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Bad Dübens Bürgermeisterin: „Nicht alles, was die Integration betrifft, klappt“

Interview Bad Dübens Bürgermeisterin: „Nicht alles, was die Integration betrifft, klappt“

Kurstadt-Titel, Schulzentrum-Start, Freibad-Rettung – Bad Düben hat 2016 viel angeschoben, was in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll. Bürgermeisterin Astrid Münster (44) blickt zurück und voraus.

Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (Mitte) bei der Eröffnung der Ausstellung der beiden Diezer Künstlerinnen Renate Kuby (links) und Gretelore Herr.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Bad Düben. Die Stadt Bad Düben steckt im Wandel wie seit Langem nicht. Sie hat den Kurstadt-Titel verteidigt und Projekte auf den Weg gebracht, die die Kommune in den nächsten Jahren entscheidend prägen. Bad Düben steht vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen, sagt Bürgermeisterin Astrid Münster (44, FWG).

Kurstadt-Titel, Schulzentrum-Start, Freibad-Rettung, Obermühlen-Baustart, Burgberg-Sanierung, Hort-Neubau – die Liste der angeschobenen Projekte ließe sich fortsetzen. Alles in allem also ein gutes Jahr 2016?

Mit Blick darauf, was wir begonnen oder realisiert haben, ja – das war ein sehr erfolgreiches Jahr. Ich lege aber großen Wert darauf, dass wir uns auch inhaltlich weiter entwickeln. Das ist beispielsweise beim Kurstadt-Titel, wo wir bereits einen Großteil des Kurortentwicklungskonzeptes umgesetzt haben, sehr gut gelungen.

Besteht bei all der Flut an Projekten und Anträgen nicht die Gefahr, sich als Stadt zu verzetteln?

Meine Aufgabe als Bürgermeisterin ist es, die Arbeit so zu organisieren, dass dies nicht passiert. Der Stadtrat muss aber auch sehen, wenn er der Verwaltung zu Hilfe kommen muss. Dabei gilt es zu entscheiden, ob sich die Organisationsstruktur innerhalb der Verwaltung so bewährt oder ob jemand zusätzlich eingestellt werden muss. Wir haben sicher damit zu kämpfen, dass ab 1. April unsere langjährige Bauamtsleiterin ihren Posten aufgibt. Deshalb überlege ich, ob es besser ist, jemanden befristet einzustellen, um die enormen Investitions-Aufgaben, die anstehen, abzuarbeiten oder die Struktur in der Verwaltung zu ändern und drei statt zwei Amtsleiter plus Bürgermeisterin zu installieren. Die großen Ämter haben sich nicht bewährt. Diesen Gedanken trage ich schon länger mit mir herum, bis Mitte des Jahres soll das der Stadtrat entscheiden.

All das ist nur mit einem immensen Arbeitsaufwand zu schaffen. Gleichzeitig ist mit dem Weggang von Personen, die das Stadt-Leben prägten, ein personeller Umbruch zu verzeichnen. Eine schwierige Situation?

Sicherlich hätte es für solche Konstellationen einen besseren Zeitpunkt geben können als 2016/2017. Natürlich ist es für mich schwierig, wenn mit Jörg Uhle-Wettler ein Pfarrer nicht mehr da ist, der aktiv am kommunal-politischen Leben mitgewirkt hat. Oder wenn mit Heike Dietzsch eine langjährige Amtsleiterin ihren Posten aufgibt, ein neuer kommt. Um es am Beispiel der Kurrende festzumachen, finde ich diese Entwicklung dennoch folgerichtig. Der Alt-Kantor geht, eine Jüngere kommt und setzt neue, hervorragende Akzente. Das Leben in der Stadt geht also weiter, vielleicht ist dies auch gleichzeitig eine Chance für Bad Düben.

Sie haben den Satz geprägt: Wir sind wir geworden. Was hat sich in den letzten Monaten geändert, um dies zu erreichen?

Wenn man sich mal an die Zeit nach den Bürgermeister- und Kommunalwahlen erinnert, da war Bad Düben recht gespalten. Weiter gebracht hat es uns nicht. Jede Interessengruppe hat nur ihr Anliegen vorangetrieben. Ich finde, die Stadt hat eine gute Entwicklung genommen. Jetzt versucht man, sich in die Interessenlagen des jeweils anderen hineinzuversetzen, hat dabei das gesamt-städtische Anliegen im Blick. Offenbar aus der Erkenntnis heraus, wir können nicht viel verändern, wenn jeder für sich wirkt. Positiv wirkt sich auch die Konstellation im Stadtrat aus. Es gibt keine Mehrheit, jede Fraktion ist darauf angewiesen, Mehrheiten zu organisieren. Und natürlich haben wir beispielsweise mit dem Freibad oder mit dem Hort eine Chance bekommen, bei der wir vor der Entscheidung stehen: Jetzt oder gar nicht. Wir haben uns in die Augen gesehen und gesagt: Wenn, dann packen wir das zusammen. Auch die Bürger werden anders mitgenommen. Sie identifizieren sich mehr mit den Problemen der Stadt. Und letztlich: Bad Düben geht es wirtschaftlich gut. Das ist als Faktor nicht zu unterschätzen.

2015 war geprägt von der Flüchtlingsthematik, 2016 scheint diese in den Hintergrund gerückt …

Das sehe ich nicht so. Der Anschlag in Berlin und das, was 2016 in Deutschland und in der Welt passiert ist, wird in Bad Düben wahrgenommen. Und die Menschen diskutieren, wie wir damit umgehen und ob der Weg, den wir eingeschlagen haben, der richtige ist. Nicht alles, was die Integration betrifft, klappt, aber ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich erinnere an die Stadtratssitzung am 8. Oktober 2015 in der Heide-Grundschule, als es um den Asylheim-Standort ging. Da habe ich mich wegen der Art und Weise der Debatte gefragt: Ist das noch meine Stadt? Dann aber hat diese Stadt mich überrascht, ich hätte nicht gedacht, dass die Menschen so gelassen und positiv auf die Entwicklungen reagieren.

Für viele Ziele wurden zwar wichtige Weichen gestellt, was aber steht im kommenden Jahr noch auf der Agenda?

Die Schauwerkstätten sollen fertig werden, wir wollen mit der Sanierung des Freibades und des Amtshauses beginnen. Dazu zählen entsprechende Konzeptionen und beim Freibad und den Schauwerkstätten geht es um Fragen der Organisation und der Betreibung. Für den Hort-Neubau ist gerade die erste Runde des Teilnehmer-Wettbewerbes gelaufen. Wir haben uns für das Förderprogramm „Integral – Städtebegegnung Dübener Heide“ beworben und hoffen, dass wir so die alte Militärbrache am Gymnasium wieder beleben können. Ein Projekt wird zudem sein, für die Stadt eine neue Webseite zu erstellen, in die wir Einrichtungen wie das Museum oder die Tourist-Info mit integrieren wollen, und ebenso die sozialen Netzwerke damit verbinden. Welche, ist aber noch nicht entschieden. Einer der größten Punkte ist die Evaluierung und Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes aus dem Jahre 2009 inklusive Klimaschutz-Konzept. Dabei geht es um wichtige Fragen, wie: Wie gehen wir mit der für Bad Düben geplanten Ortsumgehung um? Halten wir daran fest oder gibt es Alternativen? Wie und wo können neue Baugebiete entstehen? Wie sieht das Verkehrskonzept aus? Zu nennen wäre noch viel mehr.

Wie sehen Sie den nächsten Monaten entgegen: mit Freude oder Bammel?

Mit Freude, aber auch mit viel Spannung. Nicht nur, was Bad Düben betrifft.

Interview: Kathrin Kabelitz

Von Kathrin Kabelitz

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