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Auf den Spuren der Wildkatze

Naturpark Dübener Heide Auf den Spuren der Wildkatze

Sind im Naturpark Dübener Heide die Wildkatzen inzwischen heimisch oder nicht? Nach einer Antwort auf diese Frage suchen derzeit 15 Natur- und Umweltschützer, die als Kontrolleure tätig sind und mit Hilfe einer speziellen Methode den Nachweis erbringen wollen. Thomas Hust (48) aus Laußig ist einer von ihnen. Mit ihm geht es auf Kontrollgang.

Thomas Hust bearbeitet einen Lockstock mit der Flamme. Anschließend wird er mit Baldrian besprüht – das lockt Wildkatzen an.

Quelle: Wolfgang Sens

Authausen. Ein rot-weißer Schlagbaum mitten im Wald. Hier kommt keiner so einfach durch. Thomas Hust schon. Der 48-Jährige steigt aus seinem Wagen, steckt einen Schlüssel in die Vorrichtung – und schon lässt sich die Schranke beiseite schieben.

Thomas Hust ist ein sogenannter Freiwilliger. Einer, der sich für die Natur und Umwelt im Naturpark Dübener Heide engagiert. Derzeit ist er als Kontrolleur unterwegs. Deshalb darf er Wälder mit dem Auto befahren, was andere nicht dürfen. Er überprüft die Lockstöcke im Wald der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nahe dem Dorf Authausen bei Bad Düben, ob sich Haare von Wildkatzen daran befinden. Schließlich war im September eine tote Wildkatze in Nordsachsen entdeckt worden. Jetzt soll mit der Lockstockmethode herausgefunden werden, ob es noch weitere der wilden Tiere in der Heide-Region gibt, sie gar wieder dort heimisch geworden sind. Der Naturfreund und Jäger Hust hilft dabei.

Diese Wildkatze zeigt die Zähne

Diese Wildkatze zeigt die Zähne.

Quelle: dpa

„Ursprünglich kam die Wildkatze in ganz Deutschland vor, heute gibt es noch 5000 bis 7000 der scheuen Tiere“, informiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der sich um den Schutz der Wildkatzen kümmert. Sie haben zwei Hauptverbreitungsgebiete: Das sind Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald und Taunus sowie Harz, Solling, Kyffhäuser, die übrigen Waldgebiete Nordthüringens und den Hainich. Und vielleicht auch bald die Dübener Heide?

Die Fahrt zur Kontrollstelle führt durch einen Mischwald, das früher vom Militär genutzt wurde. Es ist dunstig, wenige Hundert Meter vor Husts Wagen springt ein Reh aus dem Dickicht und kreuzt den Waldweg. Aufgeschreckt scheint es. Am Zielort angekommen, heißt es Gummistiefel anziehen – und eine dicke Jacke. Das Thermometer misst sechs Grad Celsius, Wolken verdecken die Sonne. Die kühle Waldluft am Morgen kitzelt die Nase.

Hust greift nach einem Plastikeimer mit einem handlichen Gasbrenner, einer Pinzette, Sprühflasche, Handschuhen und einem Messer darin. Dann geht der Fußmarsch los. Die Strecke zur Kontrollstelle Nummer 12 führt durch den Sauengrund. Das ist eine nasse Wiese so groß wie ein Fußballfeld, in der man leicht bis zu den Knöcheln versinkt. Wildschweine suhlen sich dort gern, erzählt er. Zu sehen sind aber keine. In der Ferne ragen Erlen gen Himmel, dazwischen fließt ein Bach. „Wir sind da“, sagt der Naturfreund in seinen braun-grünen Ranger-Sachen, zeigt auf den schlichten, etwa 70 Zentimeter langen Holzpfahl, der in der Erde steckt, und guckt, ob sich Haare daran befinden. Wieder nicht. „Kontrollstelle 12 ohne Befund“, gibt der gelernte Landwirt, der in Laußig lebt, zu Protokoll und trägt das ganze in eine Liste ein, bevor die eigentliche Arbeit beginnt.

Jede Kontrolle muss genau dokumentiert werden. Und jeder Lockstockkontrolleur in der Dübener Heide weiß, wie er vorzugehen hat. 15 freiwillige Helfer gibt es derzeit. Sie betreuen 32 Kontrollstellen in den Wäldern zwischen Authausen, Weidenhain, Trossin und Kossa – und zwar alle sieben bis zehn Tage. Bisher hafteten an einem Lockstock bei Authausen Haare – vermutlich aber von einer Hauskatze. Sie sind trotzdem fein säuberlich mit einer Pinzette in ein gefaltetes Papier und dann in eine kleine Plastiktüte gelegt worden und werden später in einem Speziallabor untersucht.

An Lockstock 12 im Sauengrund legt Thomas Hust jetzt Hand an. Der Naturfreund kann jeden Arbeitsschritt erklären, als hätte er das schon immer in seinem Leben gemacht. Mit der Flamme des Gasbrenners umspielt er den Holzpfahl, um ihn „jungfräulich“ zu machen, wie er sagt. Es dürfen sich keine anderen Tiergerüche daran befinden. Dann raut er den Lockstock mit einer Drahtbürste auf, damit Haare besser haften können, und schnitzt mit dem Messer Kerben ins Holz. Zum Schluss wird der Pfahl kräftig mit Baldrian besprüht – den Duft mögen Wildkatzen und reiben sich dann am Holz.

Die Biologin Janine Meißner (34) vom Naturparkträgerverein Dübener Heide ist froh, Helfer wie Thomas Hust in ihren Reihen zu haben. Allein könnte sie die Überprüfungen gar nicht bewältigen. Hust und die anderen „Wildkatzen-Freiwilligen“, wie Meißner sie nennt, sind vorab geschult worden. Und jeder von ihnen hofft, alsbald Wildkatzenhaare vermelden zu können. „Es wäre doch toll, wenn wir in der Dübener Heide wieder Wildkatzen hätten“, meint Thomas Hust. Und Janine Meißner ergänzt, dass diese Tiere weitaus weniger problematischer seien wie Biber oder Wolf und mehr Akzeptanz in der Bevölkerung fänden. „Mit den Wildkatzen hätte der Wildreichtum in der Dübener Heide eine Komponente mehr“, so die Biologin.

Das Monitoring, wie die Kontrollen unter den Fachleuten heißen, dauert noch bis Ende April. Dann wird sich zeigen, ob die Holzpfähle mit dem Baldrian-Duft neugierige Wildkatzen zum Fell-Kratzen angelockt haben und es nachweislich die Tiere in der Naturparkregion gibt oder eben nicht.

Nach gut zehn Minuten ist dieser Kontrollgang beendet. Rückzug durch den schlammigen Sauengrund – ins Blickfeld geraten hohe Kiefern und Birken. Lockstock Nummer 13 wartet noch an diesem Tag.

Von Nico Fliegner

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