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Der schleichende Ausverkauf: Immer mehr Läden in Bad Düben schließen

Der schleichende Ausverkauf: Immer mehr Läden in Bad Düben schließen

In der Kurstadt Bad Düben zeichnet sich ab, wovon sie über Jahre hinweg verschont geblieben ist: leer stehende Geschäfte. Am Paradeplatz gibt es mit ehemals Schlecker, Mabel (umgezogen am Markt) , Früchte Lubinski und Paketeria bereits einige verwaiste Objekte, in den nächsten Monaten werden das Ambiente-Stübchen und Schuhhaus Bewersdorf in der Altstädter Straße schließen.

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Blick in die Altstädter Straße in Bad Düben. Dort werden, sofern es keine Nachmieter gibt, drei Geschäfte verwaist sein: ehemals Schlecker, Ambiente-Stuben und Schuhhaus Bewersdorf.

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Sieben Läden stehen dann insgesamt leer. Stadt und Gewerbeverein haben das Problem erkannt. Warum die Geschäfte zumachen und welche Überlegungen es gibt, diesen Negativ-Trend zu stoppen - die LVZ begab sich auf einen "Stadtbummel."

Freitags steppt gewöhnlich der Bär in der Altstadt. Dann ist kaum ein Parkplatz zu bekommen. Die Leute, vor allem auch aus dem Umland, erledigen ihre Wochenendeinkäufe. In der Woche selbst sieht es dagegen mitunter trostlos aus. Jeder Tag läuft eben anders gut oder schlecht, wissen die Händler. Für einige rechnet sich die Selbstständigkeit allerdings nicht mehr. Kosten drücken.

Das ist bei Gabriele Pretzsch-Bley der Fall, die das Bad Dübener Ambiente-Stübchen betreibt - ein Laden mit Geschenkartikeln und regionalen Produkten in hervorragender Altstadt-Lage. "Es gab einen Tag, da hatte ich 17,03 Euro Tagesumsatz", erzählt sie. Auf Dauer sei dies tödlich. Demgegenüber stünden monatliche Gesamtausgaben in Höhe von knapp 2000 Euro. Allein die Miete liege bei 1000 Euro - Geld, das erstmal reinkommen müsse. "Da ich nicht Waren des tägliches Bedarfs habe, ist das schwierig. Vieles läuft heute auch über das Internet. Ich habe mich neulich mit den Frauen von der Post unterhalten, dort hat das Pakete-Geschäft zugenommen." Zudem sitze das Geld bei den Leuten nicht mehr so locker, weiß Gabriele Pretzsch-Bley, die zusätzlich Märkte besucht, um Umsätze zu generieren. Sie muss nunmehr aus wirtschaftlichen Zwängen die Reißleine ziehen. Zum 26. März wird sie ihren Laden aufgeben und diesen am 2. April in kleinerer Form in Schwemsal neu eröffnen - mit weitaus weniger Kostendruck.

Auf der anderen Straßenseite hat der Leerstand bereits im vorigen Jahr mit der Schlecker-Pleite begonnen. Der Drogist ist raus, der Laden steht seitdem leer. Nachfolger: Fehlanzeige. Und wenige Meter weiter wird in Kürze das nächste Geschäft verwaist sein, es sei denn Silke Bewersdorf findet einen neuen Mieter. Sie gibt den Schuhladen, den 17 Jahre lang ihre Eltern führten und fünf Jahre die junge Frau selbst, auf, zumal die 30-Jährige der Liebe wegen demnächst in die Nähe von Leipzig zieht. "Die Schuhe sind zuletzt schon im Einkauf teurer geworden. Wenn wir sie hier zu teuer anbieten, kauft niemand", erzählt Mutter Heidrun. Sie und ihr Mann haben bereits das Rentenalter erreicht, wohnen über dem Geschäft. "Irgendwann ist mal Schluss. Als Selbstständiger schleppt man die Arbeit immer mit sich herum. Das ist nicht gut." Und Tochter Silke ergänzt, dass es in der heutigen Zeit schwierig sei, in einer Kleinstadt zu bestehen. Selbst in ihrem neuen Lebensumfeld wolle sie nicht mehr selbstständig arbeiten. Derzeit läuft der Ausverkauf im Schuhhaus. "Offiziell machen wir den Laden am 30. April zu", sagt Silke Bewersdorf. Zwei Miet-Interessenten gebe es, aber keine konkrete Zusage.

Annett Mazanec, die Vorsitzende des Gewerbevereins der Stadt Bad Düben, bedauert die Geschäftsaufgaben, kann aber die Gründe nachvollziehen. Sie hat sich bereits Gedanken gemacht, wie es in Bad Düben weitergehen könnte. "Ein erster Schritt wäre, dass die Stadt die leeren Geschäfte auf die Homepage stellt. Das hat Markkleeberg praktiziert, ohne mit Maklern ins Gehege zu kommen. Dann bräuchten wir auch einen neuen Mietspiegel zur Orientierung." Denn die Quadratmeterpreise seien extrem unterschiedlich in der Stadt. Hier erhofft sich Mazanec Initiativen der städtischen Wirtschaftsförderung. Denn die Stadt müsste ein ureigenes Interesse haben - allein schon wegen der Steuereinnahmen, die flöten gehen. Finden sich nämlich keine Mieter, würden die Hauseigentümer den Gewerbeflächen-Status abmelden. Und das bedeutet weniger Steuern.

Im Rathaus ist die Leerstands-Problematik durchaus bekannt. "Ob und in welcher Weise die Stadt weiter unterstützend agieren wird, kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Denkbar wäre ein Leerstandsmanagement", sagt Wirtschaftsförderin Cornelia Richter. "Dabei könnte man die Erfahrungen unserer Partnerstadt Diez aufnehmen, die mittels geförderter Maßnahmen agiert. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit von Stadt, Gewerbeverein und Einzelhändlern voraus und muss von allen gewollt sein." Ansonsten habe die Stadt in der Vergangenheit "die Entwicklung günstiger Rahmenbedingungen im Auge" gehabt. Richter führt die Altstadtsanierung an, Maßnahmen zur Kurortentwicklung und die Fortführung der Prädikatisierung als Moorheilbad. Diverse Studien und das Stadtentwicklungskonzept seien "Wegweiser". Vor einigen Jahren sei der 'Kur-Stadt-Weg' als "erfolgreiches Projekt" im Wettbewerb 'Ab in die Mitte', einer Initiative der IHK zur Belebung der Innenstädte, als Verbindung von Kur- und Altstadtgebiet gebaut worden. "Ziel solcher Maßnahmen sind immer auch eine bessere Anbindung, die Belebung und die Gestaltung einer attraktiven Altstadt", so die Rathaus-Mitarbeiterin. Derzeit würden "die Voraussetzungen für eine künftige überregionale Vermarktung in Anbindung an die Stadt Leipzig" geschaffen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.03.2013

Nico Fliegner

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