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Andrej Löchel ist der Schnitzerkönig

Andrej Löchel ist der Schnitzerkönig

Das beschauliche 600-Seelenörtchen Tornau war zum 15. Mal Gastgeber des Holzskulpturenwettbewerbes "Kunst mit Kettensägen". Und traditionell stellte der Initiartor des Events, Heidemaler Wolfgang Köppe, den Wettbewerb auch diesmal unter ein besonderes Motto.

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Tausende besuchen 15. Holzskulpturen-wettbewerb an Weichers Mühle in Tornau.

Quelle: Streffen Brost

Tornau. Das hieß in diesem Jahr "Die Seele des Menschen ist die Seele des Baumes". Das größte Volksfest im Naturpark Dübener Heide lockte wieder tausende Besucher auf die große Wiese im Hammerbachtal, nahe Weichers Mühle. Die Autokennzeichen verrieten woher die Neugierigen kamen. "Fast die ganze Republik ist heute hier und wollen unsere 35 muskelgestählten Akteure sehen, wie sie aus klobigen Baumstämmen imposante Skulpturen mit Hand und Maschine schnitzen", freute sich Tornaus Bürgermeister Enrico Schilling. Bereits in den Tagen vor dem Spektakel war auf der Wiese jede Menge los. Tornauer Gemeindearbeiter brachten mit einer Handvoll Helfern 34 mächtige Stücke Pappelholz in Position. Und daraus ließen an zwei Tagen Künstler aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und England mittels Kettensäge filigran gearbeitete Holzfiguren entstehen. "Bäumen, die eigentlich abgestorben sind, wird neues Leben eingehaucht.

Alle machen das mit einem Ziel. Miteinander arbeiten und voneinander lernen", sagte der 88-jährige Köppe der stolz über den Platz blickte. Den besten Arbeitsplatz hatte sich Stammteilnehmer Raik Zenger aus Bad Düben ausgesucht. Er sägte und feilte direkt unter den schattigen Bäumen am Ufer des Hammerbaches. "Der Platz passt wunderbar zu meinem Thema. Ich schnitze in diesem Jahr nämlich eine Biberfamilie", erklärte Zenger. Jürgen Pisarz ist Teilnehmer Nummer zwei aus Bad Düben. Doch der Rentner ließ es ruhig angehen. Kramte erstmals mit Kumpel Heiko Kapke in Urlaubserinnerungen. "Ich war vor ein paar Wochen im Radurlaub in Norwegen. Das war einfach nur gigantisch. Die vielen Fotos müssen ersteinmal angeschaut werden", so Pisarz, der bereits zum achten Mal seine Kunst vorstellte.

Sein Werk nannte der Kurstädter diesmal "Sich verkeilen" und spielte damit auf die Beziehung von Paaren an. "Viele keilen sich auch mal. Manche verkeilen sich auch. Das will ich mit meinen Stamm aus Pappel zeigen. Ich habe schon ein kleines Musterexemplar zu Hause erschaffen", erzählte Pisarz. Etwas schmerzhafte Erfahrung musste Neuling Rhys Donell aus England mit seinem Schnitzerwerkzeug machen. Er rutschte mit einem scharfen Schälmesser ab und stach sich ins Knie. Mit ein paar Stichen wurde die Wunde im Waldkrankenhaus genäht. Nachmittags stand der junge Mann bereits wieder arbeitend an seiner Holzfigur. Gemeinsam mit seinen beiden Landsleuten Harrison Vyse und Lee Gough sowie Peter Kaiser vom Naturpark Dübener Heide ist er Teilnehmer eines europäischen Austauschprojektes im Bildungshaus Heideland. "Internationale Teilnehmer sind hier häufiger zu Gast. Diese Erfahrung beim Kettensägefest ist während ihres Aufenthaltes immer etwas besonderes. In diesem Jahr gestalten wir eine Pfauenhenne aus Holz", verriet Kaiser. Einzige Frau im sonst vom Männer dominierten Wettbewerb ist Jana Riedel.

Die aus Rauschitz in Thüringen stammende junge Frau war im vergangenen Jahre als Zuschauerin dabei. Diesmal legte sie selber die Kettensäge an. "Mich hat das gereizt mal mitzumachen. Aber ich fange klein an und säge einen Bücherwurm", sagte die Vermessungingenieurin. Viele Zuschauer aus nah und fern gefiel diese außergewöhnliche Veranstaltung. Unter ihnen auch Karin und Ralf Nitzsche aus Berlin. Das Paar war geradewegs in Richtung Ungarn unterwegs. Mit dem Fahrrad. "Wir wollen von Berlin bis zum Plattensee radeln. Unsere Strecke führte durch die Dübener Heide. Und dann blieben wir hier hängen. Das musste ich mir unbedingt anschauen. So etwas haben ich noch nie gesehn", schwärmte der Berliner. Und er machte sogleich auch noch Bekanntschaft mit dem neuen Köhlerliesel. Cornelia Tschörner übernahm das Zepter von Vorgängerin Swetlana Ebert. Schnell war die Wange des Berliners mit Holzkohle geschwärzt und ein Schmatzer auf die Backe gedrückt. Die beiden Markenzeichen des Köhlerliesels, was Glück und ein langes Leben bringen soll. Und dann war da noch ein ganz prominenter Besuch. MDR-Moderatorin Madeleine Wehle und ein komplettes Fernsehteam waren Sonnabendvormittag auf dem Festplatz unterwegs, fingen Impressionen ein und präsentierten das Ganze in der Live-Sendung "MDR vor Ort".

Und dabei kam die Moderatorin auch ganz schön ins schwitzen. Denn Wehle probierte sich höchstpersönlich in der Kettensägenkunst aus und schnitzte mit Unterstützung von Michael und Sebastian Krüger einen kleinen Holzpilz. Für einem Preis reichte es noch nicht ganz. Die gewannen schließlich Andej Löchel (Zuschauerpreis) mit seiner Skulptur "Saarpferd" und Christian Schmidt (Künstlerpreis) mit seinem Werk "Seelenbruch". Den ausgelobten Köppepreis erhielt Lokalmatador Raik Zenger für seine Biberfamilie.

Steffen Brost

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