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Ärger mit Bibern - neuer Erlass soll Betroffenen unkompliziert helfen

Ärger mit Bibern - neuer Erlass soll Betroffenen unkompliziert helfen

Im Freistaat Sachsen sollen künftig Konflikte zwischen dem streng geschützten Biber und den Menschen bürgernah und schneller gelöst werden. Das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft hat dazu einen entsprechenden Erlass erarbeitet, der auf die Praxiserfahrungen im Naturpark Dübener Heide beruht.

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Biber im Fluss.

Quelle: dpa

Bad Düben. Danach kann in bestimmten Fällen in Biberbauwerken eingegriffen werden, ohne dass es einer Genehmigung bedarf.

Der Landkreis Nordsachsen ist ein gebranntes Kind, was den Castor Fiber, den Biber angeht - zumindest aus Sicht von Landwirten und Anrainern von Gewässern, wo sich die Nager tummeln. Etwa 350 Elbebiber leben in der Region - und die richten mitunter enorme Schäden an. "Biber stauen die Bäche, das Wasser steigt, unsere Ausläufe und Drainagen funktionieren dann nicht mehr", sagt Landwirt Wolfgang Görlich. Die Folge: Irgendwann wachsen Gräser auf den Feldern, die dort nichts zu suchen haben. Die Flächen würden dann von der Behörde zum Biotop erklärt - "das ist eine Einschränkung in unsere Bewirtschaftung", so der Chef der Muldeland Agrar GmbH in Bad Düben. Dies führe letztlich zu einem Flächenverlust.

Kein Einzelfall in Nordsachsen, den Landwirt Görlich schildert. Doch die Region hat sich auf den Biber eingestellt und ein sachsenweit einmaliges Projekt auf den Weg gebracht - das proaktive Bibermanagement. Biologin Janine Meißner versucht seit einem Jahr Problemfälle zu lösen, hat schon etliche Präventivmaßnahmen mit Landwirten und Kommunen umgesetzt. Ihre Erfahrungen und die aus 30 Jahren Biberschutz in der Heide sind in dem Erlass des Freistaates eingeflossen, den nunmehr Ministerialdirigent Dr. Hartmut Schwarze vom sächsischen Umweltministerium in Nordsachsen vorgestellt hat. "Auch wenn der Biber eine streng geschützte Tierart ist, heißt das nicht, dass nichts gemacht werden kann", sagt Schwarze. Und so habe der Erlass, den die Unteren Naturschützbehörden der Landkreise ab sofort umsetzen sollen, zwar den Biberschutz als oberstes Ziel, aber Flächennutzern und Anrainern könne in Problemfällen besser geholfen werden.

Praktisch soll das so funktionieren: Biberbauwerke sind ab jetzt von den Unteren Naturschützbehörden in drei Kategorien einzuteilen. Geht es beispielsweise um Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Tiere, den Biberburgen (Kategorie eins), oder Dämmen zur Sicherung des Lebensraums (Kategorie zwei), ist das Abtragen der Bauwerke in bestimmten Zeitfenstern mit behördlicher Genehmigung möglich. Sonstige Bauwerke jedoch, die der dritten Kategorie zugeordnet werden, können fortan generell und ohne Genehmigung abgetragen werden. Ein Novum, das endlos lange Verfahren und Bürokratie verhindern soll. Im Ministerium ist von "Bürgernähe" die Rede. Bedeutet: Jeder Betroffene, ob Landwirt oder Hausbesitzer, soll sich unkompliziert an seine Gemeinde wenden können und muss auch keine Kosten mehr für Bescheide tragen. Ebenso gibt es einen Härtefallausgleich für Schäden.

"Mit dem Erlass haben die Unteren Naturschutzbehörden mehr Spielraum und können schneller handeln, ohne das Bundesnaturschutzgesetz zu umgehen", sagt Giso Damer, Sachgebietsleiter Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Nordsachsen. Und mit der Kategorisierung gebe es "eindeutige Regeln", die Streitfälle vermeiden sollen.

Die Landwirtschaft wertet den Erlass als Schritt in die richtige Richtung. "Wir brauchen klare Klauseln für die Klassifizierung von Dämmen und Burgen", betont Jörg Hilger vom Landesbauernverband Sachsen, geht aber noch einen Schritt weiter: Es müsse eine Biber-Bestandserfassung geben und notfalls auch die Entnahme von Tieren aus Populationen möglich sein. Zudem bräuchten die Betriebe mehr Rechtssicherheit. Doch so weit reicht der Erlass nicht. Er setzt vielmehr auf Schadenprävention, regt zentrale Kontaktstellen und ehrenamtliche Bibersachkundige in den Landkreisen an, die mit der Landwirtschaft vor Ort kooperieren, wie es bereits im Naturpark Dübener Heide Praxis ist. Denn die Verbreitung des Bibers nehme sachsenweit zu, so Ministerialdirigent Schwarze. Wachsende Populationen gebe es derzeit im Landkreis Leipziger Land, in Mittelsachsen und in der Lausitz. Bis 30. Juli will das Ministerium zudem eine neue Informationsplattform im Internet zum Bibermanagement schaffen und auf dieser Bürgerfragen beantworten und Kontaktadressen hinterlegen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2013

Nico Fliegner

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