Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Das Versteck der Sperrmüll-Sammler

Das Versteck der Sperrmüll-Sammler

Halbzeit bei der Sperrmüllsammlung in Bad Düben. Und die Zwischenbilanz fällt positiver aus als in Vorjahren. Die wilden Müllhaufen an Stadteingängen und vielbefahrenen Straßen sind durchaus zurückgegangen.

Voriger Artikel
Imposante "Ernte": Jäger beraten über Abschusspläne in der Dübener Heide
Nächster Artikel
Tierschützer protestieren gegen Nerzfarm in Söllichau

Auf dem sogenannten Hubschrauberlandeplatz in der Durchwehnaer Straße tragen Litauer und Polen den Sperrmüll zum Abtransport zusammen.

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. In Randbereichen gibt es sie aber nach wie vor. Die Sperrmüll-Sammler haben sich unterdessen eingerichtet und nutzen eine brachliegende Fläche als Umschlagplatz.

Irgendwoher müssen sie ja kommen, die vielen Fahrzeuge mit den litauischen und polnischen Kennzeichen, die seit vorigen Freitag wieder durch die Stadt rollen. Das "Wespennest" befindet sich in der Durchwehnaer Straße in Bad Düben, wenige Hundert Meter vor der Turnhalle rechterseits auf dem sogenannten Hubschrauberlandeplatz. Dort haben die Sperrmüll-Sammler ihr Quartier eingerichtet. Dort bunkern sie die halbwegs brauchbaren Gegenstände, die sie auf Bad Dübens Straßen finden, darunter vor allem Fahrräder und Schrott. Alles ist feinsäuberlich getrennt und aufgeschichtet. Die beladenen Anhänger mit Planen stehen zum Abtransport bereit.

Als wir gestern Morgen das Versteck aufsuchen, sind die ersten Runden bereits gefahren worden. Die Kleintransporter stehen da, die Polen und Litauer unterhalten sich. Als sie den LVZ-Reporter mit Kamera entdecken, steigen sie fluchtartig in ihre Autos und fahren davon. Die Angst, etwas Unrechtes zu tun und demzufolge Ärger mit den deutschen Behörden zu bekommen, ist offenbar groß.

Doch Angst müssen sie im Grunde gar nicht haben. Denn der Umschlagplatz ist nicht neu. Ihn gibt es seit Jahren. Auch der Stadt ist der Sammelplatz bekannt, doch das Gelände befindet sich nicht in ihrem Eigentum, gehört dem Bund. Und der kümmert sich nicht, hat die Flächen nicht mal eingezäunt. Die Litauer und Polen werden stillschweigend geduldet. Die Stadt hat trotzdem ein wachsames Auge. "Wir legen Wert darauf, dass die Leute dort nichts mehr liegen lassen, vor allem keinen Müll. Und das kontrollieren wir auch", sagt Gabriele Leibnitz vom Bau- und Bürgeramt.

Überhaupt finden in diesen Tagen regelmäßig Kontrollen statt, zum Beispiel am Schalmweg und im Bereich Hüfnermark, wo sich bereits wilde Müllkippen gebildet haben. "Unser Politesse ist im Einsatz", sagt Leibnitz. Und sie ist auch schon fündig geworden. So am Schalmweg, wo illegal Sperrmüll, und nicht nur solcher, in großen Mengen abgelagert worden ist. Dort hat die Politesse einen Hinweis auf den möglichen Verursacher gefunden. Es soll sich um jemanden aus Sachsen-Anhalt handeln. "Wir melden das jetzt dem Landratsamt. Und dort wird die Sache weiter verfolgt", erläutert die Rathaus-Mitarbeiterin das Prozedere. Derjenige hat dann mit einem Ordnungsgeld zu rechnen. Je nach Schwere des Deliktes kann dies zwischen 20 und 5000 Euro betragen.

Die Leute aus der Stadt selbst und aus den umliegenden Dörfern sind es also, die für die Dreckberge verantwortlich sind und nicht die Litauer und Polen, die vielmehr dazu beitragen, dass ein Teil des Mülls bereits vor der offiziellen Entsorgung verschwindet.

Dass viele aber gar nicht wissen, welche Regeln bei der Sperrmüllsammlung zu befolgen sind, macht eine junge Frau deutlich, die gestern Morgen in einem wilden Haufen am Garagenkomplex in der Schmiedeberger Straße wühlt. Etwas aufgeschreckt, weil plötzlich Fotos gemacht werden, fragt sie, ob man den Sperrmüll überhaupt mitnehmen dürfe. Gute Frage, doch da gibt es verschiedene Rechtsauffassungen. Die eine besagt, dass dies erlaubt ist, weil der Eigentümer mit dem Rausstellen der Gegenstände deutlich macht, dass er nicht mehr der Eigentümer sein will. Die andere Rechtsauffassung: Sobald der alte Besitzer den Müll auf den Gehsteig stellt, geht dieser in das Eigentum der Kommune über. Holt ihn dann eine Firma zur Verwertung und Beseitigung in eigener Verantwortung ab, wird sie die Eigentümerin. Wer also einfach was mitnimmt, macht sich strafbar, möglicherweise des Diebstahls. Also lieber die Finger davon lassen, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn schon das bloße Durchsuchen des Sperrmülls kann als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 5000 Euro Geldstrafe verfolgt werden, wissen zumindest die Experten der Stiftung Warentest zum Thema.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2013

Nico Fliegner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bad Düben
  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

20.10.2017 - 16:04 Uhr

Stadtliga Leipzig: Die Lok-Kicker gehen am 9. Spieltag gegen den Tabellenvorletzten als Favoriten ins Rennen. Drei Punkte sind das erklärte Ziel.

mehr