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Bad Düben: Der Stadtrat und die Leuchtreklame

Bad Düben: Der Stadtrat und die Leuchtreklame

Das geschlossene Pub am Bad Dübener Markt soll wahrscheinlich im September wieder öffnen. Das will der neue Betreiber, der in dieser Woche zudem mit einem neuen Pizza-Lieferservice in den ehemaligen Räumen des Mobilfunkgeschäftes gestartet ist, mittels einer Leuchtreklame sichtbar machen.

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So könnte die Fassade des Gebäudes Markt 15 in Bad Düben aussehen. Grafik: Adelberger Immobilien

Quelle: Adelberger Immobilien

Bad Düben. "THE KING'S PLACE" soll in großen Lettern am Gebäude Markt 15 prangen.

Und das sorgte am Donnerstag bei der Sitzung des Stadtrates für einige Verwirrung. Der Reihe nach: Der Antragsteller, die Adelberger Immobilien GmbH und Co. KG, will eine Werbeanlage mit Einzelbuchstaben, hinterleuchtet an der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses anbringen. Der Stadtrat muss dafür das gemeindliche Einvernehmen erteilen. Die Schrift soll für die im Erdgeschoss befindliche Gastronomie werben, die sich vom irischen zum englischen Pub wandeln und deshalb künftig "THE KING'S PLACE" heißen soll.

Sie habe noch am Tag der Sitzung mit Herbert Adelberger gesprochen und sich das Ganze erläutern lassen, so Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Die ebenfalls im Komplex ansässige Marktapotheke wurde am 8. August 1702 durch den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, August den Starken, privilegiert. "Deshalb "THE KING'S PLACE", weil es eben ein englisches Pub ist", so Münster. In etwa zehn Zentimeter großer Schrift werde es den Verweis auf August den Starken geben, damit sich der Name für Betrachter auch erschließe. Schrift und Farbe werden der vorhandenen Beschriftung angepasst. Adelberger habe, so ergänzte Stadtrat Werner Wartenburger (SPD/Bürgerkreis), eine Beraterfirma engagiert. "Wir haben anfangs die Nase gerümpft, dann länger gesprochen. Er will, dass der Laden jetzt ordentlich läuft, er war mit den künftigen Mietern in London, um zu sehen, wie ein englischer Pub funktioniert." Andreas Flad (Die Linke) sorgt sich mit Blick auf an anderer Stelle nicht verhinderte Ausreißer in der farblichen Außen-Gestaltung um das einheitliche Bild des Marktes. Er schätze Adelberger wegen seines Engagements sehr. "Wir sollten nochmals drüber nachdenken, auch wenn die Lettern schon gegossen sind." Birgit Plogsties (FWG) missfällt die englische Bezeichnung an dieser Stelle: "Es sollte Deutsch bleiben." Fraktions-Kollege Egon Lauf räumte ein, in seiner Entscheidung unentschieden gewesen zu sein: "Ich habe meine Wähler gefragt, und da gab es größtenteils Ablehnung." Emil Gaber (SPD/Bürgerkreis) wiederum rief ein Schmunzeln hervor, als er daran erinnerte, dass die Ernennung August des Starken zum König später erfolgte. "Er war König von Polen, dann müsste es ja in Polnisch dort stehen." Kurzum: Gegen den Pub, in dem schon so manche Stadtratssitzung nachbereitet wurde, hat keiner was. Der Antrag bewegte die Gemüter dennoch auf unterschiedliche Weise, die Entscheidung, das Ganze zu verschieben, stand kurz bevor. Die Anmerkung Münsters, der Rat habe lediglich bei der äußeren Gestaltung der Werbung ein Mitspracherecht, leitete die Wende ein. Mike Kühne (CDU): "Wie das heißt, ist seine Entscheidung", Uwe Kulawinski (FWG): "Wir sollten ihm eine Chance geben. Deutsch wär mir lieber gewesen, aber wir werden sehen, welchen Spitznamen das Ganze kriegt" und Gerd Helbing: "Wir sollten nicht spießbürgerlich entscheiden" gaben die Richtung vor. Dennoch war die Entscheidung knapp. 17 Räte plus Münster stimmten ab: 5 sagten Nein, 4 enthielten sich, die Mehrheit war dafür.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.08.2014

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