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"Bad Düben ohne Bad - wie hört sich das denn an?"

"Bad Düben ohne Bad - wie hört sich das denn an?"

Kurstadtstatus, Obermühlen-Sanierung, Asylproblematik - nur drei von vielen Schwerpunkten, die Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) im achten Jahr ihrer Amtszeit gemeinsam mit Verwaltung und Stadtrat 2015 angehen will.

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Astrid Münster (42)

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Die LVZ sprach mit der 42-Jährigen.

Mit Blick auf 2014 bleibt vor allem eines in Erinnerung: die Wiederwahl als Bürgermeisterin ...

Natürlich war dies ein wichtiges persönliches Ereignis, schließlich war es eine Bestätigung der bisherigen Arbeit sowie ein Auftrag für die Zukunft. Aber man mag es nicht glauben, auch im Leben einer Bürgermeisterin gibt es "wichtigere Ereignisse" als eine Wiederwahl. Da stehen Familienzuwächse, das Ableben guter Freunde oder Bekannter - einfach das Leben mit allen Höhen und Tiefen im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis oben auf der Prioritätenliste.

Sie haben die absolute Mehrheit geholt. Gibt es dennoch Lehren aus dem Wahlkampf, die Sie ziehen mussten und damit Dinge, die Sie anders angehen?

Rechnet man meine Zeit im Stadtrat mit, liegen zehn Jahre Kommunalpolitik hinter mir. Ich kann Ihnen sagen, man lernt monatlich dazu, Positives wie Negatives. Nicht ändern wird sich, dass ich Bürgermeisterin auf Augenhöhe mit meinen Dübenern sein will. Ich halte nichts von einer Rathausturmpolitik. Aber der Wahlkampf war verbunden mit Überraschungen, vor allem im persönlichen Bereich. Wenn es hart auf hart kommt, lernt man wirkliche Freunde kennen und jene, die sich in Lippenbekenntnissen üben. Für mich war wichtig, dass ich Zuspruch aus anderen politischen Lagern hatte. Wesentliches anders werde ich nichts machen.

Was ist aus Ihrer Sicht gelungen?

In jedem Fall der Bildungs-campus. Gefreut hat mich, dass wir in der Oberschule jetzt eine Sozialarbeiterin haben. Ich bin ohnehin der Meinung, dass wir mehr inhaltlich arbeiten müssen. Es geht darum, sozusagen die städtische Hülle zu gestalten, aber wichtiger sollte sein, wie wir miteinander leben wollen, wie wir auf Probleme reagieren und was die Bad Dübener vom Herzen her mit ihrer Stadt und ihren Mitmenschen in Verbindung bringen. In diesem Kontext sehe ich die hervorragende Arbeit der Innenstadtinitiative.

Was würden Sie als weniger gelungen bezeichnen?

Sorge bereitet mir der Burgberg, der erhebliche Schäden seit dem Hochwasser 2013 genommen hat. Er ist nur aufgeschüttet und jetzt macht er statische Probleme für das Landschaftsmuseum. Und natürlich die böse Überraschung für unser Projekt Obermühle mit der Folge, dass wir aufgrund der Schäden sämtliches Holz ausbauen und ersetzen müssen, Mehrkosten inklusive. Richtig zornig werde ich, wenn ich an den Rechtsstreit mit dem Bund denke. Wir erarbeiten uns Jahr für Jahr Spielräume, trotz teilweiser schlechter Finanzlage und schwindender Bevölkerung, bauen sogar Schulden ab. Und dann kommt das Bundesfinanzministerium in Gestalt der Bima und erklärt uns, dass man in Bad Düben kurz nach der Wende zwar Gutes tun wollte, aber zu naiv war und daher nun fast ein halbe Million Euro zahlen soll. Das Gymnasium hätte niemand anderes gekauft als die Stadt, erst recht nicht für 4,2 Millionen Mark. Da sollte man mehr Fingerspitzengefühl haben und froh sein, dass man 240 000 Mark erhalten hat und wir es lange vertragskonform genutzt haben. Müssen wir zahlen, wäre das ein Schlag in den Etat. Wir haben mit Breitbandausbau, Obermühle, Feuerwehren, Digitalfunk, Kitas, Friedhofsmauer und Windmühlenweg so viel vor. Den Haushalt rund zu kriegen, ist eine große Herausforderung, aber ich bin optimistisch.

Die kommunalen Weichen wurden neu gestellt. Wie ist die Arbeit mit dem Stadtrat angelaufen, was erwarten Sie vom Gremium?

Die Arbeit ist etwas anders organisiert. Dies liegt am Zuschnitt der beiden Ausschüsse. Und wir haben regelmäßig konstruktive Gespräche und Sitzungen im Ältestenrat, nicht nur zu Themen der Stadtratssitzung, sondern arbeiten auch mehr an strategischen Fragestellungen. Dies hat sich aus meiner Sicht bewährt. Außerdem sind die Diskussionen in den Sitzungen vom Niveau her deutlich konstruktiver und zielführender.

Der Kampf um die Ortsumgehung in Wellaune geht ins 14. Jahr. Mit dem Bundesverkehrswegeplan plus steht 2015 ein Meilenstein - das Projekt muss in der vordringlichen Bedarf, sonst stirbt es ganz. Wie kann und will sich die Stadt in diesen Prozess einbringen?

Weiterhin nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" erklären, wie wichtig dieses Verkehrsprojekt für uns ist. Dazu müssen wir mit den Bundes- und Landespolitikern in Kontakt bleiben. Ende Januar wird mit Bürgerinitiative und Ortschaftsrat das weitere Vorgehen besprochen.

Welche Schwerpunkte sehen Sie in den anderen Ortsteilen?

Schnaditz und Tiefensee stehen eindeutig im Zeichen des Ring- beziehungsweise Flügeldeichbaues und damit des Hochwasserschutzes. Während in Schnaditz das Gerätehaus fertig wird, ist es aufgrund des Polderbaus für uns existenziell, dass wir ab 2016 das Gerätehaus in Tiefensee ebenfalls auf einen modernen Stand bringen. Dazu müssen die Planungen und Genehmigungen in diesem Jahr eingeholt werden.

Die Kurstadtprädikatisierung steht für 2015 an. Wie wichtig ist dieser Titel für die Stadt?

Sehr wichtig, denn wie hört sich denn nach 67 Jahren Bad Düben ohne Bad an? Aber er ist auch Teil unserer Identität. Wir verstehen uns als Ort der Gastfreundschaft, der Erholung, des Abschaltens von den Alltagssorgen, kurz als Ort für körperliche und geistige Gesundheit. Dafür müssen wir uns Gedanken machen, was wir unseren Gästen in den nächsten 10, 15 Jahren bieten wollen und unser Kurortentwicklungskonzept fortschreiben und evaluieren.

Ein Schwerpunkt ist das Flüchtlingsproblem. Die Kurstadt wird weitere Asylbewerber aufnehmen. Noch immer ungeklärt aber ist die Frage der Unterkunft?

Ich kenne noch kein Ausschreibungsergebnis. Dies wird mir bis Mitte Januar spätestens mitgeteilt.

In diesem Zusammenhang ist oft von einer Willkommenskultur die Rede. Welche Weichen kann die Stadt stellen? Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

Unsere Bürger kennen ja schon die Situation, wenn Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen. Die Integration unserer Heimkehrer aus der Russischen Förderation Ende der 90er-Jahre ist gut gelungen und wer glauben Sie denn, sind bereits jetzt die Nachbarn unserer Flüchtlingsfamilien? Diese leben Tür an Tür und es geht sehr gut. Ausdruck dafür ist ein tolles Krippenspiel Heilig Abend, in dem dieses Thema gefühlvoll, aber mit Humor aufgenommen wurde. Wir tun gut daran, uns das Jahr über an die vier Engel Glaube, Liebe, Hoffnung und Demut zu erinnern. Die Themen ansprechen, zuhören, Probleme ernst nehmen und das persönliche Schicksal kommunizieren - so wird es gehen.

Stichwort Einzelhandelskonzept: Der Stadtrat hat grünes Licht gegeben, der Gewerbeverein ist unzufrieden mit der Entscheidung. Wie soll es weiter gehen?

Es war eine komplizierte Materie. Die Entscheidung hat sich keiner leicht gemacht. Wir werden das Konzept umsetzen und müssen weiter daran arbeiten, die Innenstadt über die unmittelbare Region bekannter zu machen. Die Leute müssen wissen, dass sie gute Dienstleistung und Waren erhalten können. Einkaufen zum Erlebnis machen und eine bessere Positionierung gegenüber dem Internethandel - das wird die Aufgabe.

2015 will Bad Düben feiern: 100 Jahre Kur. Wie wird das Jubiläum begangen?

Wir planen eine Veranstaltungsreihe mit Ausstellungen und Lichterfest, Lesung und Konzerten. Los geht es im März mit der Auftaktveranstaltung im Heide Spa.

Wenn jetzt schon Ende 2015 wäre, welche drei Positiv-Nachrichten würden Sie gern aus dem Jahr berichten?

Uns geht es allen genauso gut wie bislang, in Europa und möglichst in vielen Teilen der Welt ist es friedlicher als im vergangenen Jahr und Bad Düben bleibt Bad Düben, weil wir den Kurstadtstatus verteidigt haben.

Interview: Kathrin Kabelitz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2015
Kathrin Kabelitz

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