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Astrid Münster: "Ich hoffe, dass wir die Kuh vom Eis holen"

Astrid Münster: "Ich hoffe, dass wir die Kuh vom Eis holen"

Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2013 zurück. Trotz des Juni-Hochwassers habe sich die Stadt in verschiedenen Bereichen zum Positiven weiterentwickelt, sagt die 41-Jährige im Kreiszeitungs-Interview.

Bad Düben. Und sie gewährt erstmals ganz persönliche Einblicke in ihre bisherige Amtszeit, spricht über den Umgang mit öffentlicher Kritik und welche Ziele sie verfolgt.

 

 

Frage: Wie sind Sie ins neue Jahr gerutscht?

Astrid Münster: Gut, beim Feiern mit Freunden in Stuttgart.

 

 

Denken Sie dann eher zurück auf das alte Jahr oder blicken Sie auf das, was da jetzt kommen wird?

Na, dieses Jahr ist doch ein besonderes, denn im März steht die Bürgermeisterwahl an und zumindest was das Berufliche betrifft, steht ganz klar das, was kommt, im Vordergrund. Ich habe aber auch die freie Zeit genutzt, um mal meine Fotos aus dem Jahr 2013 zu sortieren und das geht nicht ohne auch gedanklich zurückzuschauen.

 

 

Bleiben wir zunächst im alten Jahr: Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Sehr gut, denn wir hatten bei all den schlimmen Geschehnissen während und nach der Flut großes Glück, haben dann mit riesiger Unterstützung mit der Schadensbeseitigung begonnen und sind mit dem Landkreis und dem Freistaat auf einem richtig guten Weg. Und auch sonst lief es hervorragend, denken Sie nur an den lang und hart umkämpften Fördermittelbescheid für die Obermühle oder das erste überaus erfolgreiche gemeinsame Jahr von Naturpark und T-Info im Naturparkhaus, den 60. Geburtstag des Landschaftsmuseums, das Erringen des European Energy Awards zum dritten Mal. Auch den historischen Weihnachtsmarkt mit über 10 000 Besuchern will ich nicht vergessen und dass Bad Düben insgesamt bei Gästen immer beliebter wird. So kann es weiter gehen. Da fällt mir nur ein Wermutstropfen ein, und der heißt Rechtsstreit mit dem Bund über das Gymnasium und mittlerweile auch den Sportplatz.

 

 

Ja, das ist eine mächtige Klippe, die es noch zu umschiffen gilt? Welche Klippen taten sich denn außerdem auf?

Neben der Flut war das die arbeitsintensive Erstellung des Maßnahmeplanes zur Beseitigung der Hochwasserschäden. Auch die Frage, wie kommen wir innerhalb der Verwaltung mit dem neuen kommunalen Rechnungswesen Doppik zurecht, mussten wir beantworten. Und wie gesagt: Die Forderung des Bundes von fast 500 000 Euro für das Gymnasium. Natürlich gibt es noch mehr höheren Wellengang während so eines Jahres, aber das ist in jeder Gemeinde und in jedem Job so.

 

 

Vieles war 2013 neu: Der Bauhof gehörte nicht mehr zur Stadt, die Verwaltung hatte eine neue Struktur bekommen mit neuen Verantwortlichen. Wie zufrieden sind Sie damit?

Zu Beginn des Jahres hatten wir schon etwas größere Schwierigkeiten, hauptsächlich was die neuen Verantwortlichkeiten betraf, aber dies haben wir sehr gut in den Griff bekommen, und zwar was alle Seiten anbelangt. Ich persönlich habe ja jetzt auch noch zusätzliche fachliche Verantwortung im neu geschaffenen Bürgermeisteramt. Das ist schon noch mal eine neue Herausforderung gewesen. Es gilt, was die Doppik anbelangt, noch einiges zu optimieren, aber die sehr gute Vorbereitung und Fortbildung meiner Mitarbeiter hat sich überaus positiv bemerkbar gemacht. Zur Vergabe des Bauhofes an Alba und nach dem ersten Jahr bin ich mehr als überrascht gewesen, wie insgesamt reibungslos das Zusammenarbeiten funktioniert. Und das haben mir die Bürgerinnen und Bürger auch so rübergebracht. Aber hier gilt natürlich auch: Es gibt nichts, was nicht noch besser geht.

 

 

Sie wollen 2014 zum zweiten Mal Bürgermeisterin werden. Wann haben Sie für sich persönlich ausgemacht: Ja, ich trete nochmal an. Können Sie sich an den Moment erinnern?

Das stand für mich schon im Jahr 2006 fest, denn als ich mich um dieses Amt bewarb, machte ich mir natürlich auch darüber Gedanken, wie soll das weitere Arbeitsleben aussehen. Und für mich war klar, mindestens zwei Legislaturperioden braucht man, um seine Vorstellungen umzusetzen und eine Stadt wie Bad Düben für die Zukunft mit dem Stadtrat zusammen und gemeinsam mit den Bürgern zu gestalten. Und wie in jedem Beruf gibt es dann aber auch Momente, in denen man solche grundsätzlichen Lebensentscheidungen hinterfragt. Im Februar habe ich die 'Wenns' und 'Abers' und so manchen Ärger mit den schönen Seiten dieses Berufes und meinen Zielen und den Vorstellungen abgewogen und festgestellt, ich kann mir derzeit kein schöneres berufliches Betätigungsfeld vorstellen. Gerade trotz, aber auch wegen der Besonderheiten dieses Amtes.

 

 

Was reizt Sie denn an diesem Amt so sehr?

Die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich trotz engen finanziellen Spielraums ergeben, zu erkennen, abzuwägen, mich in den politischen Prozess mit den Stadträten einzubringen und zu diskutieren sowie zu versuchen, die Bürger mitzunehmen und darüber ein Wir-Gefühl zu schaffen. Natürlich auch die Vielseitigkeit der Aufgaben, des Wissens und Arbeitens. In welchem Beruf haben Sie schon die Möglichkeit, über Verwaltung, Finanzen, Bau, Vereine, Tourismus, Wasser, Abwasser, ökologische Fragen und und und mitzureden? Und vor allem Entscheidungen zu treffen oder vorzubereiten, an manchem Tag im halbstündigen Wechsel und gleichzeitig einen unmittelbaren Bezug zum Bürger zu haben. Kultur- und Repräsentationsaufgaben liegen mir persönlich besonders am Herzen.

 

 

Nun ist es ja kein einfacher Job. Als Bürgermeisterin stehen Sie auch permanent in der Schusslinie. Ist Ihr Fell in den vergangenen Jahren dicker geworden?

Wenn ich an meine Anfangszeit als Bürgermeisterin denke und in der Öffentlichkeit auch nur der Anflug von Kritik an irgendeiner Entscheidung oder Äußerung aufkam, da hatte ich mitunter zu tun, damit klar zu kommen und das nicht persönlich zu nehmen. Dann lernt man aber sehr schnell, viele Dinge und Meinungen auch zu akzeptieren, darüber nachzudenken, gelassener mit Kritik umzugehen und seine eigenen Ansichten zu überprüfen. Da kommt es auch schon mal vor, dass man diese modifiziert und Anregungen aufnimmt. Ein Stück weit sich selbst nicht so wichtig nehmen, gute Freunde, Familie und Mitarbeiter sind das richtige Konzept und ganz wichtig: Immer davon ausgehen, dass derjenige, der einem was zu sagen hat, auch nur das Beste für die Stadt will. Das hilft. Boshaftigkeit trifft mich aber immer noch genauso wie zu Beginn meiner Amtszeit.

 

 

Was würden Sie als die Sorgenkinder der Stadt bezeichnen?

Der Hochwasserschutz muss zu Ende geführt werden. Da sind wir ja gemeinsam mit dem Freistaat auf einem sehr guten Weg. Bis dahin müssen wir aber versuchen, auch durch Eigenvorsorge von Stadt und Bürgern uns besser zu rüsten. Keiner weiß, wann das nächste Wasser kommt und das letzte Jahrhundert von Flut zu Flut hat nur elf Jahre gedauert. Lebenswichtig für uns als Grundzentrum sind die Verkehrsanbindungen, insbesondere der ÖPNV in die Mittelzentren nach Eilenburg und Delitzsch sowie ins Oberzentrum nach Leipzig - auch am Abend und an den Wochenenden. Wünschen würde ich mir auch, wenn sich mehr junge Menschen politisch engagieren, zum Beispiel in den Ortschaftsräten, als berufener Bürger oder im Stadtrat. Frau Hohmann und Herr Kühne zum Beispiel sind die einzigen Stadträte, die noch minderjährige Kinder haben. Ganz junge Leute bis 30 sind gar nicht vertreten. Da wünschte ich mir etwas mehr Mut und Interesse.

 

 

Ein Sorgenkind war zuletzt auch die Feuerwehr. Dort scheint Ruhe reingekommen zu sein. Trotzdem hat die Stadtteilwehr Bad Düben nach der Absetzung ihres Wehrleiters Sven Hindemitt momentan keinen Wehrleiter: Wie geht es da weiter?

Von der Feuerwehr insgesamt würde ich nicht sprechen, denn in Tiefensee und Schnaditz sehe ich keine Probleme. Die amtierenden Stellvertreter in der Stadtteilwehr Bad Düben haben ihre Aufgaben hervorragend gemeistert. Neben der Flut und einer sehr gut ausgearbeiteten Wochenendschulung im September hat die Feuerwehr über das gesamte Jahr sehr gut gearbeitet. Atmosphärisch sind es wenige Einzelne, die jede Entscheidung der Leitung lautstark kritisieren. Ich habe aber noch nicht ein Wort der Anerkennung von diesen Leuten gehört für die engagierten Kameraden für unzählige Stunden der Vorbereitung der Ausschreibung des neuen Einsatzleitwagens oder für die Wochenendschulung. Das wird dann als Selbstverständlichkeit hingenommen. Ansonsten verbleibt es bis zum Ablauf der Amtsperiode oder einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Leipzig bei dieser Situation.

 

 

Was steht 2014 neben Stadtrats- und Bürgermeisterwahl schwerpunktmäßig auf Ihrer Agenda?

2014 ist eindeutig das Jahr der Wahlen, denn neben Stadtrats- und Bürgermeisterwahlen stehen auch noch die Ortschaftsrats- und Kreistagswahlen und im August die Landtagswahl an. Und da auch in Laußig Bürgermeister-Wahlen sind, kommt für unser Einwohnermeldeamt noch mindestens eine Wahl dazu. Ich hoffe, dass wir bezüglich des Gymnasiums und des Rechtsstreits mit der Bima die Kuh vom Eis kriegen und die Eröffnungsbilanz im Frühjahr sowie das neue Feuerwehrgerätehaus in Schnaditz im Laufe des Jahres steht. Besonders freue ich mich, dass es endlich sichtbar mit dem Stadtumbau losgeht und die Innenstadtinitiative ins Laufen kommt. Dann heißt es natürlich auch Zusammenraufen mit den neuen und hoffentlich auch vielen alten Stadträten, Ortschaftsräten und Ortsvorstehern. Ach ja, und die Wohnungsbaugesellschaft bekommt zum 1. April auch eine neue Geschäftsführung. Also Arbeit gibt es genug. Außerdem werden wir ein paar wunderschöne spannende und sportliche Tage Ende Mai/Anfang Juni zum Sächsischen Landesturnfest und Stadtfest haben.

 

 

Welche Ziele verfolgen Sie insgesamt für Bad Düben?

Für uns ist es wichtig, uns trotz guter Vorbereitung mit der Wiederholungsprädikatisierung als Kurstadt im Jahr 2015 zu beschäftigen und unser touristisches Konzept weiter zu verfolgen, Stichwort Obermühle, Bootsanleger oder auch neuer Internetauftritt. Die Innenstadt und deren Entwicklung stehen daneben eindeutig im Fokus. Was die Investitionen in Wege, Straßen und Plätze anbelangt, geht es um die Aufwertung außerhalb des Stadtzentrums im Geschoßwohnungsbaugebiet, aber auch in Orts- und Stadtteilen. Bei allen Äußerlichkeiten dürfen wir aber auch die inhaltliche Weiterentwicklung, zum Beispiel in den Schulen und Kindergärten, nicht vergessen und müssen das besonders in den Vereinen und im ehrenamtlichen Bereich stärker fördern.

 

 

Wenn Sie drei Wünsche für 2014 frei hätten, welche wären das?

Sie meinen neben Weltfrieden, Gesundheit und Glück? Dann wünsche ich mir einen S-Bahnanschluss mit neuem Bahnsteig vom Gewerbegebiet aus über Laußig, die Rote Jahne, Eilenburg nach Leipzig, gern auch in die andere Richtung nach Bad Schmiedeberg und Wittenberg, aus den Nähten platzende Schulen und Kindergärten und volle Auftragsbücher und zufriedene Chefs und Mitarbeiter in unseren Unternehmen, Firmen, Geschäften mit ordentlichen Umsätzen und Gewinnen. Denn ohne Moos nichts los. Den Rest schaffen wir dann auch ohne Wunschfee.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2014
Nico Fliegner

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