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Bad Dübens Lust’ger Gesell verlässt die Bütt

Hammermühler Karneval Verein Bad Dübens Lust’ger Gesell verlässt die Bütt

Seit 41 Jahren steht Peter Oms an der Spitze des Bad Dübener Karnevals. Mehr sollen es nicht mehr werden. Oms will jetzt den Präsidentenstuhl frei machen. Gesundheitliche Gründe führt der 71-Jährige an.

Peter Oms, langjähriger Präsident des Hammermühler Karnevalsvereins, legt sein Ehrenamt nieder.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. Das Laufen fällt ihm schwer. Peter Oms hat es mit den Knien. Doch Jammern ist für den Präsidenten des Hammermühler Karnevalvereins (HKV) in Bad Düben noch nie eine Option gewesen. Seit 41 Jahren steht der 71-Jährige an der Spitze des Vereins. Mehr sollen es nicht mehr werden. Oms will jetzt den Präsidentenstuhl frei machen. Gesundheitliche Gründe führt er an, will jedoch seinem HKV weiter die Treue halten – aus der zweiten Reihe.

Der Nachwuchs steht schon bereit. Bis zu nächsten offiziellen Wahl des Vorstandes soll Vizepräsident Matthias Lachmann die Geschäfte führen. „Eigentlich hatte ich vor, schon eher mein Amt zu räumen. Doch meine Mitstreiter überredeten mich, die 40 Jahre als Präsident noch voll zu machen. Jetzt sind es 41 geworden und damit auch genug“, so Oms, der zu den dienstältesten seiner Zunft im Land gehört.

Er wurde in Bitterfeld geboren, wuchs in Pouch auf. 1967 ließ er sich, wie er gerne angibt, in Bad Düben „einbürgern“. Später machte er als Freizeitschlagzeuger Karriere und engagierte sich im Wohnbezirksausschuss beim Wasserleitungsbau und der Organisation von Kinder- und Volksfesten. Mit dem Karneval begann es 1974/75. Damals feierten die Narrenfreunde die fünfte Jahreszeit mit Holzhackerbällen, Kostüm- und Maskenbällen. Das war für den gelernten Dekorateur und Gebrauchswerber der Auslöser, mit anderen Mitstreitern im Gasthaus Hammermühle die Idee eines Karnevalvereins zu entwickeln.

Am 22. Februar 1975 wurde der Verein geboren. Von der ersten Stunde an war Peter Oms der Präsident. Selber regierte er nicht nur erfolgreich seine Mannschaft, sondern schrieb auch die Drehbücher, Büttenreden und Sketche. Wie andere ihre Unterwäsche wechselten, wechselte er die Figuren. Mal kam er als Robinson, mal als Doktor Mabuse, Tanzmaus, Musikus oder Schokoladenmädchen. Oms war sich für keine seiner Rollen zu schade. 1994 kreierte er den Lust’gen Gesellen.

Im bunten Clownskostüm mit kleinem Schirmchen war er bei den Galaveranstaltungen in der Region in seinem Metier, wenn er aus einem riesigen Fass heraus die große und kleine Politik aufs Korn nahm. „Die Büttenreden musste man sich damals sehr gut überlegen. Obwohl wir unsere Texte nie zu einer Zensur vorlegen mussten, wurde das alles sehr genau beobachtet, was wir sagen. Witzchen in Zeiten akuter Butterknappheit zum Beispiel sollten lieber unterbleiben. Eine Gratwanderung war es aber immer.“

Über 15 Jahre lang hauchte er mit seinem unzähligen Figuren den Veranstaltungen Leben ein. „Unser Verein entwickelte sich zu einer festen Größe im Kulturleben der Stadt“, blickt Oms zurück. Die erfolgreiche Vereinsarbeit nahmen auch andere wahr. Zu DDR-Zeiten bekam der HKV den begehrten Titel „hervorragendes Volkskunstkollektiv“ verliehen. DDR-typisch herrschte gerade vor der Wende überall das damals sehr beliebte Tauschprinzip. Denn jedes Jahr mussten zur närrischen Session viele Bühnenbilder, Kostüme, Ausstattung und andere Sachen besorgt werden. In der DDR-Mangelwirtschaft nicht immer einfach. „Unser Motto war: Haste was, kriegste was. So wurden wir damals nie müde, alles was wir benötigten, irgendwie aufzutreiben.“

Mit der Wende wurde alles anders. Auftrittsorte brachen weg, die Zuschauer blieben aus und der Verein musste nach neuen Vorschriften geführt werden. „Alle diese Hürden haben wir erfolgreich genommen“, weiß Oms, der 1990 zu den Mitbegründern des Verbandes Sächsischer Karneval gehörte. Für seine jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit erhielt er 1999 schließlich den Orden des Bundes Deutscher Karneval in Gold. Zu seinem 40. Dienstjubiläum bekam er sogar den Verdienstorden in Gold mit Brillanten.

Von Steffen Brost

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