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Bad Düben Bundespolizei ist seit 25 Jahren in Bad Düben, am Samstag ist Tag der offenen Tür
Region Bad Düben Bundespolizei ist seit 25 Jahren in Bad Düben, am Samstag ist Tag der offenen Tür
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00:21 25.09.2017
Bad Dübener Bundespolizistemn sichern im Juli dieses Jahres den G 20-Gipfel in Hamburg ab. Quelle: Fotos: Bundespolizei Bad Düben
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Bad Düben

Dübener Heide, Kurwesen, Muldelandschaft – all das steht für Bad Düben. Doch wer von der Stadt an der Mulde spricht, kommt daran nicht vorbei: Seit einem viertel Jahrhundert gehört die Bundespolizei (bis 2005 Bundesgrenzschutz) mit einer ihrer zehn Bereitschaftspolizeiabteilungen – zwei davon im Osten Deutschland – zu Bad Düben. Am Sonnabend wird mit einem Tag der offenen Tür das 25-jährige Standort-Jubiläum begangen.

Ein „Irrtum“ und seine Folgen

Denkt Bad Dübens ehemaliger Bürgermeister Eckehard Tulaszewski zurück, hat sich eine Begebenheit fest eingeprägt: „Der Bundesgrenzschutz suchte Anfang der 1990er-Jahre einen neuen Standort im Osten, in zentraler Lage und mit kurzen Entfernungen zu den Flughäfen Leipzig, Dresden und Berlin“, so der heute 78-Jährige. Der damalige Präsident der Grenzschutzkommandos Ost, Lothar Pusch, sollte sich die einstige Dienststelle der Nationalen Volksarmee, dann Bundeswehr, in der Heidekaserne anschauen. Eigens für die Landung des Hubschraubers wurde eine Bundesdienstfahne als Markierung aufgezogen. „Der Zufall wollte es, dass an diesem Tag auch in der Schmiedeberger Straße, in der fast leer stehenden ehemaligen NVA-Kaserne, eine solche Flagge wehte.“ Der Pilot entdeckte diese zuerst und landete dort. Pusch schaute sich in der um und befand die riesige Dienststelle als optimal. Danach besichtigte er zwar noch die Heidekaserne, doch die Entscheidung war gefallen. „Später erzählte er mir, hätte die Flagge nicht in der Schmiedeberger Straße geweht, sondern nur im Alaunwerk, gebe es heute die Bundespolizei in Bad Düben wohl nicht“, so Tulaszewski. Diese Version hält sich heute noch immer hartnäckig, auch wenn Regierungsamtsrat a.D. Klaus Strümpf vom Grenzschutzkommando Ost in Eisenach dies 2004 relativierte. Demnach habe Bad Düben nämlich schon länger zur Debatte gestanden, eine Abordnung der damaligen Grenzschutzverwaltung Ost erkundete das Gelände am bereits am 3. Dezember 1990 fußläufig. Insgesamt seien damals vier Liegenschaften begutachtet worden.

Wolf-Dieter Krampe war der erste Chef

1992 kam als erstes die 2. Hundertschaft in die Kurstadt. Die ersten Einsätze lagen da schon hinter der den Polizisten, Schwerpunkte bildete damals die Grenzüberwachung zur CSSR. Noch im November begannen erste große Baumaßnahmen am Standort, viele und vor allem millionenschwere folgten in den kommenden 25 Jahren. Als dann das Vorkommando für die übrigen Truppen, die damals noch in der Dienststelle in Eisenach ausharrten, in der Kurstadt einrückte, kam auch erstmals der spätere Polizeidirektor Wolf-Dieter Krampe, der maßgeblich Aufbauarbeit leistete, ins Spiel. Einmal im Monat kontrollierte er den Fortgang der Arbeiten. „Ich merkte sofort, er ist ein unkomplizierter Mensch. Anfang 1993 bezog er ein Haus im Ortsteil Hammermühle, schräg gegenüber von uns. Fortan haben wir uns oft getroffen. Es gab Kaffee bei Familie Krampe und gegrillt wurde bei uns“, blickt der Ex-Bürgermeister zurück.

Bad Dübens Ex-Bürgermeister Eckehrad Tulaszewski erinnert sich an die Anfänge der Bundespolizei in Bad Düben. Auf dem Foto links ist der erste Abteilungsführer Wolf-Dieter Krampe zu sehen. Quelle: Steffen Brost

Enge Kooperation

Die gute Kooperation auf der privaten Ebene fand auf der dienstlichen ihre Fortsetzung. Schon in den Anfangsjahren fanden Konzerte der Bundespolizeiorchester statt, der Sanitätsdienst unterstützte Sportveranstaltungen und nach der Millioneninvestition für Sportplatz und Sporthalle durften Vereine die Sportstätten nach Feierabend nutzen. In diesen Jahren wurden auch die bis heute jedes Jahr stattfindenden Bundesgrenzschutztreffen initiiert. Nach der Pensionierung von Krampe brach der Draht in die Dienststelle aber keinesfalls ab. Tulaszewski organisiert alle zwei Jahre ein Treffen aller Kommandeure und Chefs der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes in der Kurstadt. In diesem November ist es wieder soweit.

60 Millionen Euro wurden investiert

An die einstige graue und triste Dienststelle erinnert heute auf dem 19,5 Hektar großen Gelände an der Schmiedeberger Straße nichts mehr. „Bis 2003 wurde die Masse der Baumaßnahmen in der Dienststelle abgeschlossen. Einiges wurde modernisiert, vieles neu errichtet. Etwa 60 Millionen Euro wurden bis 2016 verbaut“, sagt Polizeidirektor Jürgen Kollenrott (60), seit 2005 Abteilungsführer. Rund 650 Mitarbeiter (22 Prozent weiblich) haben hier einen festen Job, rund 500 von ihnen haben in der Stadt oder der Region eine neue Heimat gefunden haben.

Die Bundespolizeiabteilung ist heute gegliedert in den Abteilungsstab, vier Einsatzhundertschaften, die Unterstützungs-, die Organisationseinheit Einsatzunterstützung/Standortservice, den Polizeiärztlichen Dienst. Seit der letzten Reform der Bundespolizei 2008 und mit Aufstellung der 4. Hundertschaft hat sich Bad Düben neben Blumberg und St. Augustin zu einer der einsatzstärksten Abteilungen in Deutschland entwickelt. Die Wahrnehmung bahnpolizeilicher Aufgaben, insbesondere im Zusammenhang mit Fußballspielen, Demonstrationen und Großveranstaltungen, gehören dabei zu den Schwerpunkten.

Im Sommer wurde die BP-23 „Bad Düben“ außer Dienst gestellt. Die Stadt hofft nun, dass ein neues Einsatzschiff ebenfalls nach der Kurstadt benannt wird. Quelle: Lübecker Nachrichten

Die Bad Dübener sind deutschlandweit im Einsatz, ob beim G20-Gipfel in Hamburg, der Absicherung von Besuchen des amerikanischen Präsidenten in Berlin, Hochwassereinsätzen an Mulde oder Elbe oder bei über Monate andauernden Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze, um den Flüchtlingsstrom bewältigen zu können. Und das sind nur einige Beispielen. Auch im Ausland sind die Kurstadt-Beamten gefragt. „Aktuell vorrangig auf griechischen Inseln, aber auch an Botschaften in Islamabad, Pjöngjang und Jakarta“, so Sprecher Michael Marx. Die internationale Ausrichtung soll künftig eine noch größere Rolle spielen. Ziel ist, eine der vier Hundertschaften zu einer Internationalen Einsatzeinheit als Aufrufeinheit umzugestalten.

Der Name der Kurstadt fuhr auch zur See. Die BG-23, später BP-23 „Bad Düben“ fuhr seit 1996 rund 411 000 Seemeilen. Vielen ist das Schiff auch aus der ZDF-Fernsehserie „Küstenwache“ bekannt, Ende Juni wurde es außer Dienst gestellt. Die Stadt, die seit Jahren guten Kontakt zur Besatzung pflegte, setzt sich nun dafür ein, dass ein Nachfolge-Schiff wieder den Namen „Bad Düben“ erhält.

Seit 2014 absolvieren angehende Bundespolizisten in Bad Düben zudem ihr zweites Ausbildungsjahr und damit die praxisbezogene Fachausbildung, allein in diesem Jahr sind es wieder 70 Polizeianwärter in drei Lehrklassen. Die Bundespolizeiabteilung stellt Fachlehrer, Lehrkräfte und das Org.-Büro, das Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum Eschwege schickt den Lehrgangsleiter.

Besondere Beziehung zur Stadt

Die Beziehung zwischen Stadt und Polizei immer eine besondere geblieben. Die Bundespolizei ist akzeptiert und Partner zugleich, tut dafür aber auch viel, vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit. Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) ist in Sachen Bundespolizei viel in Deutschland unterwegs: „Doch so gut, wie es bei uns funktioniert, habe ich es sonst nirgendwo erlebt.“ Nicht nur die präventive Arbeit, die beispielsweise bei den Sport-statt-Gewalt-Veranstaltungen geleistet werde, sei außergewöhnlich – bei 17 Veranstaltungen wurden jährlich durchschnittlich 2500 Mädchen und Jungen erreicht. Girls’ Day, Schülerpraktika, Berufs-Info-Messen, Konzerte mit dem Bundespolizeiorchester, Bundespolizeitreffen, Sommer-Integrations-Camps, Selbstbehauptungskurse für Frauen – die Liste ließe sich fortsetzen. „Die Stadt wird auch beispielhaft unterstützt, egal ob nun beim Stadtfest oder auch beim Hochwasser im Juni 2013 haben uns die Beamten nicht nur logistisch unter die Arme gegriffen, sondern auch unsere Muldebrücke gerettet, in dem sie das Treibgut entfernt haben.“ Ihr Fazit: „Für Bad Düben ist die Bundespolizei ein Glücksfall, auch als Wirtschaftsfaktor und Ratgeber.“

Quelle: Bundespolizei

Von Kathrin Kabelitz und

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