Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Bad Düben sucht nach neuen Wohnformen
Region Bad Düben Bad Düben sucht nach neuen Wohnformen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:12 09.02.2019
Erster Spatenstich für den neuen Hort in Bad Düben. Quelle: Wolfgang Sens
Bad Düben

Bad Düben steht 2019 einiges bevor. Bürgermeisterin Astrid Münster (46, FWG), erklärt im LVZ-Interview, was in der Kurstadt in diesem Jahr möglich ist, was sie vom neuen Stadtrat erwartet und was sie über eine dritte Amtszeit denkt.

Bürgermeisterin Astrid Münster (Freie Wählergemeinschaft). Quelle: Wolfgang Sens

Sie haben zum Neujahrsempfang 2018 zehn nicht ganz ernst gemeinte Wunsch-Schlagzeilen benannt. Die gab es in den letzten Monaten nicht, dafür viele reale. Über welche haben Sie sich gefreut?

Dass es mit den Fördermitteln für die Brachen in der Durchwehnaer Straße geklappt hat, das war nicht zu erwarten. Die Art und Weise, wie wir mit den Kindern den  ersten Spatenstich für den Hort vollzogen haben, die dritte Aufführung des Landschaftstheaters. Kleine Dinge, wie die Blumen, die eine Dübenerin gebracht hat, weil wir ihr bei Unstimmigkeiten mit ehrenamtlicher Arbeit helfen konnten. Kleine Dinge, für die es keine Schlagzeilen gibt, bei denen wir aber merken, dass unsere Arbeit anerkannt wird.

Auf welche hätten Sie gern verzichtet?

Schloss Schnaditz ist das, was uns massiv beschäftigt hat. Ich hätte es auch lieber gehabt, wenn wir uns mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr zum Knoten Schmiedeberger Straße hätten verständigen können. Schön wäre, wenn wir endlich einen Planfeststellungsbeschluss zur Ortsumfahrung Wellaune hätten.

Das monatelange Hick-Hack um Schloss Schnaditz hat mit der Zwangsräumung ein unrühmliches Ende gefunden. Hat das Schloss noch eine Zukunft, welche würden Sie sich wünschen?

Das Schloss ist definitiv Kulturgeschichte und hat schon deshalb eine Zukunft. Ich würde mir wünschen, dass es eine Nutzung auf dem Gebiet des Tourismus oder der Gesundheitsförderung geben könnte, dass es einen Liebhaber gibt, der das Risiko auf sich nimmt, das Schloss zu sanieren aber der auch eine gute Idee hat, wie man es bewirtschaften kann.

Was muss anders laufen, damit es nicht ein weiteres Schloss-Drama gibt?

Investor muss jemand sein, der sich im deutschen Recht und den Baubestimmungen auskennt und einen langen Atem hat. Auch über Jahre hinweg, das muss schon eine Herzensangelegenheit sein. Wir sind  von den Amerikanern letztlich immer wieder vertröstet worden. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es kein Zurück gab. Klar, vielleicht hätte man sich ein, zwei Gespräche sparen und eher reagieren können, aber die Käufer haben viel Geld investiert. Und da sind wir nicht nur Behörde, sondern sehen auch das Menschliche. Ich hätte es den Investoren gewünscht, dass sie es schaffen, am Ende hatten sie nicht die Kraft, die Realität anzuerkennen. Da musste die Stadt handeln.

2019 endet die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Nach holprigem Beginn ist es ein konstruktives Miteinander geworden. Was war notwendig, um das zu erreichen?

Gegenseitiger Respekt, denn am Ende geht es um die Stadt. Ich habe den zum Beispiel vor denen, die fast 30 Jahre  dabei sind und viel Freizeit in die Gestaltung der Stadt gesteckt haben. Zudem gibt es viele, die außerhalb des Stadtrates ehrenamtlich in Vereinen sind. Und: Wenn man die Meinung der Räte im Vorfeld schwieriger Entscheidungen anfragt und respektiert, funktioniert das. Umgekehrt hatte ich ebenso das Gefühl, dass die Arbeit der Verwaltung anerkannt wurde.  Wenn ich beispielsweise dran denke, wie Barbara Paul für den Einsatz beim Weihnachtsmarkt Respekt gezollt wurde oder nach vielen Stunden Haushaltsberatungen im Januar das konstruktive Miteinander gelobt wurde.

Was wünschen Sie sich vom neuen Stadtrat? Wie sollte er besetzt sein?

Ausgeglichen und bunt, so wie bisher. Es gibt eben nicht eine Gruppierung, die die absolute Mehrheit hat und für oder gegen etwas sein kann, ohne auf Befindlichkeiten achten zu müssen. Das und die Bereitschaft zu Kompromissen, ebenso wie die, sich die Meinung des anderen anzuhören, hat den Erfolg der letzten Jahre ausgemacht. Der Stadtrat muss aber weiblicher und jünger werden. Drei Frauen sind einfach zu wenig.  Sicher wäre es gut, wenn die Interessengruppe der jungen Dübener stärker vertreten wäre, auch der Eltern. Dennoch: Kein Stadtrat vor diesem hat so viel in die Wege geleitet, was mit Kinder- und Jugendarbeit zu tun hat. Das geht beim Eigenanteil für Schulsozialarbeit los, weiter bei Investitionen oder der Getränkepauschale, die 50 000 Euro im Jahr ausmacht, oder dem Willen, nicht irgendeinen Hort zu bauen sondern das bauliche mit dem pädagogischen Konzept abzustimmen.

CDU-Stadtrat Gisbert Helbing sprach einst von seiner Vision, dass Bad Düben 2030 rund 10 000 Einwohner hat. Davon ist die Kurstadt weit entfernt, zumal aktuelle Statistiken die Einwohnerzahl unter der 8000er-Marke sehen. Wie kann der Rückgang gestoppt werden?

Wir werden nicht verhindern können, wenn junge Leute zur Ausbildung in größere Städte ziehen. Wir sind momentan sehr attraktiv für die Menschen ab 55/60 Jahre, die es wieder in die Kurstadt zieht, weil wir hier eine gute Infrastruktur haben. Wir müssen unser Hauptaugenmerk aber auf die zwischen 30 und 45 lenken, die eine Familie gründen wollen. Und da geht es um Erreichbarkeit und Wege zwischen Arbeitsplatz, Metropole, guter Luft und Kurstadt-Idylle.  Da werden wir vielleicht nicht die 10 000 erreichen, deutlich über 7500 aber sollten es sein. 

Kritik gab es zuletzt, weil die Stadt zu verhalten in puncto Bauland-Vermarktung agiert und bei der Baulandförderung zulegen muss ...

Wir haben viele, die ins Rathaus kommen und nach bezahlbarem Wohnraum und Wohngrundstücken fragen. Die Anregung des Stadtrates haben wir aufgegriffen. Wir werden bis Mitte des Jahres eine Plattform schaffen, um Wohngrundstücke und Mietobjekte auf der Stadtseite anbieten zu können.  Es muss aber definitiv auch neue Wohnformen geben. Wir planen, Möglichkeiten für Wohngruppen für Menschen, die mit Einschränkungen leben, zu schaffen. Oder Alleinerziehenden oder älteren Menschen Wohnraum anzubieten, der nicht ausschließlich im Geschosswohnungsbau ist. Für diesen Mix haben wir vor, im Bereich Steinstraße ein kleines Wohngebiet mit maximal Zweigeschossern, Hofstruktur, barrierefrei, bezahlbaren Mieten zu schaffen. Derzeit suchen wir nach Investoren. Das kann unsere Stärke sein, neue Wege zu gehen.

Zuzug steht auch im Zusammenhang mit einem funktionierenden ÖPNV. Entscheidendes hat sich da aber nicht getan, oder?

Das würde ich so nicht stehenlassen. Die neue Plus-Bus-Linie nach Delitzsch find ich gut, insbesondere für die Anbindung von Schnaditz, Tiefensee und das S-Bahn-Netz in Delitzsch, was eine bessere Taktung hat als das in Eilenburg. Der Stadtverkehr wird in Zusammenarbeit mit dem Landkreis optimiert. Im Rundverkehr über Schwemsal und Tornau wurde das Alaunwerk bisher nur zu bestimmten Zeiten angefahren, nur hin und zurück. Mit der Gemeinde Muldestausee haben wir vereinbart, dass wir die Betonstraße Alaunwerk – Schwemsal im Probetrieb mit zusätzlichen Haltestellen auf der Hammermühle nutzen dürfen.  Dass für Kleinigkeiten, wie den Umstieg an der Bushaltestelle in die S-Bahn in Wiederitzsch, zwischen Leipzig und dem Landkreis seit zwei Jahren keine Lösung gefunden wird, ist für mich aber nicht nachvollziehbar. Auch länderübergreifend zwischen Bad Düben und Bad Schmiedeberg tut sich seit 12 Jahren nichts. Das zählt für mich zu dem von mir schon oft kritisierten „Fürstentum-Denken“ – jeder denkt nur bis an seine Grenze, aber nicht darüber hinaus. Mit dem Städtebund Elbe-Elster und Dübener Heide sind wir seit zwei Jahren im Gespräch, einiges zu tun.  Von unten her gibt es immer wieder das Anstoßen, über Änderungen nachzudenken, was Abrechenbares gibt es aber nicht. Der ländliche Raum ist  jetzt als großes Wahlkampfthema entdeckt worden, vielleicht tut sich da was.

Leipzig wächst und wächst und wir haben Kapazitäten“ haben Sie gesagt. Welche sind das?

Wir haben Kapazitäten, was soziale Infrastruktur, Grundschul-, Oberschul- und Gymnasiumsplätze betrifft, wir können  im Kita-Bereich nachsteuern. Wir haben Platz, wo man bauen kann, ausreichend Fläche für Nachverdichtung und zur Entwicklung neuer Wohngebiete, wie Hinter den Mühlen/Alaunwerksweg. Leipzig hat diese Kapazität nicht und da müssen Leipzig, Eilenburg, Delitzsch und Bad Düben näher zusammenrücken, damit alle davon profitieren. Bei den Bürgermeistern muss da Einigkeit bestehen.

Und die besteht nicht?

Grundsätzlich schon. Wie Eilenburg  seine Wohnstandortkampagne mit einem Augenzwinkern aufgezogen hat, nötigt mir schon Respekt ab.  Aber es wäre eben auch gut, wenn wir auf bestimmten Gebieten enger zusammenarbeiten, so wie es beim Thema Jugend jetzt der Fall ist. Da können wir voneinander lernen und so gibt es sicher noch mehr Themen. Sicher muss jeder Bürgermeister in erster Linie an seine Stadt denken, aber dann eben auch ans große Ganze. 

Die Erhöhung der Elternbeiträge wurde abgelehnt, was zu einem Loch im neuen Doppelhaushalt führt. Die Konsequenz ist, alles auf den Prüfstand – Einsparungen, Beitrags- oder Steuererhöhungen nicht ausgeschlossen. Die Gespräche laufen. Was haben sie gebracht?

Der Haushalt ist zu, wir haben viel und lange und konstruktiv beraten. Für mich ist es unglaublich, was die Stadträte da geleistet haben.  Es gibt mehrere Ansätze, es wird Einsparungen geben, die sich auf Standards beziehen, die wir in den letzten Jahren erst geschaffen haben, wie bei Bewirtschaftungen unserer eigenen Liegenschaften. Es wird Einnahmeerhöhungen geben, die im März beschlossen werden. Im April soll der Haushalt verabschiedet werden. Dann gibt es Details.

Was kann, was will sich die Stadt in den nächsten zwei Jahren leisten?

Kita-Versorgung, Getränkepauschale, Jugendhaus, Bibliothek soll es weiterhin geben, ebenso die Begegnungsstätte. Auch bei der Arbeit der Kriminalprävention wird es keine Abstriche geben. Die Betreibung des Natursportbades in puncto Betriebskosten wird einen großen Posten einnehmen.  Allein das sind 70 000 bis 120 000 Euro. Bei den Investitionen wird  abgearbeitet, was derzeit läuft. Geplant sind die Neugestaltung des  Schulhofes der Heide-Grundschule, im Anschluss an den Hortbau für 260 000 Euro, die Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum für 600 000 Euro. Das Rathaus muss saniert werden. Dabei geht es um Trockenlegung und Sanierung des Fachwerkes. Vorhaben sind die Barrierefreiheit der Burg, Umbau/Erweiterung Kita Spatzenhaus. Der Fördermittelantrag Integral läuft, das Stadion an der Durchwehnaer Straße ist im nächsten 4-Jahres-Zeitraum geplant. Insgesamt müssen wir rund 12 Millionen Euro aus Verpflichtungsermächtigungen der letzten Jahre umsetzen. In diesem Sinne geht es nicht weiter, das wird sich bei zwei Millionen Euro einpegeln.

Von der geplanten Wiedereröffnung des Landschaftsmuseums kann derzeit keine Rede sein ….

Das stimmt. Ich werde wohl auch nie wieder einen Eröffnungstermin benennen. Ich habe gesagt, die Schauwerkstätten waren die schlimmste Baustelle meiner bisherigen Amtszeit, aber das Landschaftsmuseum scheint ähnlich kompliziert zu werden. Es gibt so viele denkmalschutzrechtliche Belange zu berücksichtigen. Es ist schwierig, Kompromisse zu finden, wenn dann auch noch Barrierefreiheit hinzukommt und sich so bestimmte Dinge ausschließen. Der Burgturm wird zeitweise geöffnet sein. In den nächsten Wochen soll es einen Tag der offenen Baustelle geben, bevor die Stahl- und Zimmererarbeiten beginnen.  So können die Bad Dübener sehen, welches Ausmaß das Sanierungsvorhaben hat. Wenn wir 2020 mit Instandhaltung, Umbau und Barrierefreiheit fertig sind, wird  vom Erdgeschoss aus nach und nach jeder Raum gestaltet.

Supa-Golf ist im Kurpark erfolgreich gestartet – wann kommt Fußball-Golf?

Wenn einer sagt, er möchte es machen, mir wär der Fußball-Verein am liebsten. Die Idee steht. Wir haben aber gemerkt, wie schwierig es ist, für die Supa-Golf-Anlage neun Löcher im Kurpark zu setzen. Dafür brauchte man Denkmal- und Baugenehmigung. Fußball passt wirklich nur auf den Fußballplatz. Vorstellbar wäre auch eine Fläche auf der Brache in der Durchwehnaer Straße. 

Sie haben 2018 die Einladung der Feuerwehr angenommen und als Aktive bei einer Schulung mitgemacht. Wie wichtig war dieser Perspektivwechsel, wird es weitere geben?

Mir ist das schon wichtig, um zu verstehen, was der andere leistet. Ich habe auch schon im Kindergarten gearbeitet, will mal in der Suppenküche helfen. Ich war auch schon mit dem Technischen Leiter des Zweckverbandes unterwegs, der vor Ort Verschiedenes erklärt hat. Wenn ich das alles vom Schreibtisch aus entscheiden und Verständnis haben soll, ist das schwierig.

2021 wählt Bad Düben einen neuen Bürgermeister. Streben Sie eine dritte Amtszeit an?

Bürgermeisterin von Bad Düben ist der geilste Job der Welt. Das sagt doch alles!

Von Kathrin Kabelitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit der LVZ zum Leipziger Halbmarathon, das ist auch 2019 das große Ziel von "Lauf geht's!". Erstmals kann auch in Wurzen, Bad Düben und Altenburg gelaufen werden. Wir haben uns mit Cheftrainer Jörg Matthé unterhalten.

08.02.2019

Die Post verbleibt in Bad Dübens Innenstadt und auch der Elektronikladen bleibt erhalten. Beides zusammen zieht am 11. März ins neue Domizil um. Denn die Tage in der Altstädter Straße sind gezählt.

07.02.2019

Das Mediclin Waldkrankenhaus und Reha-Zentrum in Bad Düben haben am Mittwoch zum Neujahrsempfang geladen. Dabei zogen die Klinik-Chefs Bilanz und blickten auf die anstehenden Herausforderungen.

07.02.2019