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Bad Düben Bürger in Kossa fühlen sich nicht informiert
Region Bad Düben Bürger in Kossa fühlen sich nicht informiert
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00:33 17.03.2018
Die Hauptstraße in Kossa wird während der Bauzeit von Sperrungen betroffen sein. Quelle: Wolfgang Sens
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Kossa

Bäckermeister Ralf Tauchnitz muss von Berufs wegen mitten in der Nacht raus. Ein geruhsamer Schlaf ohne Sorgen täte dem Kossaer da durchaus gut. Doch seit Wochen treibt den Anfang-Sechziger vor allem ein Gedanke um: Wann beginnt der Abwasser- und Straßenbau im Laußiger Ortsteil, und vor allem – was hängt da alles dran?

Für Tauchnitz eine existenzielle Frage. Das seit den 1930er-Jahren im Ort als Bäckerei Krone bekannte Geschäft liegt an der Hauptstraße und damit jener Magistrale, die während der Baumaßnahme voraussichtlich voll gesperrt wird. Die befürchtete Folge: Kunden oder Zulieferer kommen nicht mehr ungehindert ans Geschäft. Sorge hat er, weil sich abzeichnet, dass der überregionale Verkehr um Kossa herumgelenkt werden muss. Bei ihm, das machte er jüngst im Gemeinderat klar, kommen viele Fragen auf, weil der avisierte Baubeginn nicht nur immer näher rückt´ sondern genau genommen da ist. „Irgendwie ist alles so nebulös, alles läuft ins Nirvana“, beklagen auch andere Einwohner. Ihre Befürchtung: Irgendwann stehen die Bagger da. „Wir wollen vorher wissen, wann sie kommen und was das für uns bedeutet.“

Kossas Ortsvorsteher Peter Mösing kann die Bedenken des Bäckers verstehen, Anlass zur umfassenden Sorge sieht er aber nicht. Der größte Teil der Anwohner, so sein Eindruck, warte erstmal ab. „An mich sind bisher keine Fragen herangetragen worden, weder zum Abwasser, also der künftig notwendigen Trennung zwischen Fäkalresten und Regenwasser, noch zum Straßenbau.“ Ein bisschen ärgere ihn, dass offenbar der Eindruck entstehe, die Planer leisteten keine gute Arbeit. Der Zweckverband, mit dem auch er regelmäßig im Kontakt stehe, habe immer signalisiert, dass jeder, der Fragen habe, sich an ihn wenden könne.

Abwasserbau und Kossa – eine langwierige Geschichte

Auch Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) bekommt den Frust zu spüren, kann das mit Blick auf die Historie ein Stückweit nachvollziehen. Das Thema Abwasser beschäftige Kossa seit rund 25 Jahren. Nun stehe fest, dass der Investitionsbedarf hoch ist, offen sei aber, welche Auswirkungen dies auf die Bürger habe. Dies seien Gedanken, die eine Rolle spielten und bei denen man sie mitnehmen und umfassend informieren müsse. „Sobald es neue Infos zum Abwasser- und Straßenbau gibt, bin ich hier im Ort und gebe Bescheid“, so Schneider. Erst mit der Ausführungs- sei aber die Genehmigungsplanung möglich, dann könnte die Ausschreibung erfolgen, dann stünden weitere Daten fest. In den nächsten Tagen soll es dazu Gespräche geben. Schneider sieht aber auch die Bürger in der Informationspflicht, sie hätten die Möglichkeit, sich ebenso beim Verband oder bei Verbandsversammlungen zu erkundigen.

Ralf Tauchnitz haben an jenem Abend die Antworten offenbar wenig beruhigen können: „Es ist frustrierend. Wenn das bei der Planung so losgeht, was passiert erst beim Bau?“ Befürchtungen wie diese stoßen beim technischen Leiter des Zweckverbandes Abwassergruppe Dübener Heide, Andreas Bauer, auf wenig Verständnis. „Das Projekt hat bei uns hohen Stellenwert, wir machen es uns nicht einfach“, sagt er. Es gehe darum, Baufelder genau zu planen, möglichst kurz zu halten, um Einschränkungen für alle einzuschränken. Umleitungsfragen müssen geklärt werden, auch was Schüler- und Busverkehr sowie Rettungsdienst betrifft.

Planungen für die nächsten Schritte laufen

Anfang Mai soll es nun mit der ersten Maßnahme, dem Bau des pneumatischen Pumpwerkes in Kossa und der Schmutzwasser-Druckleitung nach Authausen, losgehen. Die Arbeiten, so Bauer, werden minimale Auswirkungen auf die Anwohner haben, beispielsweise durch eine Ampel-Regelung. Im Hintergrund laufen die Planungen für die nächsten Schritte. Dazu zähle, mit Anwohnern über Flächennutzungen zu verhandeln, um wirtschaftlich zu agieren. Stimmen diese nicht zu, komme es zu Verzögerungen, werde es teurer. Dass dem Zweckverband unterstellt werde, dass hier falsch geplant werde, weist Bauer zurück: „Wir arbeiten mit größter Sorgfalt.“

Von Kathrin Kabelitz

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