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Bad Düben Bad Düben: Wie weiter im Gemeinschaftsgarten?
Region Bad Düben Bad Düben: Wie weiter im Gemeinschaftsgarten?
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05:09 14.11.2018
Paula Passin, Elisabeth Meyer-Renschhausen und Steffi Schenk (v.l.) schneiden Cosmea, auch als Schmuckkörbchen bekannt, sowie Malven im Gemeinschaftsgarten am Wasserturm in Bad Düben. Quelle: Nico Fliegner
Bad Düben

Im Gemeinschaftsgarten am Wasserturm in Bad Düben herrschte in dieser Saison reges Treiben. Dort bauten Einheimische und Flüchtlinge Gemüse an im Rahmen eines Bundesprojektes. Das endet nunmehr und die Frage steht: Wie geht es eigentlich mit dem Garten weiter? Projektleiter Torsten Reinsch (52) erklärt es im Interview.

Torsten Reinsch (52) ist Leiter des Projektes „Urban Gardening geht aufs Land“ im Naturpark Dübener Heide. Quelle: Nico Fliegner

Die Gartensaison ist vorbei, sind die Dübener Gemeinschaftsgärtner denn mit den Erträgen zufrieden? 

Ja, wir haben Rote Beete, Möhren, Salate, Mangold, Kartoffeln, Zucchini, Bohnen, Kürbisse, Tomaten in vielen verschiedenen Sorten, Paprika, Kohlrabi, Birnen und sogar Walnüsse geerntet und uns an vielen Blumen erfreut.

Wie kamen Sie mit der langen Trockenzeit im Sommer zurecht? 

Zum Glück konnten wir den Brunnen aktivieren und haben tapfer gegossen und gemulcht. Nur die Benjeshecke zum Bahnhof hin wurde nicht grün, weil die Erde hier zu locker lag. Die Flüchtlinge Hussein, Shahid und Anwar waren teilweise jeden Tag zum Gießen im Garten.

Was haben Sie mit dem vielen Gemüse gemacht? 

Wir haben es verteilt an die Mitgärtner, öfter gemeinsam gekocht und schöne Feste zusammen gefeiert.

Wie viele Gemeinschaftsgärtner gibt es inzwischen, die sich um den Garten gegenüber vom Bahnhof kümmern? 

Um die zwölf, aber eine Gruppe von um die acht Leuten ist immer vor Ort und dazu kommen diverse Besucher, zum Teil mit ganzen Kuchenblechen voller Apfel- oder Rhabarberkuchen, da sie ja wissen, am Donnerstag sind wir immer alle da.

Das Projekt „Gemeinschaftsgarten geht aufs Land“, das vom Bund gefördert wird, geht Anfang 2019 zu Ende. Wie fällt Ihr Fazit aus? 

Ein sinnvolles Projekt, auch auf dem Land besteht Bedarf an Gemeinschaftsgärten als einer neuen Form, um sich zu treffen und sich gemeinsam weiterbilden zu können hinsichtlich naturnahem und klimaverträglichem Landbau. Eine weitere Förderung wäre sinnvoll.

Das Jahr im Gemeinschaftsgarten am Wasserturm in Bad Düben war von viel Arbeit, aber auch Geselligkeit geprägt. Hier ein kleiner Streifzug durchs Gartenjahr 2018.

Was hat Ihnen als Projektleiter besonders viel Spaß gemacht? 

Die Arbeit mit interessanten und spannenden Menschen, aber auch das Outdoor-Jahr im Garten. Wir haben ja sehr viel gezeltet. Besonders interessant, aber auch sehr bedrückend war die Arbeit mit den Flüchtlingen, die viele Schwierigkeiten aufgrund der langsam malenden Mühlen der Bürokratie haben und sehr unter der jahrelangen Trennung von ihren Frauen, Kindern und Eltern leiden. Schön waren die Einladungen zu verschiedenen Tagungen, wo wir über unser Projekt berichten konnten.

Was war für Sie die größte Herausforderung? 

Das Recyceln des Glashauses. Das ließ sich doch nicht eben mal schnell ab- und dann wieder aufbauen, wie wir anfangs dachten. Die Flüchtlinge haben eine Menge geholfen und heute ist das recycelte Gewächshaus, was lustigerweise genau die Grundfläche hat, die sonst die Hütten in Kleingärten haben dürfen, nämlich 24 Quadratmeter, eine tolle Möglichkeit, bei kaltem Wind und Regen auch indoor tagen zu können.

Wie geht es mit dem Gemeinschaftsgarten am Wasserturm in Bad Düben nach Projektende weiter? 

Es geht weiter. Die Gruppe konstituiert sich und wird hoffentlich als lokale Untergruppe des Vereins Dübener Heide akzeptiert werden, und die meisten Teilnehmer sind bereit und in der Lage, die entsprechenden Kosten wie Vereinsbeitrag und Gartenpacht mitzutragen. Eine weitere Förderung als Zentrum neuer Umweltbildung und Ernährungsschulung wäre aber äußerst sinnvoll.

Projekt: „Urban Garding geht aufs Land“

Urbaner Gartenbau, auch Urban Gardening genannt, ist die Nutzung öffentlicher Flächen, um darauf kleinräumige Gemeinschaftsgärten anzulegen und zu bewirtschaften. In der Stadt Bad Düben ist im Frühjahr 2017 so ein Gemeinschaftsgarten entstanden – im Rahmen des vom Bund geförderten Projektes „Urban Gardening geht aufs Land“. Am Wasserturm gegenüber vom Bahnhof bewirtschaften Mitglieder der Projektgruppe, darunter auch Flüchtlinge, die Parzellen.

Die nachhaltige Bewirtschaftung der gärtnerischen Kulturen, die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der Erzeugnisse stehen im Vordergrund – mit Nebeneffekten: Unter anderem fördert das Urban Gardening das Gemeinschaftsleben. Es bietet auch Minderheiten wie Flüchtlingen die Gelegenheit, sich mit ihren besonderen landestypischen Kenntnissen einzubringen und fördert somit die Integration und die Kommunikation mit Einheimischen. Vor allem in den Großstädten liegt diese Form des Obst- und Gemüseanbaus derzeit im Trend.

Von Nico Fliegner

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