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Den Bürgern stinkt's schon lange

Den Bürgern stinkt's schon lange

Es ist eines der viel diskutierten und umstrittenen Vorhaben in der Kurstadt: die vom Schweinemastkonzern Straathof geplante Erweiterung der Zuchtanlage in Wellaune von derzeit 6000 auf 37 000 Tieren.

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Liane Deicke (links) präsentiert Zahlen und Fakten zur Tierhaltung.

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Stoff genug also für den SPD-Ortsverein, dem Thema Nutztierhaltung ein Forum zu geben. Am Donnerstagabend fand es im Hotel National statt.

Liane Deicke aus Krostitz, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft, eröffnete die Runde mit allerlei Zahlen und Fakten rund um die Tierhaltung in Sachsen, bevor eine rege Diskussion vom Zaun brach. Erstaunlich für viele Besucher: Sachsen weist im Vergleich mit anderen Bundesländern eine sehr niedrige Viehbestandsdichte auf. Taucht man aber etwas genauer in das statistische Zahlenwerk und die Regionen ein, ist der Landkreis Nordsachsen neben Meißen derjenige mit der höchsten Besatzdichte an Schweinen im Freistaat, was allerdings nicht dem geschuldet ist, dass hier die Menschen das meiste Schweinefleisch verzehren. Produziert wird vor allem für den Export - mit Folgen für die Anwohner solcher Anlagen wie in Wellaune, die den Einwohnern seit Langem ein Dorn im Auge ist und gegen die sie ankämpfen, vor allem wegen der beißenden Gerüche.

Wie Deicke sagte, sei das Spannungsfeld in der sogenannten "intensiven Tierhaltung" - viele sprechen auch von Massentierhaltung, die zahlenmäßig gar nicht definiert ist - breit. Es gehe um konkurrenzfähige Produkte, deshalb werden Schweine in Massen gehalten, weil offenbar nur noch das Geld bringt. Das Fleisch ist für den Endverbraucher billig - zu billig, und es werde auch deswegen zu viel konsumiert, hieß es aus den Reihen. In den Köpfen der Menschen müsse zuerst ein Umdenken stattfinden - aber wie? Hinzu kommen die Haltungsbedingungen - wie tiergerecht sind die? Petra Würdig, Tierschützerin und engagiert bei den Grünen in Bad Düben, kritisierte in diesem Zusammenhang die Sauenanlage in Wellaune. Die Tiere würden in Kastenställen gehalten, auf kleinstem Raum. Die Politik müsse diesbezüglich für Veränderungen sorgen, doch die tut sich schwer. Die Besucher sprachen von Lobbyismus und einer starken Macht, die Konzerne wie Straathof ausübten. Aber andererseits scheuen sich Gegner auch nicht, bieten den Agrarunternehmen die Stirn. In Wellaune hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen die Straathof-Pläne mobil macht - und das mit erstem Erfolg. Denn der Stadtrat hat einen B-Plan für das Gebiet aufgestellt, will damit die Flächen rund um die Anlage vor weiterer Agrar-Bebauung schützen. "Ich bin dankbar und froh, dass es Bürgerinitiativen gibt", sagte Deicke. Doch die fühlen sich oftmals allein gelassen. "Die Politik sollte unsere Probleme ernster nehmen", entgegnete Wellaunes Ortsvorsteherin Cornelia Beer. Nachts werde die Gülle breit gefahren, "und das in Größenordnungen. Es stinkt, die Böden werden belastet, das ist nicht mehr verträglich".

Sorgen, die auch die Anwohner auf der anderen Seite der Zuchtanlage in Glaucha umtreiben. Denn in diese Richtung könnte sich Straathof ausdehnen, wenn er an die Flächen kommt. Solche Absichten hatte der Konzern zwar gegenüber dieser Zeitung strikt verneint, doch die Bürger trauen dem Unternehmen nicht - und auch nicht den Kontrollbehörden. "Wir haben nur eine Chance, wenn die Flächeneigentümer nicht verkaufen oder unsere Gemeinde auch einen B-Plan aufstellt wie Bad Düben", sagte Thomas Hartmann aus Glaucha. Doch die Gemeinde Zschepplin hat das nicht vor.

Das Fazit des Abends, das SPD-Stadtrat Werner Wartenburger zog: Das bürgerschaftliche Engagement müsse gestärkt werden und die Politik sollte mehr auf die Verbraucher statt Lobbyisten hören.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2014
Von Nico Fliegner

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