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Bad Dübens Bibliothek wird 100 Jahre alt

Jubiläum in der Kurstadt Bad Dübens Bibliothek wird 100 Jahre alt

So richtig hatte das Datum lange niemand auf dem Schirm. Doch im Zuge der Recherchen zu 50 Jahre Wiederöffnung der Dübener Bibliothek nach dem Krieg brachte eine Sammlung von Hobby-Historiker Lutz Fritzsche vor einigen Jahren den Stein ins Rollen. Am 8. Januar 1916 wurde die Einrichtung als „Städtische Volksbibliothek zu Düben an der Mulde“ eröffnet.

Bettina Beska (links) und Angela Pietsch mit Büchern aus dem Bestand der Vorwendezeit. Die Chefin der Bad Dübener Bibliothek und ihre Mitarbeiterin bereiten derzeit eine Ausstellung vor, die Zeitzeugnisse aus 100 Jahren Bibliothekswesen in der Kurstadt zeigen wird. Die Einrichtung im Jugendhaus „Poly“ begeht das Jubiläum im kommenden Jahr mit vielen Veranstaltungen und Lesungen.

Quelle: Wolfgang Sens

Bad Düben. 100 Jahre öffentliche Bibliothek – 95 Jahre davon in kommunaler Hand. Im kommenden Jahr will die Bad Dübener Bibliothek, die seit 2010 zur Arbeiterwohlfahrt gehört, dieses Jubiläum groß feiern. In den Räumen in der ersten Etage des Jugendhauses „Poly“ sind bereits die ersten Anzeichen zu sehen. Chefin Bettina Beska und Mitarbeiterin Angela Pietsch ordnen alte Buchbestände und Ordner. Ab Ende Januar soll eine kleine Ausstellung Auskunft über die Geschichte geben.

Abgegriffene Bände, wie sie noch zu DDR-Zeiten in die Ausleihe kamen, würden heute aus den Regalen verbannt. Die Ausstellung wird längst vergessene Zeitzeugnisse wie diese zeigen und erzählen, wie sich das Bibliothekswesen in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Heute werden längst nicht mehr nur Bücher angeboten, die neuen Medien haben Einzug gehalten. Auch das Jubiläums-Jahr steht im Zeichen der neuen Zeit. Die Ausleihe von E-Books übers Internet soll ermöglicht, das neue OPAC-System zur Recherche und zum Bestellen von Medien eingeführt werden, auch die Homepage erhält eine Auffrischung. Bettina Beska, die seit September 1978 die Einrichtung leitet, sagt dennoch, dass es den klassischen Leser noch immer gebe. Um die 11 000 Besucher hat die Bibo pro Jahr, angemeldet sind derzeit rund 750 Leser. Die Altersgruppe ab 60 Jahre ist am stärksten vertreten, die jungen Leser bis 12 folgen, dann erst die 13 bis 59-Jährigen. Stolze 92 Jahre zählt die älteste Leserin, deren Tochter noch immer regelmäßig Bücher abholt.

Im April 1912 war es, als in einem Schriftstück erstmalig die Absicht erwähnt wurde, eine Jugend- und Volksbibliothek gründen zu wollen. Erste Stempel und der Kauf von Büchern zeugten 1915 von konkreten Vorbereitungen, am 8. Januar 2016 schließlich öffnete die „Städtische Volksbibliothek zu Düben an der Mulde“ in der Turnhalle der alten Schule, Kirchstraße 1, mit Schulrektor Stuck als erstem Leiter. 398 Bände (Unterhaltungsschriften, Jugendschriften, Klassiker) standen damals zur Verfügung. 98 Leser gab es, die Bibliothek war sonnabends zwei Stunden geöffnet. Nach den Kriegswirren und Jahren des Stillstandes, nach Aussonderungen und Neuorientierung ging es erst 1954 mit dem regulären Betrieb weiter, als die Bibliothek am 10. Oktober als Volksbücherei im Rathaus wieder eröffnete. Später wurde sie zur Stadtbibliothek, hatte ihren Sitz ab 1965 im heutigen Reformhaus, Torgauer Straße 4, von 1972 bis 1990 als Zentralbücherei in der Altstädter Straße, von 1991 bis 2010 als Stadtbibliothek im Postweg und seit 2011 als Bibliothek im Windmühlenweg 16.

Neben dem alltäglichen Geschäft gibt es auch viele Veranstaltungen in der Bibliothek. „Wir sehen uns als Informations- und Kultureinrichtung. Wir bieten von uns aus viel an, was der Förderung der Lesefähigkeit dient“, sagt die 60-Jährige. Die Herausforderungen sind mit dem Anspruch, den Anforderungen der Informationsgesellschaft und des digitalen Zeitalters gerecht zu werden, immens gestiegen. „Das war nicht so einfach“, sagt Beska.

Und was bringt 2016? Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) hat das Jahr anlässlich des Jubiläums als Lese-Jahr ausgerufen, auch das Stadtfest soll unter dem Motto „Bad Düben liest“ stehen. Mit der kulinarischen Lesung mit Regina Röhner hat der Veranstaltungsreigen gewissermaßen schon im November begonnen. Das Leseförderprojekt wie „Ich bin Bibfit – der Bibliotheksführerschein für Kindergartenkinder“ läuft bis April, fünf Vorschulgruppen aus allen drei Kitas der Stadt nehmen daran teil. Ein weiteres heißt „Lesestart – drei Meilensteine für das Lesen“ und richtet sich an Kinder ab drei Jahre. Im Januar startet ein neues Vorhaben, das unter dem Motto „Ich bin ein Held“ speziell für Jungs gedacht ist.

Für den 30. Januar plant das Bibliotheken-Team einen Tag der offenen Tür. Autorenlesungen mit Schülern der Oberschule, Festveranstaltung, Vorlesaktionen, Bücherflohmarkt, Ausstellung und vieles mehr füllen den Terminkalender.

Von Kathrin Kabelitz

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