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B 87 neu: Bittere Pillen aus Berlin

B 87 neu: Bittere Pillen aus Berlin


Torgau/Taucha/Wellaune. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Jan Mücke (FDP) war am Montag auf Nordsachsen-Tour.

. Auf Stationen in Taucha, Torgau und Wellaune äußerte er sich zu geplanten Straßenbauvorhaben. Eine seiner Botschaften: Torgau soll sich von einer vierspurigen B 87 neu zwischen Eilenburg und der nordsächsischen Kreisstadt verabschieden.

Einfach würde der Termin in Torgau nicht werden. Das hatte sich Jan Mücke im Vorfeld denken können. Just vor dem Verkehrsgipfel in der nordsächsischen Kreisstadt berichtete diese Zeitung, dass das Autobahnamt einer vierspurigen Trasse keine reellen Chance mehr gibt. Was blieb dem Bundestagsabgeordneten angesichts einer solchen Nachricht noch anderes übrig, als die Fakten auf den Tisch zu legen und kein „Wolkenkuckucksheim" zu versprechen. „Ich kann verstehen, dass es nicht schön ist für eine Region, wenn sie sich von einem Projekt teilweise verabschieden soll", erklärte er vor Kommunalpolitikern und Vertretern der Wirtschaft. Mit „teilweise" meinte Mücke die vier Spuren auf der geplanten B87n zwischen Eilenburg und Torgau. Denn die künftigen Bevölkerungszahlen und folglich das zu erwartende Verkehrsaufkommen in der Torgauer Region rechtfertigten die nicht mehr. Der Kosten-Nutzen-Faktor sei nicht mehr gegeben, die Trasse würde „unwirtschaftlich" sein.

Mücke legte eine schonungslose Offenheit an den Tag, die selten bei Politikern ist und demnach so manchen Gipfelteilnehmer verblüffte und ebenso enttäuschte. Da half auch nicht wirklich die zuvor energisch geleistete Überzeugungsarbeit zahlreicher Verfechter der vierspurigen Variante, darunter Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude (SPD). Mitten durch ihre Stadt führe der gesamte Verkehr, vorbei an vier Schulen. Der überörtliche Verkehr müsse abgeleitet werden, sagte sie. Zudem sei es notwendig, schnell Oberzentren zu erreichen. Es sei „nicht tragbar", dass man von Torgau nach Leipzig eineinhalb Stunden und länger benötige.

Wolfgang Topf, Präsident der Industrie- und Handelskammer Leipzig, und Ralf Scheler, Präsident der Handwerkskammer Leipzig, machten ihren Unmut deutlich. Topf fragte: „Warum soll ein Unternehmen dann noch hier investieren? Wenn wir den Straßenbau nicht umsetzen, geht die Region zugrunde. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen macht hier unmissverständlich deutlich, dass die Planung und der Bau der B87n, wie im Bundesverkehrswegeplan verankert, unverzichtbar sind. Die Wirtschaft Nordsachsens erwartet von der Politik und Verwaltung keinerlei Abstriche." Scheler ergänzte: „Ländlicher Raum entwickelt sich durch Straßen."

Was die Trasse Leipzig – Eilenburg angeht, bestätigte Staatssekretär Mücke derweil, dass es beim vierstreifigen Ausbau bleibt. Er empfahl, den dreispurigen Abschnitt nach Torgau schnell zu beginnen – „am besten mit der Ortsumfahrung Torgau" –, als aus dem nächsten Bundesverkehrwegeplan nach 2015 wegen möglicherweise noch schlechterer Kosten-Nutzen-Relation ganz rauszufallen. In vier bis fünf Jahren könne der Bau beginnen, wenn nichts dazwischen kommt, sagte Autobahnamt-Planungschef Peter Galiläer.

„Ich gebe mich damit nicht zufrieden. Das war heute kein Ergebnis, das ist verschenkte Zukunft", zeigte sich Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) enttäuscht. Als „unbefriedigend" bezeichneten auch der Doberschützer Bürgermeister Roland Märtz (CDU) und sein Mockrehnaer Amtskollege Peter Klepel (parteilos) die bitteren Pillen aus Berlin. „Notfalls müssen wir die drei Spuren zähneknirschend hinnehmen", kommentierte Märtz. Klepel hofft derweil, dass die künftigen Überholspuren mehrere Kilometer lang ausfallen. „Das wäre dann wenigstens sinnvoll", sagte er.

Auch in Taucha war die B87n Thema. Bauamtschefin Barbara Stein betonte, dass die Region die Straße brauche. Die Parthestadt präferiere in Abstimmung mit seinen Bürgerinitiativen eine Nordumfahrung. Gleichwohl bat sie, die früheren Tauchaer Pläne einer zweispurigen Entlastungsstraße entlang der Bahnlinie nochmals zu überprüfen, um so doch noch etwas Entlastung für die alte B 87 zu erreichen.

In Wellaune erklärte Mücke, dass die Ortsumgehung nicht vor 2015 kommen werde. „Ich weiß, dass das zu lang ist, aber ich kann ihnen keinen früheren Zeitpunkt nennen. Das ist vielleicht nicht schön, aber ehrlich." Die Vermessungsarbeiten für die Trasse sind derweil abgeschlossen, der Vorentwurf wird erstellt. Dann geht die Genehmigungsplanung los. 5,4 Millionen Euro wird die Umfahrung des Bad Dübener Stadtteils kosten. Gisela Jäschke, Sprecherin der örtlichen Bürgerinitiative (BI), hatte sich mehr erhofft. Das Verfahren dauert der BI zu lange. Jäschke und ihre Mitstreiter wollen weiter kämpfen. „Wir müssen den Druck erhöhen", sagte Landrat Czupalla. „Wenn ich mehr machen soll, bin ich hier", bot er seine Unterstützung an.

Nico Fliegner / Jörg ter Vehn

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