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Asyl-Unterkunft: Entscheidung in Düben vertagt

Asyl-Unterkunft: Entscheidung in Düben vertagt

Wo kommt die Gemeinschaftsunterkunft für rund 60 Asylbewerber und Flüchtlinge in Bad Düben hin? Das wollten zur Sitzung des Stadtrates auch viele Bürger wissen - alle Gäste-Stühle waren besetzt, einige Besucher mussten stehen.

Eine Entscheidung ist nicht gefallen. Für den 8. Oktober hat Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) den Stadtrat erneut einberufen. Die Beratung beginnt um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus. Bis dahin wird die Verwaltung den Abgeordneten eine Liste mit möglichen Standorten vorlegen.

Eigentlich sollte mit Punkt 10 der Verkauf eines 5000 Quadratmeter großen Areals im Gewerbegebiet Süd-Ost an den Landkreis geregelt werden. Häuser in Leichtbauweise sollen errichtet werden, die 60 Flüchtlingen eine Bleibe bietet. Diese Variante hatte Münster mit dem Ältestenrat besprochen, offenbar hatte die Info aber nicht alle Stadträte rechtzeitig erreicht. Zudem mehrten sich, wie auf einer CDU-Veranstaltung am Dienstag deutlich wurde, Bedenken der Gewerbetreibenden, dass Abgeschiedenheit, fehlende Einkaufsmöglichkeiten und der nicht anliegende ÖPNV-Anschluss die Integration erschwerten.

Dennoch setzte der Stadtrat klare Zeichen. Bad Düben ist wie jede andere Kommune in der Pflicht, künftig bis drei Prozent der Bevölkerungszahl als Asylbewerber aufzunehmen. "Wir müssen dringend Menschen helfen, die unterkommen müssen. Dass wir Standorte finden, die wir befürworten, ist Sache aller Bürger. Ich lade alle ein, sich nicht nur Gedanken zum Freibad, sondern auch zu diesem Thema zu machen", begründete Andreas Flad (Die Linke) den gemeinsamen Vorschlag, den Beschluss erst im Oktober zu fällen. "Wenn damit zu rechnen ist, dass 50 Prozent hier bleiben, sind das 120, die bleiben. Wir stehen vor der Aufgabe, sie zu integrieren. Wenn das Dübener werden, müssen wir sie aufnehmen, hier beschäftigen und akzeptieren", so Werner Wartenburger (SPD).

Gisbert Helbing (CDU) formulierte seine Erwartung so: "Wir müssen sachlich bleiben und Emotionen rausnehmen. Wir kriegen das nicht in den Griff, wenn wir uns hier nicht einig sind und uns gegenseitig das Leben schwer machen." Man werde den Asylbewerbern aber auch sagen, dass die Stadt von ihnen erwarte, dass sie Recht, Gesetz und Ordnung einhalten. Er engagiere sich "in dem Bewusstsein, dass es für die Stadt und die Bürger richtig ist". Nach der besagten Beratung mit den Gewerbetreibenden habe er einen Zettel am Auto gefunden: Asylanten-Freund. Erst habe er es negativ gewertet, aber: "Ich empfinde das als Anerkennung. Ich mache das für die Menschen. Und ich fordere alle auf, mitzuwirken. Und derjenige, der diese Zettel schreibt, wird dann an alle welche verteilen können."

Auch Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) richtete mahnende Worte an die Runde. Die Aufgabe, Asylsuchende aufzunehmen, sei Pflicht. Derzeit seien rund ein Drittel Familien da, zwei Drittel Alleinreisende. Letztlich würden rund 200 Menschen dezentral untergebracht. Für weitere 40 bis 60 gebe es nur die Lösung Gemeinschaftsunterkunft. Stadt und Kreis seien dabei gefordert. Münster sprach von einer regelrechten gewerblichen "Asyl-Industrie", die mittlerweile entstanden sei und dabei ist, Brachen zu revitalisieren und als Asyl- oder Gemeinschaftsunterkünfte anzubieten. Städte und Gemeinden hätten zwar schnellen Handlungsbedarf, weil die Verteilung aus den Erstaufnahme-Einrichtungen ab Oktober an sieben Tagen in der Woche erfolge. "Wir haben aber noch die Chance, selbst zu bestimmen, wo der Landkreis mit uns gemeinsam Asylbewerber unterbringt", so Münster.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2015

Kathrin Kabelitz

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