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Dialyse-Patient wandert nach Venedig

Dialyse-Patient wandert nach Venedig

Bad Düben/Venedig. Ende Mai des vergangenen Jahres fiel auf dem Münchner Marienplatz der Startschuss für eine spektakuläre Wanderung (wir berichteten).

. Der Vorsitzende des Bad Dübener Dialysevereins, Joachim Reiche, plante, innerhalb von sechs Wochen die 600 Kilometer lange Distanz von München nach Venedig zurückzulegen. Mit der Wanderung wollte Reiche Mitpatienten Mut machen. „Ein Nierenversagen ist heute kein Todesurteil mehr, man kann damit ganz gut leben", so seine Botschaft.

Der Bad Dübener wollte zudem auf das Problem der Organspende in Deutschland hinweisen. „Täglich sterben bei uns drei Patienten, die auf der Warteliste für eine Transplantation stehen, weil es zu wenig Spenderorgane gibt. Das ist nicht hinnehmbar", so Reiche weiter.

Monatelang bereitete er sich auf den Marathon vor. Der Dübener trainierte zwei bis drei Mal pro Woche, jeweils 15 Kilometer. Dann ging er auf die Strecke. Sonne und Regen begleiteten den 52-Jährigen die ersten Tage in Richtung Italien. Bis zu 25 Kilometer hatte sich der Wanderer vorgenommen. Unterbrochen wurden die täglichen Etappen nur von den Besuchen von Dialyse-Praxen. Insgesamt 18 Mal waren die Blutwäschen zwischen Deutschland und Italien notwendig, die Termine hatte der Dübener im Vorfeld sorgfältig geplant. Reiches Nieren arbeiten seit 1979 nicht mehr, deshalb muss er dreimal in der Woche für sechs Stunden zur Blutwäsche.

Vorbei an Innsbruck in Österreich begann dann der strapaziöse Aufstieg in die Berge. „Es lief super, auch wenn manche Tagesetappen sehr anstrengend waren. An Aufgeben dachte ich zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht", sagte Reiche. Noch nicht. Denn nach zwei Wochen musste er wegen Problemen mit der Bauchspeicheldrüse zunächst eine zweitägige Zwangspause einlegen, dann, weil die Beschwerden nicht weniger wurden, die Wanderung in Trento (Südtirol) vorerst abbrechen. „Ich bin schon ziemlich bedrückt. Aber die Gesundheit geht vor. Der Rest der Strecke wird nachgeholt", so Reiche

damals.

Er hielt Wort und plante die zweite Etappe. Am 19. März ging es los. Noch 240 Kilometer und zwölf Etappen trennten den Bad Dübener vom Ziel in Venedig. Durch das Eisacktal über Rovereto, Sacco nach Verona verlief die Strecke. „Teilweise waren die Wege und Straßen etwas für Lebensmüde. In Richtung Venedig ging es oftmals an den Straßen lang. Das war schon recht gefährlich", schilderte Reiche. Oftmals wurde er freundlich begrüßt. Dafür war wohl auch war sein Slogan „Wanderung für Dialyse und Organspende" verantwortlich, der auch auf Italienisch auf seinem Rucksack gut sichtbar angebracht war. „Oft bin ich über Weinberge gewandert, wo mich auch die Besitzer kritisch beäugten, als ich durch deren Reben lief. Als ich dann das Schild zeigte, waren sie sofort sehr hilfsbereit und gaben mir Tipps für die weitere Strecke", so der heute 53-Jährige.

Überglücklich und ohne nennenswerte Blessuren beendete Reiche kurz vor Ostern seine Tour auf dem Markusplatz in Venedig. In der Stadt der Gondeln warf er einen kleinen Stein ins Mittelmeer, den er vom Ufer der Isar mitgenommen hatte. Sein Freund Mario Lippold, ebenfalls langjähriger Dialyse-Patient und Vorsitzender des Chemnitzer Dialysevereins, berichtete täglich im Internet von der Wanderung. Lippold begleitete Reiche mit dem Auto und kümmerte sich um alle organisatorischen Belange. Jetzt plant er sogar ein Buch über seine Tour.

Kaum zurück hat der Bad Dübener bereits das nächste Projekt im Blick. Im August soll es zu Fuß 500 Kilometer von Bad Düben bis zum Kap Arkona auf der Insel Rügen gehen.

Steffen Brost

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