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Carmen Schulz - der Engel in der Bad Dübener Suppenküche

Carmen Schulz - der Engel in der Bad Dübener Suppenküche

Carmen Schulz ist schon seit zwei Stunden am Schnibbeln. Mehrere Kilo Möhren und Kartoffeln müssen klein geschnitten werden, bevor sie in der Fleischbrühe gar gekocht werden.

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Suppenküchen-Engel Carmen Schulz serviert Marko Schönfelder einen Möhreneintopf.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. Die 53-Jährige aus Bad Düben ist eine der ehrenamtlichen Engel von der Suppenküche im Ortsteil Hammermühle. Jeden Mittwoch öffnet die Adventgemeinde ihre Räume und versorgt Menschen, die sich nicht immer eine warme Mahlzeit leisten können. Kostenlos. Und das schon seit fünf Jahren. Für Carmen Schulz ist es bereits der zweite Job an diesem Vormittag. Jeden Morgen arbeitet sie bei der Aktion Brotzeit in der Heide-Grundschule mit. Auch dort sorgen freiwilligen Helfer, dass die Mädchen und Jungen ein kostenloses Frühstück vor dem Unterricht erhalten. Für die Bad Dübenerin ist es Ehrensache, anzupacken. "Ich engagiere mich seit 18 Jahren in der Gemeinde. Die Idee einer Suppenküche hatte ich schon lange. Einen richtigen Job habe ich zurzeit nicht. Aber seit drei Jahren ist mein Mann wieder in Arbeit. Der hat mir bei diesen Aktionen früher oft mitgeholfen", erzählt Carmen Schulz.

Das kostenlose Mittagsangebot hat sich herumgesprochen. In den ersten Wochen nach der Eröffnung waren nur wenige da. Manchmal kam auch gar keiner. Da wurde das Essen einfach eingefroren und die Woche darauf wieder angeboten. Doch das ist nach fünf Jahren Geschichte. Das Geschäft floriert. Bis zu 20 Frauen und Männer, vom mittellosen Maurer bis zum Hartz-IV-Empfänger kommen jetzt regelmäßig. "Man merkt ganz genau, wann das Geld vom Amt weniger wird. Meistens Ende des Monats. Da kommen immer mehr. Oft haben sie auch noch ein kleines Töpfchen dabei, um sich eine Portion für den nächsten Tag mitzunehmen", erzählt die engagierte Frau. "Viele müssen sich auch überwinden, dieses Angebot anzunehmen. Die Hemmschwelle liegt bei den Menschen oft weit oben."

Gekocht wird frisch. Noch nie wurde eine Büchse Fertigkost verwendet. Darauf sind die ehrenamtlichen Küchenhelfer stolz. Die Rüben hat Carmen Schulz frisch für ein paar Cent im Supermarkt aus der Angebotskiste erstanden. Die Kartoffeln kommen aus dem eigenen Suppenküchengarten. Der steht ihnen in der Anlage Am Schwarzbach kostenfrei zur Verfügung. "Hier bauen wir von Kartoffeln über Möhren, Bohnen, Tomaten bis hin zu Brombeeren und Erdbeeren alles selber an." Unterstützung gibt es auch vom Reformhaus Sonntag in Bad Düben sowie einer Familie aus der Hammermühle. "Die unterstützen uns jeden Monat mit einer Geldsumme", freut sich die Köchin.

Die Macher sind auf das Geld und die Spenden dringend angewiesen. Denn der Essensservice für die Bedürftigen ist seit Beginn kostenlos. Auch der arbeitslose Maurer kommt regelmäßig zum Essen. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Er schäme sich, solche Hilfe annehmen zu müssen. "Ich hatte viele Jahre einen gut bezahlten Job. Jetzt bin ich schon lange arbeitslos. Und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Schön, dass es die Suppenküche gibt. Da kommt man zudem mal raus und mit anderen ins Gespräch. Außerdem vergisst man mal seine Sorgen", berichtet der Mitfünfziger.

Neben Mittagessen, Kaffee und Kuchen gibt es auch Sachenspenden von Gemeindemitgliedern. Gerade vor der kalten Jahreszeit liegen oft dicke Jacken und Hosen zum Mitnehmen aus. "Die Menschen greifen gerne zu. Meistens fehlt ihnen für so etwas das Geld. Ich helfe gerne. Und wenn meine Gesundheit mitspielt, möchte ich diesen ehrenamtlichen Job noch lange machen", so Schulz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.01.2015
Von Steffen Brost

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