Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Bad Düben: Biber bringt Köhlerei Eisenhammer in Existenznot
Region Bad Düben Bad Düben: Biber bringt Köhlerei Eisenhammer in Existenznot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:27 24.04.2018
Jörn Austinat (rechts) und Helfer Marcel befüllen in diesen Tagen die Glockenanlage, um wenigstens etwas Holzkohle für die Weitergabe an Wiederverkäufer gewinnen zu können. Quelle: Waltraud Grubitzsch
Tornau

Dichte Rauchschwaden aus vier mit Kohle gefüllten Öfen, in den Glockenanlagen das gestapelte Holz als Vorbereitung für den Sommer, in der Luft der typische kienharzige Geruch. Die Jungs, so sagt Norma Austinat, würden säckeweise Holzkohle abfüllen.

Die junge Frau wählt bewusst den Konjunktiv. So sähe es eigentlich auf dem Areal der Köhlerei Eisenhammer aus. Statt dessen – vergleichsweise Ruhe, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Nur aus einem der Öfen steigt Rauch empor, ein eher bemühter Versuch, den durchnässten Steinbau „durchzufeuern, ihn zu trocknen.“

Stauwerke sorgen für Überschwemmung und Vernässung

Schuld am Dilemma, so ist Norma Austinat sicher, ist der Biber. Er siedelt in unmittelbarer Nachbarschaft am Hammerbach, hat mit seinen Stauwerken das ökologische Gleichgewicht in der Umgebung zerstört. Das aufsteigende Wasser habe Bäche zerstört, sorge für großflächige Überschwemmungen und Versumpfungen, lasse Bäume unterirdisch förmlich ertrinken. Seit Mai 2017 ist das 11 000 Quadratmeter große Betriebs-Areal betroffen, das Wasser hat die Fundamente der Öfen beschädigt, die Produktion ist massiv gefährdet.

Grundwasseranstieg bisher kein Problem

2016 haben Norma Austinat und ihr Mann Jörn den Betrieb übernommen, führen ein jahrhundertealtes Handwerk fort. Probleme mit dem Grundwasser, so wissen sie von Vorgängern, gab es bisher nie. In Hoch-Zeiten wurden in den vier Öfen und sechs Glocken einige hundert Tonnen des Brennstoffs produziert. Von solchen Zahlen sind sie weit entfernt.

Die Köhlerei zeigt in einem Video die Probleme, die der Nager verursacht.

Genutzt werden derzeit nur die Glocken, um wenigstens einen Grundbedarf an Holzkohle herzustellen. Die Öfen sind bis auf einen auf Raten des Gutachters zwar zeitweise in Betrieb, damit sie trocknen. So lange die Nässe im Mauerwerk steckt, lohnen Reparaturen nicht, um die Versetzungsschäden und Risse im Schamotte zu beheben, gebrochene Steine zu ersetzen. Doch die Nässe geht eben kaum zurück.

Tiere bedrohen menschliche Existenz

Lange, so sagt Norma Austinat, habe sie das Geschehen geduldig verfolgt. Dass das für sie Offensichtliche von den Behörden so nicht wahrgenommen wird, kann sie nicht richtig fassen. In der Umgebung gäbe es hektargroße Überschwemmungsflächen, allein im Quellgebiet des Hammerbaches seien es 20 Hektar – Tendenz: wachsend. Sie sei ein Naturmensch, habe nichts gegen den Biber.

Mittlerweile aber fehle ihr jegliches Verständnis dafür, dass ein Tier, das hier seinen Lebensraum erst schafft, eine menschliche Existenz bedrohen könne, ein Kulturgut zu zerstören vermag. Eigentlich müsste sie sich um die wirtschaftlichen Belange ihres Betriebes, der sich noch immer im Aufbau befindet, kümmern. Stattdessen steht sie mit Behörden und Gutachtern im Dauerkontakt, bemüht Grafiken, Videos, Fotos, Recherchen zu klimatischen Veränderungen, um zu zeigen, dass die Anwesenheit des Bibers Ursache allen Übels ist.

Austinat: Maßnahmen gehen nicht weit genug

2017 hat es zumindest dazu geführt, dass sich die Naturschutzbehörde des Landkreises Wittenberg auf einen Kompromiss eingelassen hat: Ein Biber-Stauwerk im Hammerbach nahe Eisenhammer wurde geschlitzt, eines zurückgebaut, um den Wasserspiegel zu senken.

Normalerweise wären jetzt alle Öfen in Betrieb. Quelle: Kathrin Kabelitz

All das in der Hoffnung, dass die Biber vertrieben werden, ohne sie umzusiedeln. Gebracht hat es nicht viel. Bis ans Landesministerium habe sie sich deshalb gewandt, der Schaden habe eine sechsstellige Höhe erreicht. Telefonate, Briefwechsel und Vor-Ort-Besuche blieben bisher ohne Ergebnisse. Norma Austinat gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Die Biber-Bauwerke müssten alle rückgebaut werden, die Tiere ausgesiedelt werden. Wenn nicht, so sagt sie, steht die Köhlerei vor dem baldigen Aus.

Die Nässe durchdringt den Boden. Schlammige Wege und Plätze – auf dem Gelände der Köhlerei ist das seit Monaten Alltag. Quelle: Kathrin Kabelitz

Im Landratsamt Wittenberg ist das Problem bekannt. Das Thema habe Priorität, sei aber auch komplex, so Sprecher Ronald Gauert in einer ersten Stellungnahme. Verschiedene Fachdienste seien dran, um der Familie zu helfen.

Der Ofen ist aus. Quelle: Kathrin Kabelitz

Wer helfen will: Commerzbank, Stiftung Köhlerei Eisenhammer, DE23 8604 0000 0277 0360 02, Zweck: Zustiftung ins freie Vermögen für Kosten Gutachten/Restaurierung Ofenanlage.

Von Kathrin Kabelitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Bad Dübener Wohnungsgenossenschaft „Heideland“ will in diesem Jahr 400 000 Euro investieren. Auch personelle Veränderungen gibt es.

23.02.2018

Bei Laußigs größtem Abwasserprojekt ist Halbzeit. 3,5 Millionen Euro muss die Gemeinde in Laußig, Pristäblich und Gruna investieren. Zur Zeit kämpft sie um ein zinsverbilligtes Darlehen.

22.02.2018

Das Freibad in Bad Düben gleicht einer Baustelle. Der Umbau zum modernen Natursport-Bad hat begonnen.

23.02.2018