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Chefin in einer reinen Männerdomäne

Chefin in einer reinen Männerdomäne

Eine Frau an der Spitze einer Gemeindefeuerwehr - das hat Seltenheitscharakter in hiesigen Breiten. Dana Purschwitz aus Görschlitz hat es geschafft. Die 35-Jährige ist stellvertretende Gemeindewehrleiterin in Laußig, hat sieben Feuerwehren und über 140 Kameraden unter sich - und jede Menge Freude an diesem Job.

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Dana Purschwitz hat sich als stellvertretende Gemeindewehrleiterin in Laußig Respekt und Anerkennung bei den Kameraden verschafft.

Quelle: Nico Fliegner

Görschlitz. Das Ehrenamt Feuerwehr ist vielerorts eine reine Männerdomäne, zweifelsohne. Zwar sind in einzelnen Feuerwehren auch Frauen Mitglied - und das mitunter seit Jahrzehnten, doch aktiven Dienst verrichten die wenigsten. Dana Purschwitz ist da die große Ausnahme. Sie ist Feuerwehrfrau mit Leib und Seele. Eine, die Gefahren bannen, Menschen helfen und trösten will. "Man wird gebraucht, das ist das Schöne an dieser Aufgabe", erzählt die junge Frau, die eher zufällig bei der Freiwilligen Feuerwehr in Görschlitz landete. Das war Ende der 1990er-Jahre. Ihr damaliger Freund war eingefleischter Feuerwehrmann und demzufolge öfter auch an den Wochenenden unterwegs. "Damals gab es noch regelmäßig Wettkämpfe unter den Feuerwehren. Das ist heute ein bisschen eingeschlafen. Und was macht man dann zwangsläufig als Partnerin? Man fährt mit."

Irgendwann habe sie das Fieber gepackt. Irgendwann wollte sie mehr, als nur am Rand des Geschehens dabei sein. Sie wollte mitmachen. Und so startete sie, die in Schwemsal aufwuchs, in Bad Düben an der ehemaligen Wilhelm-Pieck-Oberschule die Schulbank drückte, in Görschlitz durch, zunächst mit einer Frauengruppe. "Wir waren vielleicht neun oder zehn Frauen, mehr nicht. Das ist dann auch wieder eingeschlafen." Doch Dana Purschwitz hielt der kleinen Dorfwehr die Treue, bildete sich weiter, absolvierte die Grundausbildung, besuchte Lehrgänge, war zwischenzeitlich auch mal für die Jugendfeuerwehr zuständig. Sie ist Truppführer, hat den Maschinisten in der Tasche, ist Atemschutzträgerin und will nächstes Jahr am Zugführerlehrgang teilnehmen. Eine ehrgeizige Frau, die weiß, was sie will.

Dass sie eines Tages an die Spitze der Gemeindewehrleitung von Laußig rücken würde, hätte sie anfangs nicht gedacht. "Das war schon ein Novum. Aber die Männer haben immer gesagt: Du machst das gut, willst du dich nicht bewerben. Das hab ich dann gemacht."

Seit Anfang des Jahres arbeitet sie nunmehr Hand in Hand mit Gemeindewehrleiter Werner Bochmann und dessen Stellvertreter Lars Friedel. Sie ist die Dritte im Bunde, unter anderem auch zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Und sie habe bislang durchweg ein positives Feedback erhalten, was wohl auch an ihrer offenen Art, über Probleme zu sprechen, liegt. "Ich kann durchaus auch den Mund aufmachen und Befehle geben. Das gehört dazu und wird auch akzeptiert."

Ihre ehrenamtliche Aufgabe verschlingt viel Zeit. Zeit, die sie dem Familienleben und Alltag abknapsen muss. Dana Purschwitz ist verheiratet, hat zwei Jungen im Alter von 7 und 14 Jahren. Alle 14 Tage ist Feuerwehrdienst in Görschlitz. Hinzu kommen die Beratungen der Gemeindewehrleitung und Aufgaben, für die sie zuständig ist. Zudem ist sie Frauenbeauftragte beim Kreisfeuerwehrverband. Und wenn die Sirene geht, ist sie ohnehin gefordert.

Einer ihrer schwierigsten Einsätze war bislang der Brand am Sägewerk in Görschlitz vor zwei Jahren. Die Betroffenheit war groß - vor allem auch bei ihr, weil es in ihrem Dorf passierte. Dana Purschwitz spricht von einem "einschneidenden Erlebnis". Und deshalb könne sie nur schwer nachvollziehen, wenn das Ehrenamt Feuerwehr oftmals von den Leuten gering geschätzt wird. "Ich kann nicht verstehen, wenn gesagt wird: Ihr seid doch die, die gern mal ein Bier trinken." Dies sei ein völlig falsches Bild in den Köpfen der Menschen. Einsätze bergen immer ein hohes Gefahrenpotenzial, besonders jener in Görschlitz. "Das hat hier im Dorf gerummst - das vergisst man nicht. Und die Löscharbeiten waren nicht ohne. Das war absolut gefährlich für jeden von uns."

Mehr Verständnis würde sie sich auch von Arbeitgebern wünschen. Sie hat Glück. Ihr Arbeitgeber, das BMW-Werk in Leipzig, wo sie in der Lackiererei arbeitet - und zwar ausschließlich in der Nachtschicht -, stellt sie frei - so zuletzt beim Juni-Hochwasser, wo sie im Krisenstab der Gemeinde Laußig im Einsatz war. "Wenn das eigene Haus brennt, sollte man doch froh sein, dass es so ein paar 'Bekloppte' gibt, die helfen", sagt sie.

Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) lobt ihren Einsatz. "Sie leistet hervorragende Arbeit, ist eine Bereicherung für unserer Feuerwehr. Ich würde mir wünschen, wenn noch mehr Frauen die Reihen unserer Kameraden stärken."

Dana Purschwitz kann ihnen ein Vorbild sein, obwohl die junge Frau nicht im Vordergrund stehen will. "Wer in der Feuerwehr ist, ist das uneigennützig. Das ist alles ehrenamtlich. Die Arbeit unserer Kameraden kann man nicht mit Geld aufwiegen." Neben ihrem Hobby Feuerwehr pflegt sie noch andere: Die Görschlitzerin ist eine der Walpurgisnacht-Hexen im Dorf, schlüpft dann in ausgefallene Kostüme und hat mit anderen Frauen Spaß auf Festen. Und sie kümmert sich um die Finanzen im Förderverein der Grundschule Authausen, von deren Arbeit sie durch und durch überzeugt ist. Und dann gibt's ja noch Mann Holger, der rein gar nichts mit der Feuerwehr am Hut hat, und ihre Kinder. "Die dürfen natürlich auch nicht zu kurz kommen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013
Nico Fliegner

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