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Auf Seepferdchen-Kurs

Auf Seepferdchen-Kurs

Geschwommen wird an Bad Dübens Grundschulen schon seit Ende der 1970er-Jahre. Bis heute gehört der Unterricht zum Lehrplan. Damals ging es in das Hallenbad nach Eilenburg, heute steht das Heide Spa zur Verfügung.

Jeden Dienstag und Freitag lernen die Mädchen und Jungen der zweiten Klasse aus der Heide-Grundschule Bad Düben Schwimmen.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. Eine Studie besagt, dass 45 Prozent der Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen können. Gleichzeitig werden immer mehr Bäder geschlossen und ein Großteil des Unterrichts geht für An- und Abreise drauf. Das ist auch in Bad Düben so.

Es ist kurz nach halb acht. Dick angezogen warten Elisabeth, Tim und Alina mit ihren Klassenkameraden auf dem Schulhof der Heide-Grundschule. Im Rucksack haben sie die Badesachen.

Jede Woche haben die Zweitklässler der Heide-Grundschule eine Doppelstunde für das Schwimmenlernen Zeit. Zumindest steht das so auf dem Stundenplan. Aber An- und Abreise dauern jeweils 20 Minuten. Abzüglich der Zeit, die sie brauchen, um sich umzuziehen und zu duschen, bleiben nur noch rund 40 Minuten im Wasser. Immerhin. Die Konsequenz: Schüler wie Elisabeth, Tim und Alina üben Hechtsprünge, tauchen nach Ringen, kraulen vor- und rückwärts. Andere Schüler hopsen im flachen Wasser auf und ab, spielen mit einem Ball.

"Rund 50 Prozent der Kinder können bereits schwimmen, bevor der Unterricht losgeht. Nach dem Schuljahr sind es knapp 90. Der Rest bewegt sich dann immer noch unsicher im Wasser", weiß Sportlehrer Hanno Lindner. Mit Kollegin Petra Rücker bringt er den Kindern das Schwimmen bei. "Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Nämlich in Nichtschwimmer und Schwimmer", sagt Lucas Nordmann und wischt sich das Wasser aus dem Gesicht. Die Lehrer versuchen so gut es geht und so vielen wie möglich Basisbewegungen zu vermitteln: Bäuchlings auf dem Hallenboden, in kreisförmigen Bewegungen die Luft wegdrücken. Einmal in der Woche, und das in weniger als einer Stunde. Schwimmen lernen wird so schwierig. Lucas kann schon lange schwimmen. Denn er trainiert in seiner Freizeit noch im Eilenburger Schwimmverein. In diesem Jahr sind die beiden Lehrer zufrieden. "Das ist ein starker Jahrgang. Trotz der einen Stunde Schwimmen pro Woche werden es überdurchschnittlich viele mit einer Prüfung erfolgreich beenden", blickt Lindner voraus.

Ziel nach einem Jahr ist es zumindest, die Seepferdchenprüfung zu schaffen. Alle anderen haben das Jugendschwimmabzeichen in Bronze oder Silber im Visier. Das bedeutet 400 beziehungsweise 800 Meter schwimmen, springen, tauchen und eine zweite Schwimmart zu beherrschen. Denn wer sich am Ende der Grundschule nicht sicher im Becken bewegen kann, wird später große Probleme haben. Viele lernen außerhalb der Schule das Schwimmen gar nicht mehr.

Die Heide-Grundschüler haben jedenfalls viel Spaß beim Unterricht. "Es wird viel spielerisch geübt. Der Spaß steht im Vordergrund. Nur dann haben wir eine Chance, mit den Kindern am sicheren Schwimmen zu arbeiten", weiß Petra Rücker. Neben Schulnoten gibt es auch Hausaufgaben. "Bei manchen ist das Tauchen ein Problem. Sie müssen dann zu Hause tauchen und das Luftanhalten in der Badewanne üben", so Lindner.

Die Stadt Bad Düben finanziert das Schwimmprojekt seit vielen Jahren mit einer knapp fünfstelligen Summe. Bisher ist Sachsen das einzige Bundesland, das den Schwimmunterricht seit 2008 flächendeckend in Klassenstufe zwei anbietet. 35 Stunden müssten über das gesamte Schuljahr gegeben werden. 91 Prozent der Schüler schafften das "Seepferdchen"-Abzeichen. Das heißt, sie können 25 Meter durchschwimmen, tauchen und springen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2014
Steffen Brost

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