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Bad Düben 2030? "Den Plan haben wir schon"

Bad Düben 2030? "Den Plan haben wir schon"

Auf seiner Juli-Sitzung sprach sich der Bad Dübener Stadtrat einstimmig für die Erarbeitung eines Papiers "Bad Düben 2030 - Visionen und Strategie" aus. Der 85-jährige Günter Dietzsch sieht das nicht nur positiv.

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Günter Dietzsch

Quelle: Ilka Fischer

Bad Düben. Warum, dazu sprach die LVZ mit dem Initiator des Öko-Beirates und langjährigen Chefs des Ortsverbandes der Linken.

Die Nachricht, dass ein Zukunftspapier erarbeitet werden soll, hat bei Ihnen nicht für reine Freude gesorgt. Warum?

Zukunftsvisionen sind sicher nicht verkehrt. Doch sie nützen nichts, wenn sie nicht mit konkreten Maßnahmen unterlegt werden. Und wir haben mit der Pretzscher Erklärung von 2007 schon solch ein Papier.

Was ist die Pretzscher Erklärung?

Sie wurde 2007 von Bad Düben und den anderen sechs Städten der Dübener Heide verabschiedet. In ihr sind bereits viele konkrete Projekte enthalten.

Zum Beispiel -. ?

Als erste Aufgabe ist dort das Schaffen einer energieautarken Region bis 2020 formuliert. Das ist meines Erachtens, auch weil wir keine eigenen Stadtwerke haben, ein zu ambitioniertes Vorhaben. Doch die Zielrichtung stimmt. Energieautark, das kann man zum einem mit der Produktion von mehr erneuerbarer Energie, zum anderen mit weniger Verbrauch werden. Bad Düben hat hier durchaus gute Beispiele, die aber zu wenig bekannt sind.

Dann besteht jetzt die Gelegenheit, diese bekannter zu machen, oder?

Da wären die energieeffizienten Blockheizkraftwerke. Zwei von ihnen wurden bereits vor 15 Jahren im Heide Spa eingebaut. Auch die Wohnblöcke in der Schmiedeberger Straße werden jetzt energieeffizient nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung beheizt. Inzwischen macht diese Technik übrigens selbst für Einfamilienhäuser Sinn. Doch in der Stadt wird das viel zu wenig öffentlich gemacht. Das gilt auch für das Bürgersolarkraftwerk auf dem Dach der Heide-Grundschule. Es könnte durchaus weitere geben. Vorreiter ist Bad Düben zudem in Sachen Nutzung der Erdwärme. Da wir viele Wasserschutzgebiete haben, darf kein Frostschutzmittel verwendet werden. An sich ein Unding bei oberflächennaher Erdwärmenutzung. Doch im Öko-Beirat haben wir für das Naturparkhaus die Entwicklung einer bivalenten Wärmepumpe angeschoben, die bei Frostgefahr im Boden auf automatische Pelletheizung umschaltet. Das hat durchaus Modellcharakter. Im Klärwerk wird zudem auf Initiative des ÖkoBeirates hin seit 2014 aus der Restwärme der letzten Klärstufe Energie für die Wärmepumpe gewonnen.

Damit ist in Sachen energieautarke Region schon einiges geschafft?

Wir denken es, haben einzelne Daten, können dies aber nicht in der Gesamtheit nachweisen. Das ist ein generelles Problem. In der 2003 verabschiedeten Energie- und Klimaschutzkonzeption hat Bad Düben sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, den Kohlendioxidgehalt bis 2020 um 25 Prozent zu reduzieren. Vermutlich haben wir das schon erreicht, doch abgerechnet wurde das nie. Aus meiner Sicht wäre das sinnvoll, selbst wenn die Tatsache an sich natürlich wichtiger ist.

Und was heißt das für Sie in Sachen Zukunftspapier 2030?

Noch einmal, ich bin nicht gegen Zukunftsvisionen. Doch wir sollten erst mal die vorhandene Pretzscher Erklärung umsetzen. So sind dort beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden, der Bau von Mehrgenerationenhäusern oder ein besserer öffentlicher Nahverkehr als Ziele formuliert. Wir müssen die Bevölkerung beteiligen, die Maßnahmen abrechenbar und kontrollierbar machen. Das bedeutet für mich auch, dass über den Stand bei den wichtigsten Zielstellungen mindestens einmal im halben Jahr im Stadtrat berichtet wird. Die Pretzscher Erklärung war zumindest in den vergangenen beiden Jahren nicht einmal Beratungsgegenstand. Und vielleicht hätte man auf diese Weise auch festgestellt, dass wir das Zukunftspapier ja eigentlich schon haben.Interview: Ilka Fischer

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Ilka Fischer

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