auf. Als ein Mann aus Schwemsal sein Obst auf den Tisch packte, wurde Hilmar Schwärzel vom Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung, Fachgebiet Obstbau, neugierig. Die Frucht wurde von allen Seiten genau begutachtet. Der Experte achtete auf jedes Detail, wie Blüte, Gehäuse, Stilansatz, Maserung, Form, Größe, Duft und Geschmack. Dann war er sich sicher, eine der ältesten Apfelsorten Deutschlands überhaupt in den Händen zu halten – die Borsdorfer Renette.

Dieser Apfel kommt bei der Sortenbestimmung bei 10 000 Proben nur einmal vor", weiß der Experte aus Erfahrung. In den heutigen Sortenlisten wird dieser Apfel nicht mehr empfohlen. Es existieren nur noch wenige Uraltbäume. Für Schwärzel ist die Borsdorfer Renette ein typischer Generationenbaum. „Es dauert 25 Jahre, bis er ertragreiche Früchte hat", so der Müncheberger. „Wenn ein Mann diesen Baum pflanzt, dann tut er dies für seine Enkel und er weiß, dass mindestens vier Generationen nach ihm von seiner Hände Arbeit profitieren werden, denn der Baum hat eine Lebenserwartung von 150 bis 180 Jahren." Schwärzel wusste auch zu berichten, dass Mönche bereits im 12. Jahrhundert die Borsdorfer Renette von Sachsen aus nach Schlesien mitnahmen. Es sei ein „wundervoller Apfel": festfleischig, ausgeglichen süß-säuerlich, fein aromatisch und mit besten Backeigenschaften. Er wurde er in alten sächsischen Backbüchern zum Füllen von Wassergeflügel empfohlen.

Grit Striese kam extra wegen der Sortenbestimmung aus der Lausitz angereist. Sie arbeitet an Streuobstprojekten des dortigen Landschaftspflegeverbandes und brachte zwölf Apfelsorten aus historischen Pflanzungen vor 1920 mit. Schwärzel zeigte sich begeistert und verwies auf den hohen Erhaltungswert einiger seltener Lokalsorten.

Veronika Leißner vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen berichtete, dass es allein in Sachsen etwa 220 Apfelsorten gibt. Dies wachsen in Gärten, auf Streuobstwiesen und an Feldwegen. Doch oft werden die Früchte nicht geerntet und die Menschen greifen lieber auf importierte Äpfel im Supermarkt zurück. „Wir wollen diesem Trend unter dem Motto ‚Vergessene Vielfalt‘ entgegenwirken und den wunderbaren Reichtum vor unserer Haustür aufzeigen", so Leißner weiter. Die Ausstellung von 130 verschiedenen einheimischen Apfelsorten begeisterte daher. Ebenso die mobile Mosterei. Dabei ergeben 100 Kilogramm Obst etwa 70 Liter naturtrüben Saft.

Heike Nyari

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bad Düben. Mit einem Festakt hat die Bundespolizeiabteilung in Bad Düben am Mittwoch das 20-jährige Dienststellenjubiläum im Saal des Heide Spa begangen.

06.10.2010

Bad Düben. Mit einem Festakt hat der Landkreis Nordsachsen am Samstagabend den 20. Jahrestag der deutschen Einheit im Heide Spa in Bad Düben gefeiert.

03.10.2010

Laußig. Eine Straße voller Bremsspuren: Auf der S 11 zwischen Laußig und Eilenburg ereigneten sich am Wochenende zwei schlimme Unfälle mit schwer verletzten Personen.

03.10.2010
Anzeige