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Bad Dübener Reitverein Heidehof in Not: Vereinsgelände wird zum Gewerbegebiet

Existenzangst Bad Dübener Reitverein Heidehof in Not: Vereinsgelände wird zum Gewerbegebiet

Die Zukunft des Bad Dübener Reitvereins Heidehof ist ungewiss. Aus dem Vereinsgelände in der Durchwehnaer Straße soll ein Gewerbegebiet werden. „Wir fühlen uns komplett ausgeschlossen. Ein Gewerbegebiet und Pferde – das passt nicht zusammen“, sagt die Vereinsvorsitzende Cornelia Böschel. Die Stadt will dem Reitverein jetzt helfen.

Mitglieder des Bad Dübener Reitvereins Heidehof beim Ausritt auf dem Vereinsgelände.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. Die Laune der derzeit rund 20 Mitglieder des Bad Dübener Reitvereins Heidehof ist so ziemlich am Nullpunkt angekommen. Der Grund ist die unklare Zukunft ihres Vereinsgeländes in der Durchwehnaer Straße. Denn bis Ende 2018 soll das Areal samt Stall vom verlängerten Gelände des Sportplatzes verschwinden. Die Stadtverwaltung will hier ein kleines Gewerbegebiet entstehen lassen. „Es wird ein Bebauungsplan für das Areal erarbeitet. Da bereits die Bad Dübener Bau- und Haustechnik ein Großteil des Geländes für ihren Stahlbau nutzt und sie die ehemalige NVA-Sporthalle samt Außengelände gekauft hat, bietet sich das Mini-Gewerbegebiet dafür an“, begründet Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) die Pläne. „Trotzdem wollen wir den Reitverein unterstützen und würden ihnen kostenfrei ein städtisches Grundstück anbieten. Für den Bau des Pferdestalles müsste der Verein jedoch selber aufkommen.“

Reiter kündigen Mitgliedschaft

Cornelia Böschel vom Reitverein sieht keine große Zukunft mehr auf dem Gelände. Denn der lärmintensive Stahlbau wirkt sich auf die derzeit 13 Pferde und Reitponys negativ aus. „Es ist teilweise ganz schön laut. Da wird sandgestrahlt und an Metall geflext. Die Tiere erschrecken und werfen ihre Reiter ab. Vor allem wenn wir am Nachmittag und abends Reitstunden geben, ist das nicht gut.“ Beim letzten Reitcamp seien morgens um sieben Uhr große Tore lautstark eingebaut worden. „Viele haben mittlerweile ihre Mitgliedschaft oder die Pferdebox gekündigt. Das wirkt sich auch finanziell aus“, so Böschel enttäuscht. Sie ärgert sich auch, dass niemand im Vorfeld mit dem Verein geredet habe. „Es wird einfach so entschieden, ohne dass wir eine Chance haben, darauf zu reagieren. Wir fühlen uns komplett ausgeschlossen. Ein Gewerbegebiet und Pferde – das passt nicht zusammen. Wir sind schließlich schon 18 Jahre hier. Und es wäre der dritte Neuanfang nach der Wende. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal schaffe.“

Bau- und Haustechnik zeigt Entgegenkommen

Entgegenkommen zeigt das Unternehmen Bau- und Haustechnik. Geschäftsführer Rudolf Schäfer lässt derzeit noch die Pferde auf der Koppel, die zu seiner Betriebsfläche gehört, laufen. „Die kann noch ein ganzes Weilchen genutzt werden. Das haben wir auch so kundgetan. Außerdem machen wir so wenig Krach wie möglich.“

1994 wurde der Reitverein Heidehof gegründet. Damals hatten die Reiter ihr Domizil in Tiefensee. Danach im Ortsteil Alaunwerk, ehe sie 1999 vom damaligen Bad Dübener Stadtoberhaupt Eckehard Tulaszewski das ehemalige NVA-Duschgebäude samt Gelände zur Verfügung gestellt bekamen. Seitdem pflegen sie den Reitsport mit all seinen Facetten. Die Mädchen und Jungen nehmen regelmäßig an Dressur- und Springwettbewerben teil, organisieren Feriencamps und Hoffeste auf ihrem Vereinsgelände. Zehn Jahre durften sie auch die benachbarte, alte NVA-Sporthalle als Reithalle kostenfrei vom damaligen Besitzer nutzen. „Die Sporthalle wurde aber vor über einem Jahr an die Bad Dübener Bau- und Haustechnik verkauft, die jetzt dort ihren Stahlbau angesiedelt hat. Und diese Branche ist nun mal mit viel Lärm verbunden“, weiß Böschel.

Reitcamps in den Sommerferien

Dennoch hoffen Vorstand und Mitglieder auf eine gütliche Einigung. Denn auch in diesem Jahr sind in den Sommerferien ein Reitcamp und Reitstunden geplant. Außerdem im zweiten Halbjahr das traditionelle Hoffest zum 23. Vereinsgeburtstag. Wichtige Einnahmequellen, um den Verein finanziell am Leben zu halten. Schließlich müssen jeden Tag die Tiere gefüttert werden und regelmäßig ist auch der Tierarzt vor Ort. All das kostet viel Geld.

Dass der Verein in zwei Jahren sein Vierteljahrhundert feiern kann, darauf hoffen auch Vivien Wellandt, Antonia Richter und Johanna Witzke. Die drei Teenager gehören zum harten Kern der Truppe und sind nahezu täglich auf dem Vereinsgelände anzutreffen. „Wir müssen die Tiere bewegen, pflegen, reiten und füttern. Ein Weggang wäre schon irgendwie blöd. Schon alleine deswegen, dass wir als Verein gar nicht das Geld für einen neuen Stall haben“, erzählte Vivien Wellandt. Die 16-Jährige gehört zu den sportlichen Aushängeschildern des Reitvereins, ist aktive Wettkampfsportlerin und hat bereits mehrfach erfolgreich an Dressur- und Springreitturnieren teilgenommen.

Von Steffen Brost

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