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Besucher können bald mit Handy-App Kossas Bunker erkunden

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Der Schweiß steht Olaf Strahlendorff auf der Stirn. "Der ist hausgemacht. Ich schiebe Küchendienst", begründete der Geschäftsführer der Bunkeranlagen des Militärmuseum Kossa.

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Im ehemaligen Nachrichtenbunker sind auch NVA-Fahrzeuge geparkt. Museumsführer Lothar Herre (Mitte) führt die Besucher. Fünf Bunker sind begehbar.

Quelle: Steffen Brost

Jeder Woche kocht Strahlendorff für seine Besucher Erbsensuppe. "Die mache ich immer selbst. Büchsen kommen bei mir nicht in den Topf", sagte er. In den Sommerferien war mächtig Andrang. Vor allem an den Wochenenden waren die Führungen durch die unterirdischen Gänge gut gebucht. "Und nach dem zweistündigen Rundgang haben alle Hunger", weiß der Mitarbeiter. Denn auch 25 Jahre nach dem Ende der DDR ist der Bunker der Nationalen Volksarmee (NVA) ein Magnet für kleine und große Besucher.

"Wir haben davon öfter gelesen und wollten sie uns jetzt einmal anschauen", erklärt Werner Hentschel aus Leipzig. Besucher kommen zwischen Frühjahr und Herbst reichlich. Zu den Spitzenzeiten 2009 und 2010 waren es bis zu 30 000. Mittlerweile haben sich die Zahlen bei 15 000 eingepegelt. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet. Jedoch hebt sich der Schlagbaum im Winter nur nach telefonischer Voranmeldung.

Dann hat auch Museumsführer Mathias Fink alle Hände voll zu tun. Fink war zu DDR-Zeiten Unteroffizier und später technischer Leiter. "Ich war hier von 1977 bis 1993 eingesetzt. 1993 haben wir einen Verein gegründet, um das für die Nachwelt zu dokumentieren. Ich führe ein bis zwei mal pro Monat Besucher durch. Das ist mittlerweile mein Hobby", so Fink. Der einstige NVA-Angestellte hat viel zu erzählen. So auch, dass der Bunker einer der bestgehütesten Geheimnisse der DDR war. Versteckt in einem 110 Hektar großen Waldgebiet wurde Mitte der 1970er-Jahre für 24 Millionen Mark die Anlage auf dem Gelände der Ex-Munitionsfabrik gebaut. NVA-Baupioniere zogen einen sechs Kilometer langen Stahlzaun und setzten ihn unter 6000 Volt. Dann hoben die Männer mit Baggern tiefe Löcher aus und gossen Betonwände. Schließlich wurde der unterirdische Bau mit Elektronik bestückt. Im Jahr 1979 war die Geheimfestung fertig. Sechs Einzelbunker, aus der Luft nicht sichtbar, versehen mit Überdruck-Stahltüren und Dekontaminationsduschen.

Kossa war ein Führungsbunker für den Warschauer Pakt. 350 Offiziere und Unteroffiziere sowie eine Nachrichteneinheit mit 250 Mann hätten einrücken können. Bis 1989 war das Bauwerk in Gefechtsbereitschaft. 48 Service-Soldaten warteten die Geräte, heizten alle Räume und hielten den Zaun unter Spannung. "Nachdem 1993 die Bundeswehr keine Zukunft für die Anlage mehr sah, wurde alle Bunker geräumt. Mittlerweile haben wir sie fast originalgetreu wieder eingerichtet. Das hat viel Geld und Zeit gekostet", so Strahlendorff. Visionen und Vorstellungen haben die Mitglieder genug.

Vor Jahren wurde die Idee einer mehrsprachigen Audio-Guide-Tour ins Auge gefasst. Doch die dafür zu investierenden rund 45 000 Euro waren zu viel. "Wir suchen einen Partner, der eine App entwickelt, über die sich jeder Kopfhörer sich auf der die Tour begleiten lassen kann. Das wird die Zukunft sein. Allerdings wird das wohl noch fünf bis zehn Jahre brauchen. Aber derzeit sind unsere Besucher froh, von Museumsführern geführt zu werden, die sie auch mal fragen können", weiß der Geschäftsführer.

Die Besucher kommen aus der ganzen Welt. "Wir haben schon Holländer, Belgier, Österreicher, Schweizer und Gäste aus Neuseeland, Australien und den USA hier gehabt", erklärt Strahlendorff weiter. Er macht deutlich, das er seine Team hier keine Nostalgie betreiben, sondern Geschichte bedienen. "Es geht uns nicht um einen sentimentalen Rückblick, sondern um die Darstellung der Zeit des Kalten Krieges und um die Warnung vor den Folgen übermäßiger Rüstung und einer Konfrontationspolitik", warnt er. Mittlerweile haben die Museumsmacher weitere Standbeine gefunden, um die Anlage zu finanzieren. Es gibt einen gut- gehenden Brennholzvertrieb und zur Adventszeit Weihnachtsbäume.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2015

Steffen Brost

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