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Bad Düben Der „Peter Lustig“ aus Bamberg
Region Bad Düben Der „Peter Lustig“ aus Bamberg
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07:00 17.09.2011
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. Bereits mehrfach wurde Wolfgang Rüdell von Passanten darauf angesprochen. Denn sein ungewöhnlicher Hängerzug, mit dem er seit zwei Jahren quer durch die Republik tingelt, sieht dem Wohnwagen von Peter Lustig ziemlich ähnlich. In den vergangenen Tagen war sein Gefährt auf dem Parkplatz neben Netto in Bad Düben zu sehen und zog die Blicke unweigerlich auf sich. Dort campiert der 67-Jährige derzeit.

Rüdell hat kein blitzendes Wohnmobil, sondern sitzt an frischer Luft hinterm Steuer eines laubfroschgrünen 22-PS-Traktors, der 1963 in der süddeutschen Schlepper-Schmiede Kramer vom Band lief. Angehängt ist ein buntlackierter Bauwagen, den er zur rollenden Einzimmerwohnung umfunktioniert hat. Mit Schlafplatz, Waschecke, Propangasherd, Computer und vielen gefüllten Bücherregalen. Für etwas Strom zum Nachladen der Hängerbatterie sorgt ein Mini-Windrad, das am Heck des Wagens befestigt ist. Zum Gepäck gehört auch eine 125er Honda, auf der Rüdell zu Spritztouren rund um sein Basislager aufbricht.

Mit seiner Pensionierung erfüllte er sich diesen Traum. „Früher bin ich nach zehn Stunden vom Gerüst gestiegen. Zeit zum Genießen der architektonischen Kostbarkeiten blieb da nicht. Das hole ich jetzt nach", erzählt er. Schon lange vor der Rente plante der Bamberger eine außergewöhnliche Reise. Zwei Jahre vor seinem Start fand er den passenden Traktor dazu. Der stand damals in einer Brombeerhecke. Er war zwar etwas angerostet, sprang aber mit einer neuen Batterie sofort an. Über Monate machte er ihn wieder flott. Dann besorgte er sich noch den alten Bauwagen, entkernte ihn und richtete ihn ein.

Mittlerweile stehen 4000 Kilometer auf dem Tacho. Seine Tour führte aus Bayern in den Norden. Immer entlang der Küste in Richtung Ostsee bis Peenemünde auf der Insel Usedom. Dann ging die Reise südwärts weiter. Am Donnerstagabend parkte er sein außergwöhnliches Gespann auf dem Dommitzscher Platz in Bad Düben. „Ich will bis Sonntag hier blieben, mir Burg, Kirche und die Dübener Heide anschauen", sagt der Rentner.

Rüdell ist pensionierter Steinrestaurator und schreibt zudem gern. In erster Linie aber reist er den Baudenkmälern nach. Kreuz und quer durch Deutschland. Am Donnerstagnachmittag kam er aus Richtung Torgau. Der Bamberger kann sich eine Reisegeschwindigkeit von elf Stundenkilometern leisten. Seine Tagesetappen sind recht kurz, etwa

20 bis 30 Kilometer lang – höchstens. Und wenn dem Rentner auf der Strecke etwas gefällt, hält er an, wie neulich. „Ich haben kurz vor Bad Düben noch einen kleinen Umweg eingelegt, um mir die alte Dorfkirche in Authausen anzuschauen. Ein wunderbares Gebäude", schwärmt Rüdell.

Das neue Ziel, das der Bayer anstrebt, ist das Rheinland. Nächstes Jahr will er nach Frankreich. „Ich finanziere alles mit meiner kleine Rente. Ab und zu lese ich aus meinen Büchern vor und verdiene mir etwas dazu. Wann ich wieder nach Hause fahre, ist unklar. Noch bin ich motiviert, viel zu entdecken. Ein Ende meiner Tour ist also noch lange nicht in Sicht."

Steffen Brost

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