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Das erste Weihnachten in Frieden – so feiert eine Familie aus Palästina in Bad Düben

Flüchtlinge Das erste Weihnachten in Frieden – so feiert eine Familie aus Palästina in Bad Düben

Bombendrohung, Tod und Verwüstung – all das haben Maha, Mohamad und ihre Tochter Manassa erlebt. Die kleine Familie aus Palästina wurde vertrieben, lebt seit Mai in Bad Düben und feiert jetzt erstmals Weihnachten in einem anderen Land. Die Flucht hätten die drei beinahe nicht überlebt.

Die Bad Dübener Flüchtlingspaten Sylvia und Lutz Fritzsche backen mit Manassa, ihrem Bruder Hasan sowie ihren Eltern Maha und Mohamad (von links) das erste Mal Plätzchen zu Weihnachten.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. Bombendrohung, Tod und Verwüstung – all das haben Maha, Mohamad und ihre Tochter Manassa erlebt. Die kleine Familie aus Palästina wurde vertrieben und lebt seit Mai in Bad Düben. Mittlerweile ist auch Söhnchen Hasan auf der Welt und kann hier in Frieden aufwachsen. Das Leid, das sie über viele Jahre in Palästina erfahren haben, ist ihnen nicht anzusehen. Alle vier sind fröhlich und genießen ihr neues Leben in Deutschland.

Bei Sylvia und Lutz Fritzsche aus der Baderstraße hat die Familie neue Freunde und Paten gefunden. „Der Kontakt kam rein zufällig zustande. Ich fragte im Rathaus an, ob man für eine Flüchtlingsfamilie ein Kinderbett benötigte. Man reagierte sofort, sodass ich das Bettchen gleich selber hinfahren konnte. Wir landeten bei Maha und ihrer Familie. Dort sah ich auch die karge Erstausstattung der Wohnung. Es fehlte an allem. Ich habe mit meinem Mann geredet und wir stellten uns als Flüchtlingspaten zur Verfügung“, erzählte Sylvia Fritzsche.

Seitdem hat sich vieles getan. Die Fritzsches halfen bei der Ausstattung der Wohnung, unterstützten die Familie beim Ausfüllen von Anträgen, halfen bei den bürokratischen Dingen nach der Geburt von Hasan und sind mittlerweile enge Freunde der Familie geworden.

Die hat viel Schlimmes hinter sich. Vier Wochen lang war sie auf der Flucht von Palästina nach Deutschland. Erst mit dem Flugzeug, später mit Bus, Schiff und auch zu Fuß. „Wir kamen in ein Lager im Libanon. Doch wir wollten dort wieder weg. Wollten, dass unsere Kinder im Frieden aufwachsen. 11 000 Euro hat uns die Flucht gekostet. Es war eine abenteuerliche und gefährliche Reise, die beinahe in einer Katastrophe geendet hätte. Wir sind mit dem kleinen Boot auf dem Mittelmeer gekentert. Doch wir wurden gerettet und kamen mit dem Leben davon. Nur unsere ganzen Habseligkeiten gingen verloren“, schilderte Maha Kassem.

Die Eltern musste das Paar im libanesischen Lager zurücklassen. Das Geld reichte nur für die drei. Jetzt versucht die Familie alles, dass Mahas Eltern so schnell wie möglich nachkommen können. Maha spricht perfekt Englisch, arbeitete im Businessbereich und half in ihrer Heimat bereits syrischen Flüchtlingen. Ihr Mann Mohamad ist Baggerfahrer. Das würde der junge Vater am liebsten auch wieder machen, um eigenes Geld für seine Familie zu verdienen. Doch erst einmal müssen beide Deutsch lernen.

Tochter Manassa und Sohn Hasan erleben jetzt das erste Mal das deutsche Weihnachtsfest. Und dafür haben sich die Fritzsches einiges einfallen lassen. Erst kürzlich besuchten alle gemeinsam Leipzig. „Der Ausflug hatte allerdings einen kleinen bitteren Beigeschmack. Während unseres Bummels durch die Höfe am Brühl gab es dort eine Bombendrohung. Alle mussten das Einkaufszentrum verlassen. Unsere palästinische Familie wusste gleich, was los war. Die Bombendrohung erinnerte sie an ihre Heimat. Doch alles stellte sich nur als Drohung heraus“, erzählte Lutz Fritzsche.

Obwohl es in Palästina kein Weihnachtsfest gibt, wollen die vier in diesem Jahr das erste mal Weihnachten in Deutschland feiern. Es gibt kleine Geschenke und den Heiligen Abend verbringen sie bei Landsleuten in Berlin. „Mir gefällt Bad Düben. Die Stadt ist jetzt so schön geschmückt. Leipzig wäre uns zu groß. Wir wollen gern hier bleiben“, hofft Mohamad Yassien.

Sylvia und Lutz Fritzsche werden die Familie weiter unterstützen. Diese Woche luden sie alle zum Plätzchenbacken in die eigene Küche ein. Die vierjährige Manassa hat kaum noch Berührungsängste. Sie tobte durch die Stube und ließ sich die gebackenen Plätzchen schmecken. „Im neuen Jahr werden wir sie mal in die Turngruppe bringen. Vielleicht gefällt es ihr ja dort“, sagte Sylvia Fritzsche. Nur eines wird ihnen an Weihnachten fehlen – die eigene Familie. Via Skype und Telefon können sie nur Kontakt halten.

In Bad Düben leben aktuell 160 Flüchtlinge, überwiegend sind es Familien aus Kriegsgebieten wie Syrien, Iran, Afghanistan, Palästina, Tschetschenien und Libyen.

Von Steffen Brost

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