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Amerikanische Investorin: Schloss Schnaditz „ist einfach nur wunderbar“

Sanierungspläne Amerikanische Investorin: Schloss Schnaditz „ist einfach nur wunderbar“

Eine Amerikanerin sucht ihr familiären Wurzeln in Sachsen, findet diese und die Liebe zu einem Schloss gleich noch dazu. Die ist bis heute geblieben, allen unerwarteten Kämpfen mit Banken und Bürokratie zum Trotz. Helga van Horn findet ihr Schloss Schnaditz noch immer einfach nur wunderbar. Wie geht’s jetzt aber weiter?

Nick und Helga van Horn im künftigen Restaurant des Schlosses Schnaditz

Quelle: Ilka Fischer

Schnaditz. Helga van Horn überlegt keine Sekunde und die leuchtenden Augen bekräftigen ihre Antwort: „Nein, auf keinen Fall.“ Mehr Worte braucht es für sie nicht bei der Frage, ob sie es inzwischen schon einmal bereut hat, sich auf das Abenteuer Schloss Schnaditz eingelassen zu haben. Dabei hat die deutschstämmige US-Amerikanerin mit etlichen Widrigkeiten zu kämpfen.

„Mitunter habe ich schon den Eindruck, dass einem mehr Steine in den Wege gelegt werden, als das Schloss überhaupt Steine hat.“ Sie spielt dabei insbesondere auf die Banken an, die einfach kein Schloss finanzieren wollen. Aber auch auf die Bürokratie. Wobei die Frau aus Reno in Nevada, die in den 1960er Jahren auswanderte, da eine wichtige Einschränkung macht. „Bei der letzten Begehung mit dem Denkmalschutz hatte ich den Eindruck, dass konstruktiv nach einer Lösung gesucht wird.“ Und Lösungen braucht es viele, sei es nun für ein aus der Mauer ragendes Abwasserrohr oder bei den Grundrissen für die geplanten Appartements.

Familiäre Wurzeln in Sachsen

Schlossinhaberin, so stellt sie klar, ist sie streng genommen aber nicht. Denn ihre Gesellschafteranteile hat sie, die ihr Alter nicht verraten möchte, an ihren Sohn Nick van Horn abgetreten. Doch in ihrem Herz hat das Schloss Schnaditz bei der temperamentvollen kleinen Frau einen großen Platz. Wie ihr Sohn Nick, der für das künftige Restaurant verantwortlich ist, richtet sie sich gerade wohnlich ein. Denn sie will oft hier sein. Doch wie kommt man als Amerikanerin ausgerechnet auf das Schloss Schnaditz?

„Eigentlich“, so erklärt sie, „wollte ja gar nicht ich, sondern mein 2008 verstorbener Mann Jack Schlossbesitzer werden, und zwar gemeinsam mit Donald Gardner und James Hengels.“ Mit einem barocken Herrenhaus in Großdeuben haben sie 2008 schon mal einen ersten Anlauf gemacht. Später habe sie dann der Busfahrer Eberhard Krahnefeld, den sie immer mal für ihr Reisebüro engagiert, erzählt, dass er von seinem Zuhause auf ein Schloss schaue. Unabhängig davon habe sie zudem der Holländer Hans Ramp, der das Schloss in Wendischbora besitzt, auf Schnaditz aufmerksam gemacht.

Dass es sie prinzipiell nach Sachsen zieht, liegt an ihren familiären Wurzeln. Einem Urgroßonkel gehörte das Gut Piestel bei Torgau. Heute gebe es davon nichts mehr. Doch ein Schild an einem Baum „Emmas Ruh“, von dem ihr die Mutter erzählte, „das habe ich tatsächlich noch gefunden“.

Verkauf von Luxusreisen

An sich, so gibt Helga van Horn unumwunden zu, schien ihr das Schnaditzer Schloss zu groß. Doch mehrere Gespräche mit der Stadt und der Kaufpreis von 120 000 Euro überzeugten. Helga van Horn: „Wir konnten einfach nicht widerstehen.“ Und sie ist überzeugt, dass das auch viele Amerikaner nicht können. In ihrem Reisebüro, das Luxusreisen mit Wochenpreisen von 4000 bis 5000 Euro organisiert, habe sie jedenfalls schon jetzt Anfragen, wann das Schloss fertig wird.

Sie selbst wundert das nicht. Das Schloss, von dem sich wunderbar Dresden, Berlin, Leipzig, Meißen oder auch Prag erreichen lasse, war immer auch mit dem Freimaurertum verbunden. „Davon zeugen noch heute die Friese über den Fenstern“, erzählt sie begeistert. Und Freimaurertum ist in Amerika einfach ein großer Markt. Auch in einem Schloss zu übernachten, das ab 1678 für gut 100 Jahre der Familie des noch heute mit der alljährlichen New Yorker Steuben-Parade geehrten Freiherrn Friedrich Wilhelm von Steuben gehörte, locke.

Nein, für Helga van Horn steht trotz der maroder Bausubstanz fest: Das Schloss Schnaditz ist einfach nur wunderbar, allen Widrigkeiten zum Trotz.

So geht es jetzt weiter

Das Schloss Schnaditz wurde im Herbst 2014 von der Stadt Bad Düben verkauft. Es gehört nun, auch nach zwischenzeitlichem Gesellschafterwechsel, den vier Amerikanern James Hengels, Donald Gardner, Jason Gage und Nick van Horn. Die Suche nach einer Bankenfinanzierung gilt als gescheitert.

Damit dürfte sich auch das ursprüngliche Vorhaben, in Schnaditz knapp vier Millionen Euro zu investieren, davon 40 Prozent Eigenmittel und je 30 Prozent Kredit und Infrastrukturförderung des Freistaats, vermutlich nicht in dieser Größenordnung und auf jeden Fall nicht so schnell wie erhofft umsetzen lassen. Die GmbH saniert das Schloss nun Stück für Stück mit eigenen Mitteln. Angefangen wurde im Frühjahr zunächst mit zwei Appartements und im Restaurantbereich.

Spezialitäten-Restaurant geplant

Angestrebt wird, das Restaurant in diesem Jahr zumindest noch teilweise zu öffnen. Sobald die noch einmal zu ändernden Baupläne genehmigt sind, will die Schnaditz GmbH zudem mit Fassadenarbeiten beginnen. Das große Restaurant in der ehemaligen Brennerei, der Biergarten, der Rittersaal im ersten Stock folgen. Zuletzt kommen die Touristen-Appartements, die überwiegend im zweiten Stock geplant sind, an die Reihe. Wann das sein wird, lässt sich aber derzeit nicht sagen. Dies hängt nach Aussage aus den Reihen der Schnaditz GmbH auch davon ab, wie gut das Restaurant, das mit dem Angebot von regionalem Fleisch, das aber wie in Texas 12 bis 14 Stunden lang geräuchert wird, ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland hat, angenommen wird.

Von Ilka Fischer

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