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Bad Düben Der „Wetterfrosch“ aus Bad Düben
Region Bad Düben Der „Wetterfrosch“ aus Bad Düben
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05:55 05.03.2018
Rudolf Scheeren misst seit 1970 jeden Tag die Niederschläge in der Kurstadt. Früher schickte er die Informationen zum Wetteramt. Quelle: Steffen Brost
Bad Düben

In diesen Tagen hat Rudolf Scheeren nicht viel zu tun. Kein Regen und kein Schnee. Seit 1970 notiert sich der heute 71-Jährige die Niederschlagsmengen in der Stadt Bad Düben. Allerdings handelt es sich nicht um eine große Wetterstation mit viel Schnickschnack, sondern lediglich um eine kleine Niederschlagsmessstelle im Garten der Familie. Die besteht aus drei zusammengebauten Metallgefäßen, die geeicht worden sind, damit die Daten korrekt sind. Es ist nur ein kleiner unscheinbarer Metallbehälter, der genau auf der Grundstücksgrenze in der Eigenheimsiedlung in der Willy-Winkler-Straße steht. Mit Absicht. Denn in Abwesenheit von Scheeren übernimmt Nachbar Hans Talaschus das Messen der Niederschläge.

Schon der Großvater war „Wetterfrosch“

„Früher habe ich die Daten für das Wetteramt gesammelt und weiter geleitet. Weil der Wetterdienst 2002 aber auf eine elektronische Messung umstellte, mache ich das nur noch rein aus privatem Interesse“, erzählt er.

Jeden Morgen nach dem Aufstehen liest Scheeren als erstes die Niederschlagsmenge ab. Hat es geschneit, wird der gefallene Schnee im Messzylinder erst aufgetaut und dann im Messglas abgelesen.

Für sein ehrenamtliches Engagement gab es 1995 sogar vom damaligen Bad Dübener Bürgermeister Eckehard Tulaszewski eine Medaille vom Deutschen Wetterdienst. Scheerens Großvater Hermann Voigt hat 1939 angefangen und die Wetterdaten von Düben erfasst. Jeden Monat wurden die Regenmengen akribisch auf einem speziellen Meldebogen notiert und nach Ablauf der Monatsfrist ans Wetteramt geschickt. Hinzu kamen Notizen vom allgemeinen Wetterverlauf. Ab 1970 übernahm Enkel Rudolf den ehrenamtlichen Job von seinem Großvater. Viele Blätter Papier hat der Bad Dübener seither beschrieben und viel Interessantes festgestellt.

Rekordwerte

„Ich habe seit 1939 statistisch alle Niederschlagswerte und -arten in Bad Düben in meinem Besitz. Das Jahr 2010 war mit 887 Litern Regen pro Quadratmeter das bisherige Rekordjahr. Der wenigste Niederschlag fiel 1976 mit nur 380 Litern. Der Durchschnitt aller Jahre seit 1939 liegt bei um die 580 Liter. Es gibt auch viele unterschiedliche Phänomene, die ich festgestellt habe. So kann es sein, dass es in der Altstadt Bad Düben stark regnet, aber in der Hammermühle trocken bleibt. Trotzdem bekommen wir in der Regel immer recht wenig Niederschläge ab, weil wir im Schatten das Harzes liegen“, so Scheeren.

Bis heute bekommt der Rentner gelegentlich Anrufe von Landwirtschaftsbetrieben aus der Region, die sich nach den Regenmengen erkundigen. Auch in Zukunft soll sich an den täglichen Wetteraufzeichnungen nichts ändern. „Wie lange ich das Niederschlagsmessen noch mache, weiß ich nicht. Im nächsten Jahr gibt es erstmal das 90. Jubiläum der Messungen“, blickt Scheeren voraus.

Von Steffen Brost

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