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Bad Düben kämpft um Reza und Parvin: Iranischer Familie droht die Abschiebung

Verhandlung Bad Düben kämpft um Reza und Parvin: Iranischer Familie droht die Abschiebung

2014 kamen Reza Gholamalinezhad und Parvin Mohammadi mit ihrem siebenjährigen Sohn aus dem Iran nach Bad Düben. Einer ihrer ersten Wege führte die einstmaligen Moslems damals in die Kirche. Ihr Bekenntnis zum Christentum untermauerten sie bald darauf mit der Taufe. Jetzt droht der Familie, die im Leben der Kurstadt einen festen Platz hat, die Abschiebung.

Reza Gholamalinezhad mit Tochter Arissa Mohammadi und Sohn Ahoora Gholamalinezhad sowie Ehefrau Parvin Mohammadi droht die Abschiebung.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Bad Düben. Was für eine Woche für Parvin Mohammadi (37) und Reza Gholamalinezhad aus Bad Düben. Der Deutsch-Sprach- und Integrationskurs am Vormittag, den der 34-Jährige seit Monaten neben dem Vollzeit-Job zusammen mit Frau und Baby absolviert, die anstehenden Prüfungen. Vor allem aber dieser Donnerstag, an dem es am Verwaltungsgericht Leipzig um die Zukunft der iranischen Familie in Deutschland geht.

Ablehnungsbescheid kam im September

Im September hatte die Familie, zu der Sohn Ahoora (10) und Tochter Arissa (sechs Monate) gehören, den Ablehnungsbescheid für ihren Asylantrag erhalten. Ein Schock. Rund 30 Seiten lang ist das Ablehnungsschreiben. Der Haupt-Ablehnungsgrund betrifft die Motivation, die die Familie 2014 bewog, ihre Heimatstadt Ahvaz zu verlassen – weil sie sich gegen den Islam und für das Christentum entschieden haben. „In unserem Land die Religion zu wechseln, das ist nicht möglich. Darauf steht die Todesstrafe“, sagt Parvin. Sie habe als Muslimin den Koran gelesen, vieles könne sie für ihr Lebensbild nicht akzeptieren. „Frauen werden nicht gleich wie Männer behandelt“, nennt sie ein Beispiel. Für sie und Reza aber seien alle Menschen vor Gott gleich. In der Familie stießen diese Ansichten nicht auf Verständnis. Ihre Mutter habe ihr klar gemacht, dass ihr Leben im Iran mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar sei. Welches Schicksal Andersdenkende erleiden können, musste sie beim Bruder miterleben. „Er wurde wegen politischer Probleme verurteilt und erschossen“, sagt sie leise. Ihr Mann hat nur wenig Kontakt zu seiner Familie. Für die beiden gab es nur einen Weg – das Land zu verlassen.

Behörden zweifeln Glaubensbekenntnis an

Als Christen sind die vier in Deutschland angekommen, als Christen fühlen und denken sie, gehen sie zu den Gottesdiensten. Das reicht nicht, sagen die Behörden. Die beiden hätten bei der ersten Anhörung 2014 das Bekenntnis zu Jesus nicht glaubwürdig rüberbringen können, es genüge nicht, sich taufen zu lassen und in die Kirche zu gehen. Im Oktober 2015 gab es einen zweiten Termin, von dem die Familie aber nichts erfuhr. Der Iran gilt als sicheres Herkunftsland, trotz Taufe habe die Familie nicht zu befürchten, bei einer Rückkehr diskriminiert oder verfolgt zu werden.

Kirche war erster Anlaufpunkt

Die Dübener Stadtkirche war der erste Anlaufpunkt von Reza und Parvon, als sie mit ihrem Sohn am 18. Juli 2014 in der Kurstadt ankamen. Beim Sommerfest lernten sie viele Menschen kennen, darunter jene, die zu guten Freunden wurden. Auch wenn die Verständigung schwierig war, Englisch-Brocken oder Hände und Füße herhalten mussten, um eine Kommunikation zu ermöglichen. Maria Tölg vom Gemeindekirchenrat, Barbara Paul von der Stadt, Erika Papert, die sich als Flüchtlingspatin liebevoll kümmert und zur Ersatz-Oma geworden ist, oder Professor Werner Stärtzel und dessen Frau Christine, die beim Sprachelernen helfen und Ahoora bei den Hausaufgaben unterstützen. Um einige zu nennen. Vor zwei Jahren taufte sie Pfarrer Jörg Uhle-Wettler: „Am 21. Dezember 2015 war das“, sagen die beiden und zeigen stolz die Taufurkunden: „Wir haben uns gefühlt wie neu geboren.“ Der Pfarrer schenkte ihnen eine Bibel in persischer Sprache.

Stadt nimmt Anteil an Schicksal der Familie

Bad Düben nimmt Anteil am Schicksal der Familie. Gilt es ein Beispiel für gelebte Integration zu finden – dies ist eins. Wolfgang Rieger als GKR-Vorsitzender und Barbara Paul sind heute in Leipzig dabei. Werner Stärtzel hat sich in einem Schreiben für die Familie eingesetzt. Unabhängig von der Intensität des Glaubens seien sie gläubige Christen, vor allem aber eine in „Bad Düben integrierte Familie.“ Reza arbeitet seit vielen Monaten bei Profiroll, „er macht das gewissenhaft, ist pünktlich“. In seiner Freizeit spielt der gelernte Schweißer in Tornau Fußball. Parvin, die Management studiert und vor der Schwangerschaft in einem Discounter gearbeitet hat, betreut ihre Tochter. Auch sie will wieder einen Job. Ahoora spricht perfekt Deutsch, geht in die 3. Klasse der Heide-Grundschule, spielt Fußball, hat Freunde. Michael Marschall vom Migrationsdienst lehrt das Gitarrespiel. „Sie sind immer da und helfen, wenn neue Flüchtlinge ankommen“, erzählt Maria Tölg.

„Wir haben Jesus, wir haben keine Angst“, sagt Reza Gholamalinezhad zwar. Und Parvin, mit der er seit elf Jahren verheiratet ist, ergänzt: „Ich freue mich für meine Kinder, dass sie mit Jesus aufwachsen. Deutschland ist unsere neue Heimat. Wir fühlen uns hier wohl.“ Und doch ist die Angst, dass sie all das aufgeben müssen, mehr als präsent.

Von Kathrin Kabelitz

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