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Biber sorgt in Schnaditz für nasse Keller

Biber sorgt in Schnaditz für nasse Keller

Seit vielen Jahren leben die Schnaditzer und der Biber in trauter Zweisamkeit miteinander. Doch diese Freundschaft wird zurzeit auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

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Ortsvorsteher Gerhard Griehl am Lieskegraben. Hier staut der Biber seit dem Hochwasser Anfang Juni den Bachlauf stark an.

Quelle: Steffen Brost

Schnaditz. Der Biber soll der Grund für nasse Keller sein. Deshalb, so wird der Ruf im Dorf laut, müssen die Biberdämme weg.

Im Schnaditzer Schlosspark lebt es sich gut - denkt sich zumindest der Biber. Dort nagt seine Familie fröhlich am Baumbestand. Die Fresssucht rief vor einiger Zeit die Einwohner auf den Plan. Gemeinsam mit dem Angelverein legten sie an den Bäumen Manschetten an, um sie vor dem gefräßigen Biberclan zu schützen. "Wir haben aktuell in unserer Gegend schätzungsweise sechs bis sieben Biberpärchen zwischen Altenhof, Wellaune und Schnaditz", weiß Ortsvorsteher Gerhard Griehl.

So weit, so gut. Durch das Hochwasser Anfang Juni sind die Schnaditzer jetzt mit neuen Problemen konfrontiert. Tagelang stand das Wasser der Mulde auf den umliegenden Feldern und konnte nicht ablaufen. "Wir vermuten, dass der Biber durch den erhöhten Wasserstand aus seinem Bau vertrieben wurde und sich woanders niedergelassen hat", sagt Griehl. Das "Woanders" ist vermutlich der Lieskegraben, ein Gewässer zweiter Ordnung. Der führt vom Schlossgraben etwa 1,8 Kilometer in Richtung Tiefensee. Der Lieskegraben ist der Abfluss für Schnaditz. Normalerweise liegt der im Sommer fast trocken. Aktuell steht das Wasser aber fast einen Meter hoch. Ein richtiges Abfließen funktioniert nicht, da der Biber an zahlreichen Stellen den Bach angestaut hat. Die Entwässerung von Schnaditz verläuft seit Jahren sonst eigentlich problemlos. Das Oberflächenwasser von den Feldern nahe der B2 muss durch Schnaditz und läuft in den Schlossgraben und von dort in den Lieskegraben. "Das sorgt dafür, dass Schnaditz trocken bleibt. Durch das Hochwasser kam mehr Wasser als sonst. Dadurch stieg auch das Grundwasser um bis zu 40 Zentimeter an. Normalerweise senkt sich der Pegel danach allmählich wieder ab. Doch durch den Rückstau an den Biberdämmen bekommen wir das Wasser in einigen Grundstücken nicht aus den Kellern", weiß Griehl.

Der Ortsvorsteher sieht indes nur eine Möglichkeit, den Normalpegel wieder zu erreichen. "Die Biberdämme müssen fachmännisch abgetragen werden, damit das Wasser ablaufen kann. In meinen Augen haben Biber in diesem wichtigen Graben kein Existenzrecht. Doch so richtig traut sich niemand an ihn ran. Manchmal behandelt man das Tier wie eine heilige Kuh. Aber die muss jetzt hier vom Eis", fordert Griehl.

Mit seinen Problemen hofft er jetzt auf Hilfe von Stadt und Bibermanagement der Dübener Heide. Susan Wetzel von der Stadtverwaltung, verantwortlich für die Gewässer zweiter Ordnung, versprach Hilfe. "Wir werden gemeinsam mit Janine Meißner vom Bibermanagement Kontakt aufnehmen und uns die Sache vor Ort anschauen. Erst Anfang des Jahres hat das Landwirtschaftsministerium einen Erlass zur Konfliktbewältigung zwischen Mensch und Biber herausgegeben. Wir werden versuchen, die Problematik im Interesse beider Seiten vernünftig zu lösen", verspricht Wetzel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2013

Steffen Brost

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