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Bad Düben Autofahrer in der Dübener Heide verblüfft: Ein Wolf läuft über die Straße
Region Bad Düben Autofahrer in der Dübener Heide verblüfft: Ein Wolf läuft über die Straße
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10:33 03.03.2016
Im Naturpark Dübener Heide, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Bad Düben, hat ein Autofahrer diesen Wolf mit dem Handy fotografiert. Quelle: Naturpark Dübener Heide/privat
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Bad Düben

Im Naturpark Dübener Heide, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Bad Düben, hat ein Autofahrer am Mittwochmorgen einen Wolf gesichtet und mit dem Handy fotografiert. Das teilte der Naturparkträgerverein Dübener Heide am Donnerstag mit. Das Tier überquerte eine Straße zwischen den Dörfern Krina und Schwemsal (Landkreis Anhalt-Bitterfeld), blieb kurz stehen und zog dann auf einem Waldweg weiter. Der Mann sei verblüfft und zugleich sei ihm „mulmig“ gewesen.

„Es kann sich durchaus um einen Wolf handeln“, sagte die Biologin Janine Meißner vom Verein Dübener Heide nach Sichtung der Fotos. „In der Gesamterscheinung des Tieres spricht vieles dafür. Es könnte sich um ein mindestens einjähriges Jungtier oder einen bereits erwachsenen Wolf handeln.“ Der Verein Dübener Heide hat die Fotos jetzt an das Landesamt für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt zur weiteren Bewertung gegeben. Ergebnisse der Fachbehörde liegen noch nicht vor.

Wolfssichtungen wie diese hat es in den vergangenen Jahren immer wieder im Naturpark Dübener Heide gegeben. Vermutlich handelt es sich um sogenannte Durchzügler. Bislang gibt es keinen Nachweis, dass die Wildtiere wieder dauerhaft in der Naturparkregion leben. Vor zwei Jahren war ein Wolf in die Fotofalle eines Jägers nahe Falkenberg (Landkreis Nordsachsen) getappt.

Der Naturpark Dübener Heide gilt als sogenanntes Wolfserwartungsgebiet. Mit Blick auf das Nahrungsangebot und die ungestörten Rückzugsmöglichkeiten sei die Dübener Heide ein attraktiver Wolfslebensraum, informierte der Verein Dübener Heide. Eine Wiedereinwanderung des Wildtieres in die Dübener Heide bedeutete aber zugleich „eine Herausforderung und stellt die Menschen in der Dübener Heide ohne Zweifel vor eine große Aufgabe“. Wirtschaftliche Auswirkungen und Risiken könnte es auf die Nutztierhaltung geben. Vor allem Schafe sollten durch geeignete Maßnahmen vor Übergriffen geschützt werden. Die Wirbeltierarten-Kontaktstelle im Naturparkhaus (Telefon: 034243 717211) in Bad Düben begleitet den Prozess der Wiedereinwanderung und ist auch Ansprechpartner für Fragen rund um den Wolf in der Region. Für den Menschen sei der Wolf jedoch nicht gefährlich. Nach Angaben des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz gehe „von gesunden Wölfen in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen“.

Der Naturpark Dübener Heide umfasst 75 000 Hektar Gesamtfläche in Sachsen und Sachsen-Anhalt und ist das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet in Mitteldeutschland. Träger ist der über 400 Mitglieder starke Verein Dübener Heide. Naturparks nehmen zirka 25 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ein und bewahren und entwickeln Natur und Landschaft mit und für Menschen. Sie eignen sich besonders für Erholung und Naturerleben. Sie verbinden den Schutz und die Nutzung von Natur und Landschaft und streben die Balance zwischen intakter Natur, wirtschaftlichem Wohlergehen und guter Lebensqualität an.

Hintergrund: Wölfe in Sachsen

Im Monitoringjahr (2014/2015) wurde in Deutschland insgesamt 31 Wolfsrudel, 8 Wolfspaare und 6 territoriale Einzeltiere bestätigt. In Sachsen existieren zehn Wolfsrudel und ein Einzeltier, in Sachsen-Anhalt 9 sowie zwei Wolfspaare und ein Einzeltier. Im Freistaat konnte seit dem 1. Mai 2015 in neun Wolfsrudel Nachwuchs bestätigt werden. Insgesamt wurden 33 Welpen nachgewiesen, aber auch acht tote Wölfe gefunden. Fünf Wölfe starben bei Verkehrsunfällen, zwei Wölfe starben an natürlichen Todesursachen und ein weiterer wurde illegal geschossen. Im Jahr 2015 wurden dem sächsischen Wolfsmanagement insgesamt 56 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet, bei denen der Wolf als Verursacher festgestellt respektive nicht ausgeschlossen wurde. Dabei wurden 140 Nutztiere getötet, 11 sind vermisst und 17 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um Schafe, Ziegen und Gatterwild (Damwild und Mufflon). Seit Anfang 2015 haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80 Prozent der Nettokosten fördern zu lassen. Dies wurde von zahlreichen Tierhaltern angenommen. So wurden im Vorjahr insgesamt 386 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 305 260 Euro ausgezahlt. Durch den zeitlichen Vorlauf für Tierhalter in noch nicht vom Wolf besiedelten Gebieten können Schäden verhindert werden, bevor sie entstehen.

Von Nico Fliegner

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