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Christoph Hein: Ehrenbürgerschaft in Bad Düben kommt völlig überraschend und unerwartet

Christoph Hein: Ehrenbürgerschaft in Bad Düben kommt völlig überraschend und unerwartet

Der Schriftsteller Christoph Hein, der am Mittwoch in seiner früheren Heimatstadt Bad Düben die Ehrenbürgerschaft erhält, nimmt die Ehrung "völlig überrascht und unerwartet" entgegen.

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"Literatur muss mitleidslos sein" - Bad Dübens Ehrenbürger Christoph Hein im Interview

Der Schriftsteller Christoph Hein, der am Mittwoch in seiner früheren Heimatstadt Bad Düben die Ehrenbürgerschaft erhält, nimmt die Ehrung "völlig überrascht und unerwartet" entgegen.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Dass die Ehrenbürgerwürde erst im zweiten Anlauf und auch nicht einstimmig vom Dübener Stadtrat beschlossen wurde, irritiert Hein dabei nicht. "Einhellige Zustimmung hätte mich ins Grübeln gebracht, denn dann hätte ich etwas falsch gemacht", so der Autor im Gespräch mit der "Leipziger Volkszeitung".

In Romanen wie "Landnahme" oder "Horns Ende" hatte Hein Erlebnisse seiner Kindheit verarbeitet und dabei kritisch auch auf die nordsächsische Kleinstadt der 50er Jahre reflektiert. Hein sieht in seiner Ehrenbürgerschaft auch ein Plädoyer für den Schriftsteller als Chronisten seiner Zeit.

"Literatur muss genau sein und mitleidslos, nicht wehmütig, nicht nachsichtig", sagte der 67-Jähriger. Personen und das Geschehen im Roman-Ort Bad Guldenberg seien mit Bad Düben vergleichbar, aber nicht identisch. "Der Ort ist auch nicht düster und dunkel, die deutsche Geschichte war es, vor 1945, nach 1945."

Die Grenzen der DDR-Nischengesellschaft musste Hein allerdings bereits als Kind bitter erfahren. "Das erlebte ich sehr früh, mit dem Schulbeginn. Mein Vater war Pfarrer, da gab es heftige Ausgrenzungen für mich. Mit vierzehn Jahren musste ich die Schule verlassen, wurde gezwungen, nach Westberlin zu gehen, abzuhauen. Also eine Nische gab es nur für das Kleinkind, dann kam für mich rauer Ostwind."

Das Schicksal der Heimatvertriebenen nach dem Krieg, dass er als Kind miterlebt habe, sei vielerorts vergleichbar gewesen und wirke bis heute nach.  "Die aus dem deutschen Osten Geflüchteten und Vertriebenen besaßen nichts mehr und waren auf ihre unfreiwilligen Gastgeber angewiesen. Diese Gastgeber aber wohnten und lebten in der Nachkriegszeit gleichfalls schlecht, das schränkte die Menschlichkeit stark ein."

Nur mittels staatlicher Gewalt hätten die unerwünschten Gäste Quartier bekommen, so sei es nicht verwunderlich, dass ein Sich-Fremd-bleiben und auch Feindschaft für lange Zeit blieb, selbst über Generationen hinweg. "Es ist in Deutschland nichts zusammengewachsen, aber erträglich verwachsen", so Heins bittere Bilanz.

Auch die Angst vor allem Fremden und sozialem Abstieg sei ungebrochen und kein alleiniges Phänomen der Nachkriegszeit. "Fremd sein ist wohl weltweit ein Makel und auch Schlimmeres. Schauen Sie sich die Welt an, willkommen sind die Fremden nirgends. Die Angst vor einer Verarmung scheint mir sogar psychisch bedrohlicher und zerstörender zu sein als die Armut selbst."

Olaf Majer

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