Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Ärger mit Bibern - neuer Erlass soll Betroffenen unkompliziert helfen

Ärger mit Bibern - neuer Erlass soll Betroffenen unkompliziert helfen

Im Freistaat Sachsen sollen künftig Konflikte zwischen dem streng geschützten Biber und den Menschen bürgernah und schneller gelöst werden. Das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft hat dazu einen entsprechenden Erlass erarbeitet, der auf die Praxiserfahrungen im Naturpark Dübener Heide beruht.

Voriger Artikel
Goldener Teddy geht nach Löbnitz
Nächster Artikel
Streit-Objekt Heidekaserne - Hält ein neues Gewerbegebiet schleichend Einzug?

Biber im Fluss.

Quelle: dpa

Bad Düben. Danach kann in bestimmten Fällen in Biberbauwerken eingegriffen werden, ohne dass es einer Genehmigung bedarf.

Der Landkreis Nordsachsen ist ein gebranntes Kind, was den Castor Fiber, den Biber angeht - zumindest aus Sicht von Landwirten und Anrainern von Gewässern, wo sich die Nager tummeln. Etwa 350 Elbebiber leben in der Region - und die richten mitunter enorme Schäden an. "Biber stauen die Bäche, das Wasser steigt, unsere Ausläufe und Drainagen funktionieren dann nicht mehr", sagt Landwirt Wolfgang Görlich. Die Folge: Irgendwann wachsen Gräser auf den Feldern, die dort nichts zu suchen haben. Die Flächen würden dann von der Behörde zum Biotop erklärt - "das ist eine Einschränkung in unsere Bewirtschaftung", so der Chef der Muldeland Agrar GmbH in Bad Düben. Dies führe letztlich zu einem Flächenverlust.

Kein Einzelfall in Nordsachsen, den Landwirt Görlich schildert. Doch die Region hat sich auf den Biber eingestellt und ein sachsenweit einmaliges Projekt auf den Weg gebracht - das proaktive Bibermanagement. Biologin Janine Meißner versucht seit einem Jahr Problemfälle zu lösen, hat schon etliche Präventivmaßnahmen mit Landwirten und Kommunen umgesetzt. Ihre Erfahrungen und die aus 30 Jahren Biberschutz in der Heide sind in dem Erlass des Freistaates eingeflossen, den nunmehr Ministerialdirigent Dr. Hartmut Schwarze vom sächsischen Umweltministerium in Nordsachsen vorgestellt hat. "Auch wenn der Biber eine streng geschützte Tierart ist, heißt das nicht, dass nichts gemacht werden kann", sagt Schwarze. Und so habe der Erlass, den die Unteren Naturschützbehörden der Landkreise ab sofort umsetzen sollen, zwar den Biberschutz als oberstes Ziel, aber Flächennutzern und Anrainern könne in Problemfällen besser geholfen werden.

Praktisch soll das so funktionieren: Biberbauwerke sind ab jetzt von den Unteren Naturschützbehörden in drei Kategorien einzuteilen. Geht es beispielsweise um Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Tiere, den Biberburgen (Kategorie eins), oder Dämmen zur Sicherung des Lebensraums (Kategorie zwei), ist das Abtragen der Bauwerke in bestimmten Zeitfenstern mit behördlicher Genehmigung möglich. Sonstige Bauwerke jedoch, die der dritten Kategorie zugeordnet werden, können fortan generell und ohne Genehmigung abgetragen werden. Ein Novum, das endlos lange Verfahren und Bürokratie verhindern soll. Im Ministerium ist von "Bürgernähe" die Rede. Bedeutet: Jeder Betroffene, ob Landwirt oder Hausbesitzer, soll sich unkompliziert an seine Gemeinde wenden können und muss auch keine Kosten mehr für Bescheide tragen. Ebenso gibt es einen Härtefallausgleich für Schäden.

"Mit dem Erlass haben die Unteren Naturschutzbehörden mehr Spielraum und können schneller handeln, ohne das Bundesnaturschutzgesetz zu umgehen", sagt Giso Damer, Sachgebietsleiter Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Nordsachsen. Und mit der Kategorisierung gebe es "eindeutige Regeln", die Streitfälle vermeiden sollen.

Die Landwirtschaft wertet den Erlass als Schritt in die richtige Richtung. "Wir brauchen klare Klauseln für die Klassifizierung von Dämmen und Burgen", betont Jörg Hilger vom Landesbauernverband Sachsen, geht aber noch einen Schritt weiter: Es müsse eine Biber-Bestandserfassung geben und notfalls auch die Entnahme von Tieren aus Populationen möglich sein. Zudem bräuchten die Betriebe mehr Rechtssicherheit. Doch so weit reicht der Erlass nicht. Er setzt vielmehr auf Schadenprävention, regt zentrale Kontaktstellen und ehrenamtliche Bibersachkundige in den Landkreisen an, die mit der Landwirtschaft vor Ort kooperieren, wie es bereits im Naturpark Dübener Heide Praxis ist. Denn die Verbreitung des Bibers nehme sachsenweit zu, so Ministerialdirigent Schwarze. Wachsende Populationen gebe es derzeit im Landkreis Leipziger Land, in Mittelsachsen und in der Lausitz. Bis 30. Juli will das Ministerium zudem eine neue Informationsplattform im Internet zum Bibermanagement schaffen und auf dieser Bürgerfragen beantworten und Kontaktadressen hinterlegen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2013

Nico Fliegner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bad Düben
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

22.09.2017 - 06:44 Uhr

Kreisoberliga: Deutzen reist nach Falkenhain, Frohburg nach Burkartshain

mehr