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"Children are happy" - wie Laußigs Bürgermeister Flüchtlinge in die Dorfgemeinschaft integriert

"Children are happy" - wie Laußigs Bürgermeister Flüchtlinge in die Dorfgemeinschaft integriert

Laußig. Die Gemeinde Laußig hat Neuland betreten. Buntes Neuland. Vielfältiges Neuland. Im März kamen die ersten Asylbewerber und bezogen Wohnungen im Dorf. Mittlerweile leben 41 Frauen, Männer und Kinder aus Krisenländern wie Georgien, Libyen, Syrien, Mazedonien und Pakistan in dem Ort.

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Lothar Schneider (links) im Gespräch mit den Flüchtlingen.

Quelle: Nico Fliegner

Meistens bleiben sie unter sich. Doch Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) ist es wichtig, dass sie Kontakt mit den Einheimischen bekommen, dass sie sich in die Dorfgemeinschaft einbringen, ein Teil von ihr werden.

Schneider lädt deshalb die Flüchtlinge regelmäßig ein. Auf den Treffen in lockerer Atmosphäre geht es um ganz alltägliche Dinge. Der Bürgermeister will wissen, ob die Kinderbetreuung klappt, ob die Jungen und Mädchen die Schule besuchen, ob Möbel benötigt werden, beim letzten Arzttermin alles gut verlief. Eine Dolmetscherin, die Russisch und ein wenig Englisch beherrscht, steht ihm zur Seite. "Mit der Verständigung - das muss jetzt besser werden", mahnt der Bürgermeister. Seit Kurzem lernen die Asylbewerber die deutsche Sprache. Einige können sich bereits mit wenigen Worten verständigen. Der Großteil aber spricht Russisch oder zum Teil Englisch. "Wie geht es euren Kindern?", fragt Schneider. Nach der Übersetzung kommen die ersten Antworten. "Children are happy", sagt Jawad Muhammad, ein 28 Jahre alter Pakistani. Seinen Kindern gehe es gut.

Jawad ist ein aufgeschlossener, junger Mann. Einer, der sich nicht verkriecht. An einem Garten habe er Interesse, will Gemüse anbauen, erzählt er fröhlich. Auch andere Familien wollen am liebsten eine Parzelle haben. Der Bürgermeister muss nicht lange überlegen: Vier Gärten sind derzeit in Laußig frei. Die sollen jetzt an die Flüchtlinge gehen. "Die Leute müssen eine Aufgabe bekommen, sich beschäftigen. Die können nicht den ganzen Tag in ihrer Wohnung hocken", so das Gemeindeoberhaupt. Arbeiten dürfen sie nicht, obwohl einige wie Jawad gut ausgebildet sind und verschiedene Fähigkeiten haben. Zwei Männer bieten spontan an, alten Menschen im Dorf handwerklich zur Seite zu stehen. Schneider begrüßt das, muss aber prüfen, ob das überhaupt erlaubt ist.

Dass die Flüchtlinge nicht von jedem im Dorf gern gesehen werden, ist dem Bürgermeister bekannt. Ihm liegen mittlerweile auch Beschwerden wegen Lärm vor. Auch das spricht Schneider an. Die Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen sind zum Teil groß. Aber der Landkreis und damit die Kommunen stehen in der Pflicht, Asylbewerber aufzunehmen - ein humanitärer Beitrag. Die Menschen kommen aus Kriegsländern, sind gezeichnet. Das Kind einer Familie, die in Laußig lebt, sitzt im Rollstuhl, ein anderes hat schlimme Gesichtsverletzungen durch Granatsplitter. So fröhlich wie Jawad sind nicht alle. Ihre Augen sind müde und voller Sorge. Sie sind in einem fremden Land unter fremden Menschen. Schneider würde es begrüßen, wenn sich die Familien nicht abkapseln. Wenn sie sich in Vereinen einbringen, zusammen Fußball spielen, sich annähern. Er weiß: Nur so können Vorurteile abgebaut werden, nur so funktioniert Integration. Deshalb sollen die Frauen jetzt backen und kochen, zum Beispiel für den Laußiger Seniorentreff, damit sich kulturell unterschiedliche Kreise kennenlernen.

Jawad wird seinen Garten jedenfalls bekommen, die anderen auch, "wenn ihr mit dem Deutschlernen anfangt", stellt der Bürgermeister zur Bedingung. Die Leute nicken und lachen erstmals auf dem Treffen. Sie haben verstanden. "Nice to meet you, Snyder", sagt Muhammad am Ende des Treffens. Freut mich, sie kennenzulernen, Herr Schneider.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2014
Von Nico Fliegner

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