Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Das Versteck der Sperrmüll-Sammler
Region Bad Düben Das Versteck der Sperrmüll-Sammler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 19.05.2015
Auf dem sogenannten Hubschrauberlandeplatz in der Durchwehnaer Straße tragen Litauer und Polen den Sperrmüll zum Abtransport zusammen. Quelle: Nico Fliegner

In Randbereichen gibt es sie aber nach wie vor. Die Sperrmüll-Sammler haben sich unterdessen eingerichtet und nutzen eine brachliegende Fläche als Umschlagplatz.

Irgendwoher müssen sie ja kommen, die vielen Fahrzeuge mit den litauischen und polnischen Kennzeichen, die seit vorigen Freitag wieder durch die Stadt rollen. Das "Wespennest" befindet sich in der Durchwehnaer Straße in Bad Düben, wenige Hundert Meter vor der Turnhalle rechterseits auf dem sogenannten Hubschrauberlandeplatz. Dort haben die Sperrmüll-Sammler ihr Quartier eingerichtet. Dort bunkern sie die halbwegs brauchbaren Gegenstände, die sie auf Bad Dübens Straßen finden, darunter vor allem Fahrräder und Schrott. Alles ist feinsäuberlich getrennt und aufgeschichtet. Die beladenen Anhänger mit Planen stehen zum Abtransport bereit.

Als wir gestern Morgen das Versteck aufsuchen, sind die ersten Runden bereits gefahren worden. Die Kleintransporter stehen da, die Polen und Litauer unterhalten sich. Als sie den LVZ-Reporter mit Kamera entdecken, steigen sie fluchtartig in ihre Autos und fahren davon. Die Angst, etwas Unrechtes zu tun und demzufolge Ärger mit den deutschen Behörden zu bekommen, ist offenbar groß.

Doch Angst müssen sie im Grunde gar nicht haben. Denn der Umschlagplatz ist nicht neu. Ihn gibt es seit Jahren. Auch der Stadt ist der Sammelplatz bekannt, doch das Gelände befindet sich nicht in ihrem Eigentum, gehört dem Bund. Und der kümmert sich nicht, hat die Flächen nicht mal eingezäunt. Die Litauer und Polen werden stillschweigend geduldet. Die Stadt hat trotzdem ein wachsames Auge. "Wir legen Wert darauf, dass die Leute dort nichts mehr liegen lassen, vor allem keinen Müll. Und das kontrollieren wir auch", sagt Gabriele Leibnitz vom Bau- und Bürgeramt.

Überhaupt finden in diesen Tagen regelmäßig Kontrollen statt, zum Beispiel am Schalmweg und im Bereich Hüfnermark, wo sich bereits wilde Müllkippen gebildet haben. "Unser Politesse ist im Einsatz", sagt Leibnitz. Und sie ist auch schon fündig geworden. So am Schalmweg, wo illegal Sperrmüll, und nicht nur solcher, in großen Mengen abgelagert worden ist. Dort hat die Politesse einen Hinweis auf den möglichen Verursacher gefunden. Es soll sich um jemanden aus Sachsen-Anhalt handeln. "Wir melden das jetzt dem Landratsamt. Und dort wird die Sache weiter verfolgt", erläutert die Rathaus-Mitarbeiterin das Prozedere. Derjenige hat dann mit einem Ordnungsgeld zu rechnen. Je nach Schwere des Deliktes kann dies zwischen 20 und 5000 Euro betragen.

Die Leute aus der Stadt selbst und aus den umliegenden Dörfern sind es also, die für die Dreckberge verantwortlich sind und nicht die Litauer und Polen, die vielmehr dazu beitragen, dass ein Teil des Mülls bereits vor der offiziellen Entsorgung verschwindet.

Dass viele aber gar nicht wissen, welche Regeln bei der Sperrmüllsammlung zu befolgen sind, macht eine junge Frau deutlich, die gestern Morgen in einem wilden Haufen am Garagenkomplex in der Schmiedeberger Straße wühlt. Etwas aufgeschreckt, weil plötzlich Fotos gemacht werden, fragt sie, ob man den Sperrmüll überhaupt mitnehmen dürfe. Gute Frage, doch da gibt es verschiedene Rechtsauffassungen. Die eine besagt, dass dies erlaubt ist, weil der Eigentümer mit dem Rausstellen der Gegenstände deutlich macht, dass er nicht mehr der Eigentümer sein will. Die andere Rechtsauffassung: Sobald der alte Besitzer den Müll auf den Gehsteig stellt, geht dieser in das Eigentum der Kommune über. Holt ihn dann eine Firma zur Verwertung und Beseitigung in eigener Verantwortung ab, wird sie die Eigentümerin. Wer also einfach was mitnimmt, macht sich strafbar, möglicherweise des Diebstahls. Also lieber die Finger davon lassen, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn schon das bloße Durchsuchen des Sperrmülls kann als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 5000 Euro Geldstrafe verfolgt werden, wissen zumindest die Experten der Stiftung Warentest zum Thema.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2013

Nico Fliegner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Etliche Besucher konnte Forstdirektor Martin Plessow bei der Hegeschau der Rotwildhegegemeinschaft Nordsachsen - Dübener Heide am Wochenende im Authausener Bürgerhaus begrüßen.

19.05.2015

An die Herbstferien vom vergangenen Jahr erinnert sich der kleine Florian aus Pressel gern zurück. Denn die durfte der Siebenjährige bei seiner Oma in Bad Düben verbringen.

19.05.2015

Laußig. Die geplante Erweiterung des Kiesabbaus in Laußig wird von der Bevölkerung im Dorf skeptisch gesehen. Auf einer Einwohnerversammlung, zu der am Dienstagabend Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) eingeladen hatte, äußerten Vertreter einer örtlichen Bürgerinitiative und betroffene Einwohner gegenüber den Chefs der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH (MBG), der Kiessee-Betreibergesellschaft aus Petersberg bei Halle, ihre Sorgen.

07.03.2013
Anzeige