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Astrid Münster: „Es ärgert mich, wenn einige wenige ihre gute Kinderstube vergessen“

Bürgermeisterin im Interview Astrid Münster: „Es ärgert mich, wenn einige wenige ihre gute Kinderstube vergessen“

Kurstadt-Entwicklung, Obermühlen-Sanierung, Flüchtlings-Problematik – drei von vielen Schwerpunkten anno 2015 sind auch die im neuen Jahr. Astrid Münster (43, FWG), seit acht Jahren Bürgermeisterin in Bad Düben, spricht im LVZ-Interview über fehlende Kinderstuben, leere Regierungs-Versprechen und Bad Dübener mit Herz und Verstand.

Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (43, FWG).

Quelle: LVZ

Bad Düben. Kurstadt-Entwicklung, Obermühlen-Sanierung, Flüchtlings-Problematik – drei von vielen Schwerpunkten anno 2015 sind auch die im neuen Jahr. Astrid Münster (43, FWG), seit acht Jahren Bürgermeisterin in Bad Düben, spricht im LVZ-Interview über fehlende Kinderstuben, leere Regierungs-Versprechen und Bad Dübener mit Herz und Verstand.

Kanzlerin Merkel sprach kürzlich von einem Jahr, dass sie so noch nicht erlebt habe. Wie lautet Ihr Fazit?

Ja, das sehe ich auch so, obwohl man dieses Fazit wohl für jedes Jahr seines Lebens ziehen können sollte. Das Jahr war aufregend, turbulent, enttäuschend, aber auch positiv überraschend – jedenfalls keineswegs langweilig.

Zum Jahreswechsel 2014/2015 sprachen Sie davon, dass Sie in puncto Asyl-Politik darauf setzen, dass Themen angesprochen werden, dass es wichtig ist, zuzuhören, Probleme ernstzunehmen und das persönliche Schicksal zu kommunizieren. Inwiefern ist das gelungen?

Ich denke, dass ich dieses Versprechen ganz ordentlich eingehalten habe. Den Stadtrat und die Bürger insgesamt habe ich umgehend mit dem mir jeweils zur Verfügung stehenden Kenntnisstand konfrontiert und versucht, auch die Lösung hier in Bad Düben aufzuzeigen.

Es ist immer wieder zu hören: Die Flüchtlings-Welle verändert das Land. Wie hat sich Bad Düben verändert?

Ehrlich – es sind weniger äußerliche Veränderungen, wie Frauen mit Kopftüchern auch auf den Straßen oder die fremden Sprachen, die ab und an zu vernehmen sind, sondern eher die Veränderungen, die ich an uns Einheimischen stärker wahrnehme als noch in der Vergangenheit. Die Ängste der Menschen werden offenbarer, aber auch der unbedingte Wille, sich diesen zu stellen. Das Interesse an Politik wird deutlicher kommuniziert und man fragt sich öfter, wie soll mein Land, meine Stadt in der Zukunft aussehen, was macht meine/unsere Kultur aus, was ist der richtige Weg zwischen Tradition und einer modernen, freien und liberalen Gesellschaft im Kleinen wie im Großen und tatsächlich die Frage: „Schaffen wir das?“ und „Wie schaffen wir das?“

Es ärgert mich, wenn einige wenige ihre gute Kinderstube vergessen und meinen, ihre persönliche, menschenverachtende Meinung aggressiv verbal oder auch gewalttätig durchsetzen zu müssen. Ärgerlich ist auch die in meinen Augen unzulängliche Ankündigungspolitik der Landesregierung. Es kann nicht sein, dass man seit einem Jahr von Integration redet und angebliche Millionen dafür bereitstellt, bei uns, die wir uns sehr bemühen, kam aber noch nicht ein einziger Euro an, geschweige denn Lehrer in unserer Grundschule, um den normalen Unterricht zu gewährleisten und daneben noch Kinder zu integrieren. Das muss sich schnellstens ändern – am besten bereits morgen!

Der Prozess um die Verteidigung des Kurstadt-Status hat eine öffentliche Debatte bezüglich der Strategie-Ausrichtung in Gang gesetzt. Wie soll das Bad Düben der Zukunft aussehen?

Vielleicht noch ein bisschen bunter und offener, toleranter, ein Stück weit mehr durch direktes Engagement der jeweiligen Menschen geprägt und gestaltet und natürlich auch moderner – gerade wenn ich an die Breitbandversorgung denke oder das Bildungsangebot.

Ein Blick zurück: Was ist aus Ihrer Sicht 2015 gelungen?

Besonders stolz bin ich darauf, dass es uns gelungen ist, die hier neu angekommenen Menschen dezentral in Wohnungen unterzubringen und auf die Bürger, die sich besonders in die Integrationsarbeit eingebracht haben. Das sind für mich die Bad Dübener mit Herz und Verstand – die Bad Dübener des Jahres 2015, dazu zähle ich auch diejenigen, die als Nachbarn ganz wichtig sind.

Unser 100-jähriges Kurjubiläum war mit jeder Veranstaltung ein Highlight – vielen Dank auch allen, die dabei geholfen haben. Ohnehin empfinde ich das Veranstaltungsniveau insgesamt als noch ansprechender und gelungener als in den vergangenen Jahren, vom Stadtfest, über die Ausstellungen, Oktoberfest, Weihnachtsmarkt und unabhängig vom Veranstalter.

Und was nicht?

Mir geht das mit dem Breitbandausbau zu langsam und unzufrieden bin ich weiterhin mit der Anbindung der Stadt an den ÖPNV, insbesondere im Vergleich zu den kleineren Orten der Region, die das Glück haben, an den Schienenverkehr angebunden zu sein. Hier befürchte ich, dass wir den Anschluss verlieren, wenn sich nichts ändert. Die Zukunft liegt meiner Meinung nach gerade nicht im Individual- und Pkw-Verkehr. Wenn wir weiterhin von unserer Nähe zu Leipzig profitieren wollen, Fachkräfte für die Klinik, die Hotels und Gastronomie und unsere Unternehmen gewinnen wollen und vor allem für junge Menschen attraktiv bleiben oder werden wollen, dann brauchen wir eine Verbindung zum Oberzentrum, die ein Leben und Wohnen in Bad Düben sowie ein Arbeiten oder Studieren in Leipzig ermöglicht, und das auch am Wochenende und umgekehrt. Wer daran zweifelt, sollte sich mal die vielen jungen Menschen in Delitzsch oder Eilenburg auf den dortigen Bahnhöfen anschauen, die von der guten Anbindung profitieren. Das ist ein Gewinn für jeden Ort rund um Leipzig!

Rad- und Fußwegebau, Heidebad-Sanierung, Vision 2030 – der Stadtrat hat verschiedene Projekte auf den Weg gebracht, Arbeitsgruppen gebildet. Wie bewerten Sie diese Initiativen?

Als sehr gut, richtig und als Fingerzeig für eine gute Zusammenarbeit untereinander und den ernsthaften Willen, die Stadt aktiv zu gestalten und Weichen für eine moderne Stadt zu stellen, in der aber auch das Bewährte erhalten und weiterentwickelt wird. Bad Düben schafft sich selbst Verbindungen zueinander und miteinander!

Was wird 2016 an Investitionen möglich sein?

Das neue Jahr wird geprägt vom Bau der Schauwerkstätten, des Gerätehauses Tiefensee, des Windmühlenwegs, der Teilsanierung Spatzenhaus, Mühldorfer Straße sowie von investitionsvorbereitenden Planungen zum Hortneubau und den Breitbandausbau und hoffentlich auch zum Jugendintegrationscamp im NaturSportBad.

Ein Blick in die Ortsteile: Wellaune kämpft um die Ortsumgehung, Schnaditz um den Ringdeich, Tiefensee soll ein neues Gerätehaus bekommen. Was ist hier noch zu erwarten?

Kleinere Investitionen in die Friedhofskapelle Wellaune, das Bürgerhaus Schnaditz oder die Gewässerpflege.

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr? Und worauf können sich die Bad Dübener freuen?

Wir wollen es in ein neues Förderprogramm „Aktive Stadt“ schaffen, um hauptsächlich die Attraktivität der Innenstadt zu fördern mit kleineren investiven Maßnahmen, aber vor allem mit personeller Kraft in Richtung der Förderung der Innenstadtinitiative und der Leerstandsbeseitigung. Dann wird es das Jubiläum zu 100 Jahre Bibliothek in Bad Düben geben.

Gespannt bin ich auch auf die Genehmigung zum weiterführenden Evangelischen Schulzentrum und der Bildung zweier fünften Klassen. Dies dürfte für unser Bad Düben ein Meilenstein werden. Das Umsetzungsmanagement in Richtung Kurortentwicklung mit der Gestaltung des Kurstadtweges ist auch so ein kreativer Prozess, der spannend werden könnte.

Von Kathrin Kabelitz

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