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Das Phantom von Laußig

Das Phantom von Laußig


Laußig. Wenn der Postmann in der Gemeindeverwaltung in Laußig in der Tür steht und einen Brief ohne Absender überreicht, hat Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) eine böse Vorahnung, wer ihn wieder einmal seitenweise beglücken will: Es ist das Phantom von Laußig.

. Jene unbekannte Person, die offenkundig in dem Dorf lebt und angebliche Missstände protokolliert.

„Wir bekommen solche Briefe seit vielen Jahren", sagt Schneider. Und nicht nur die Verwaltung. Das Phantom, wie es Schneider und seine Beschäftigten mittlerweile nennen, hat sogar schon das Bundesinnenministerium kontaktiert. Postwendend erreichte eine Kopie der Briefe die Gemeinde. Denn auch dort scheint man mit dem anonymen Schreiber eher wenig anfangen zu können. Das geht auch Schneider so. „Er führt Dinge an, manchmal sehr allgemein, manchmal aber auch ziemlich konkret mit Namen und Hausnummern. Wir gehen diesen Sachen nach. Aber worauf soll ich mich am Ende berufen?", zuckt Schneider mit den Schultern und zieht die Augenbrauen hoch.

Eins scheint jedenfalls fest zu stehen: Das Phantom muss Zeit haben. Es berichtet von Jugendlichen, die mit ihren Mopeds durch das Dorf rasen, hat fein säuberlich Tag, Uhrzeit und Kennzeichen notiert, liefert sogar die Namen und Wohnadressen. Es schreibt von wilden Gelagen am Garagenkomplex, von Schwarzfahrern, die es auf 200 Stundenkilometer in der Ortslage bringen, sogenannte „rücksichtslose Raser". Er fordert einen Polizeiposten für Laußig, ähnlich wie ihn Bad Düben hat, damit mehr Polizei präsent sei und einschreiten könne. Und das Phantom will Grillabende beobachtet haben, die sich zu wilden Alkohol- und Drogenparties entwickelten.

Alle zwei bis vier Wochen landet ein neues Schreiben bei Schneider auf dem Tisch. Die Briefe, die mittlerweile einen dicken Aktenordner füllen, sind allesamt mit dem Computer erstellt und unterzeichnet mit „Wachsame Menschen" oder wie noch vor zwei Jahren mit „Bürger von Laußig". Eine handschriftliche Unterschrift gebe es derweil nicht. Das Erscheinungsbild des Briefes habe sich zuletzt leicht verändert. Das Phantom habe eine andere Computerschriftart verwendet, berichtet der Bürgermeister. „Wir sind ratlos und wissen nicht, wer dahinter steckt." Anfangsverdachte hätten sich nach Schneiders Recherchen und denen seiner Mitarbeiter nicht bestätigt. Details nannte er nicht. Er wolle vielmehr an das Phantom appellieren, sich mit Namen an ihn zu wenden. „Wenn jemand mit bestimmten Dingen im Dorf ein Problem hat, kann er mir das persönlich sagen und wir gucken dann, wie wir es lösen können", sagt Schneider. Alles andere sei nur „wenig zielführend".

Das Gemeindeoberhaupt hofft nun, indem er die Existenz des Phantom-Schreibers öffentlich macht, die rätselhafte Person zu einer „vernünftigen Kommunikation" bewegen zu können.

Nico Fliegner

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