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Bad Dübens Friedensrichter Fritz Mühlmann ist jetzt auch für Löbnitz zuständig

Nachbarschaftsstreit & Co. Bad Dübens Friedensrichter Fritz Mühlmann ist jetzt auch für Löbnitz zuständig

Er ist 65 Jahre, hat sechs Kinder und sechs Enkel, war bis vergangenes Jahr Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Löbnitz. Fritz Mühlmann ist seit April der neue Friedensrichter. Nun kehrt er als solcher in die Nachbargemeinde zurück. Bad Düben und Löbnitz haben deshalb eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Stadt- und Gemeinderat haben zugestimmt.

Schriftzug einer Schiedsstelle.

Quelle: dpa

Bad Düben. Die Stadt Bad Düben und die Gemeinde Löbnitz lassen ab 2016 gemeindeübergreifend schlichten. Fritz Mühlmann – seit April gewählter Friedensrichter in der Kurstadt – wird sein Amt ab Januar auch in der Gemeinde Löbnitz ausführen. Möglich macht dies eine Kooperationsvereinbarung, die beide Kommunen geschlossen haben.

Den Weg ins Nachbardorf kennt Mühlmann zur Genüge, seit 1999 war er dort Pfarrer. Nach dem Ja des Gemeinderates kam jetzt auch das O.k. des Stadtrates. Für Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) ein klares Zeichen, dass dies nicht die letzte Vereinbarung sein dürfte, die Kommunen bei der Bewältigung bestimmter Aufgaben aneinander bindet. Münsters Amts-Kollege Axel Wohlschläger (CDU) hatte bei Mühlmann gefragt, dann weitere Schritte eingeleitet, sich auch juristischen Beistand geholt. Laut Eilenburgs Amtsgerichts-Direktor Norbert Schwarzer ist es kein Problem, das sächsische Schieds- und Gütestellengesetz lasse diese Form der kommunalen Zusammenarbeit zu. Jede Gemeinde sei in der Pflicht, solche Schiedsstellen zu errichten. Die Ausnahmesituation in Löbnitz war eingetreten, nachdem die Gemeinde den ehrenamtlichen Job dreimal ausgeschrieben hatte – ohne Erfolg. Die jetzige Friedensrichterin hört zum Jahresende auf. Anfallende Kosten übernimmt die Gemeinde.

Fritz Mühlmann ist 65 Jahre, hat sechs Kinder und sechs Enkel, fährt leidenschaftlich gern Motorrad und hat im Mai die Nachfolge von Heinz-Adolf Junge angetreten. Mühlmann lernte Lokomotivschlosser und studierte 1974 Theologie. Bis 1985 war er in der Jugendarbeit beschäftigt, ehe er nach 1999 nach Löbnitz kam und dort die Pfarrstelle übernahm. Bis Ende 2014. „Nach dem Eintritt in die Rente wollte ich die Hände nicht in den Schoß legen, sondern noch eine Aufgabe haben. Ich fand die Ausschreibung einer Friedenrichterstelle im Amtsblatt. Ich habe mich einfach beworben. Engagement endet nicht mit dem Berufsleben“, so Mühlmann. Das Löbnitzer Amt sei eine besondere Herausforderung, „in einem Territorium, in dem ich einst als Seelsorger unterwegs war“.

Seit Mai hatte der 65-Jährige ein Schlichtungsverfahren sowie mehrere Gespräche in Bad Düben. „Meist Nachbarschaftsstreitigkeiten und Erbschaftssachen. Meine Aufgabe ist es, beide Seiten an einen Tisch zu holen und nach Wegen für eine Lösung zu suchen. Erst wenn ich keinen Erfolg habe, dürfen sich die Parteien vor Gericht begeben“, erklärte Mühlmann. Neben seinem liebsten Hobby, dem Motorradfahren, ist er Lesepate in der Heide-Grundschule, leitet an dieser Einrichtung das Ganztagesangebot Holzwerkstatt und sammelt als Hobbyimker Erfahrung im Umgang mit Bienen.

Unter dem Motto „Schlichten statt Richten“ tragen Friedensrichter wie Fritz Mühlmann und dessen Stellvertreter Ulf Jäckel dazu bei, dass sich Streithähne ohne Einschaltung des Gerichtes einigen können. Das gelingt vor allem mit großem Einfühlungsvermögen, viel Geduld sowie der Bereitschaft und der Fähigkeit, zuzuhören und ausgleichen zu können. Für die Dauer von fünf Jahren werden Friedensrichter vom Stadtrat gewählt und vom Präsidenten des Amtsgerichts bestätigt und vereidigt. Ihre Aufgabe besteht darin, zwischen den streitenden Parteien zu schlichten und somit den Rechtsfrieden wieder herzustellen. Die Verfahren vor dem Schlichter sind in Privatklagedelikten wie Beleidigung, Hausfriedensbruch, leichte Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Verletzung des Briefgeheimnisses obligatorisch vorgeschaltet, bevor die Angelegenheit beim Gericht anhängig gemacht werden kann. Das Verfahren vor der Schiedsstelle ist kostengünstig, unbürokratisch und zeitsparend. Gespräche, die Mühlmann und Jäckel führen, sind nichtöffentlich und die Friedensrichter sind zur strengsten Verschwiegenheit verpflichtet. Der Antrag auf Anberaumung einer Schlichtungsverhandlung kann bei den zuständigen Friedensrichtern entweder schriftlich oder mündlich gestellt werden. Dieser Antrag muss neben den Angaben zu den Parteien auch den Grund der Beschuldigung beziehungsweise die Forderung enthalten. In der Regel ist ein Kostenvorschuss in Höhe von 50 Euro bei der Antragstellung zu entrichten.

Die Sprechstunde von Fritz Mühlmann ist jeden zweiten Dienstag im Monat von 16 bis 17.30 Uhr im Bad Dübener Rathaus. In Löbnitz ist er jeden vierten Dienstag im Monat von 16 bis 17.30 Uhr in der Grundschule anzutreffen.

Von Kathrin Kabelitz und Steffen Brost

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