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Bad Düben Deichbau: Grunas Fährhaus-Wirtin sauer über Baustopp vor ihrer Haustür
Region Bad Düben Deichbau: Grunas Fährhaus-Wirtin sauer über Baustopp vor ihrer Haustür
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00:46 30.04.2018
Grunas Fährhauswirtin Antje Bieligk ist sauer. Der Deich kann aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht fertig gestellt werden. Nun müssen sie und Ihre Gäste auf einer Baustelle leben. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
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Gruna

Wirtin Antje Bieligk ist so was von sauer. Doch es ändert nichts. Ihr Fährhaus bleibt über den Sommer Baustelle. Dabei hatte ihr die Landestalsperrenverwaltung Sachsen zugesagt, dass der im September begonnene Bau des 350 Meter langen Ringdeiches bis zur Saisoneröffnung fertig ist.

Zehn Tage Arbeit stehen noch aus

Die Spundwände sind inzwischen auch komplett gerammt, so dass Hochwasserschutz besteht. Doch das Gelände ist noch nicht fertig profiliert. Das Wiesenstück direkt am Fährhaus liegt unter einer Baustraße versteckt. „Es soll nicht falsch ankommen. Wir sind über den Hochwasserschutz sehr, sehr glücklich“, stellt Antje Bieligk fest. „Doch an dem Gasthaus hängen sieben Arbeitsplätze. Und die Hauptgeschäftszeit ist nun mal Mai bis Oktober. Eine unvollendete Baustelle und später der Baulärm stören da natürlich.“

“Das ist ein Unding“

Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV), kann den Ärger der Fährhaus-Wirtin voll verstehen. Er teilt ihn sogar und erklärt: „Als abzusehen war, dass es bis Ende Februar nicht zu schaffen ist, haben wir eine Verlängerung der Bauzeit für vier Wochen genehmigt bekommen.“ Und obwohl der ausgesprochen kalte Winter genutzt wurde, wann immer es irgend ging, sei am Ende die Arbeit von zehn Tagen liegen geblieben. Auch er ist enttäuscht, dass es von der Landesdirektion Sachsen keinen Lösungsvorschlag gab. Axel Bobbe macht das auch ein wenig fassungslos: „Das ist ein Unding, das weder die Bürger noch ich verstehen.“

Bauunternehmen sieht Mehrkosten

Janet Lange, Geschäftsführerin des vor Ort tätigen Dresdener Unternehmens Heinz Lange, hätte sich das auch anders gewünscht. Sie erklärt: „Leider hörte der Winter in diesem Jahr nicht auf. Doch Qualität hat für uns oberste Priorität und die kann man bei Minusgraden aus objektiven Gründen nun einmal nicht liefern.“ Sie bestätigt, dass ihr Unternehmen lediglich noch etwa zehn Arbeitstage für die ausstehenden Oberbauarbeiten benötigt hätte. Nun seien aber der Baustopp und damit die Mehrkosten da. Denn jetzt müssten Material und Technik weggeholt und nach der am 15. Juli endenden Brutperiode neu hintransportiert werden.

Landesdirektion hält an Entscheidung fest

Bei der Landesdirektion bleibt man aber bei der Entscheidung und verweist auf das streng geschützte Gebiet Natura 2000. Die stellvertretende Pressesprecherin Mandy Taube: „Bereits im Planfeststellungsbeschluss war daher festgelegt worden, dass die Baumaßnahmen grundsätzlich in den Herbst- und Wintermonaten stattzufinden haben. Damit wird dann sowohl die Tötung von auf dem Boden wandernden Individuen wie Kammmolch und Rotbauchunke als auch die Störung der Vogelbrut besonders geschützter Arten vermieden. Aktuell wurden beispielsweise mehrere Rotmilane beobachtet, die Revierverhalten zeigten. Geschützt werden aber auch andere Vogelarten wie etwa Fischadler, Seeadler und Weißstorch.“

Mit der unter strengen Auflagen genehmigten Verlängerung bis zum 31. März sei der Spielraum jedenfalls ausgereizt worden. Schon bei dieser Genehmigung sei ausdrücklich darauf verwiesen worden, dass eine weitere Verlängerung nur mit weiteren Untersuchungen möglich sei.

Entscheidung ist nicht nachvollziehbar

Doch genau das erweist sich eben für die LTV als völlig unpraktikabel. „Denn das dauert nicht nur bis mindestens Mai, sondern kostet auch noch mal rund 30 000 Euro“, so Axel Bobbe. Und ob dann gebaut werden könne, stehe ja auch nicht fest.

Auch Antje Bieligk kann nur den Kopf schütteln „Seit über sechs Jahren wird geplant, wieder und wieder verschoben und jetzt scheitert es an zehn Tagen.“ Wohl nicht nur sie fragt sich daher: „Warum kann keine Lösung gefunden werden, die mit normalem Menschenverstand nachvollziehbar ist?“

Gefeiert wird am Sonntag trotzdem

Doch in Sachen Fährhaus ist sie eine Kämpferin. Alle geplanten Feste wie Frühlingsfest, Muttertagsbrunch, Himmelfahrtsparty und Pfingstfest sollen stattfinden. Und am Schluss spricht sie noch eine Einladung aus: „Wir feiern an diesem Sonntag trotzdem unser 20-jähriges Betriebsjubiläum mit Freibieranstich und musikalischem Showprogramm von Ramona Schneider.“ Um 11 Uhr geht es los.

Von Ilka Fischer

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