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Die "Kindergarten-Cops" von Bad Düben

Die "Kindergarten-Cops" von Bad Düben

Sie sind eine Minderheit und so etwas wie die "Kindergarten-Cops" von Bad Düben - man erinnere sich an die Komödie mit Arnold Schwarzenegger in den 90er-Jahren.

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Die Kinder mögen die drei Männer unter den Frauen: Michael Masermann, Tino Nietzschmann und Rocco Cierpinski (von links) sind die Kindergärtner bei der Arbeiterwohlfahrt in Bad Düben.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben. In ganz Deutschland arbeiten laut Statistischem Bundesamt gerade einmal rund 15 000 Männer als Kindergärtner oder Tagesväter. Doch Erziehung von Kindern ist auch Männersache, hat man sich bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Bad Düben gedacht. In den Kitas "Märchenland" und "Spatzenhaus" arbeiten gleich drei Männer als Erzieher. Und die Kinder sind ganz angetan von ihnen.

Michael Masermann und Tino Nietzschmann sind Quereinsteiger, haben schon Programmierer und Instandhaltungsmechaniker gelernt und erst später den Weg zum Erzieher gefunden. Obwohl Nietzschmann 43 Jahre alt ist und Masermann 26, haben sie mit einer neuen berufsbegleitenden Ausbildung begonnen. "Ich hatte mal einen Ein-Euro-Job in der Eilenburger Kindertagesstätte 'Löwenzahn'. Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Der Umgang mit Kindern lag mir. Ich habe mich anschließend bei verschiedenen Einrichtungen beworben und bei der Awo hat es schließlich geklappt", sagt Nietzschmann. Vor zwei Jahren hat er mit einer berufsbegleitenden Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher begonnen.

Auch Michael Masermann drückt noch bis 2015 die Schulbank. Er hat bislang bei der Bundeswehr und als Leiharbeiter sein Geld verdient. "Ich habe vier Geschwister und konnte schon immer mit Kindern gut umgehen. So entwickelte sich der Berufswunsch des Erziehers. Nach einem Praktikum stand es dann endgültig fest", erzählt der junge Mann.

Während ihrer Ausbildung durchlaufen die beiden angehenden Erzieher alle Bereiche, die es in einer Kindertagesstätte gibt. Von Krippe bis zum Hort werden sie eingesetzt. Berührungsängste gibt es nicht. "Die Kinder mögen uns. Mit uns können sie auch mal raufen und wild Fußball spielen. Aber wir können mit ihnen auch Lieder singen oder basteln. Alles, was eine weibliche Kollegin eben auch macht", sagt Nietzschmann. Trotz seiner 43 Lenzen ist es für den Bad Dübener kein Problem, die Schulbank mit fast 20 Jahren jüngeren angehenden Erziehern zu drücken. "Vielleicht war es am Anfang etwas komisch. Mittlerweile gibt es da keine Probleme. Alle wollen schließlich dasselbe: Die Ausbildung bestehen."

Schon ein paar Jahre mehr Erfahrung kann Rocco Cierpinksi vorweisen. Der 46-jährige Erzieher war mal Streetworker im Jugendhaus Poly und erhielt von der ehemaligen Awo-Kreisverbands-Geschäftsführerin Rosmarie Lange das Angebot für eine Erzieherausbildung. "Gesagt getan. Ich habe die Ausbildung begonnen und war der erste männliche Kindergärtner bei der Awo. Aktuell betreue ich mit einer weiteren Kollegin eine Krippengruppe mit zwölf Kindern", erzählt Cierpinski.

Das tägliche Programm der drei Männer unterscheidet sich nicht von den Aufgaben der weiblichen Kolleginnen. Alles wird gemeinsam gemacht. "Unsere Männer sind eine echte Bereicherung für die Einrichtung. Die Kinder mögen es, wenn auch mal ein Mann mit ihnen spielt", lobt Erzieherin Kerstin Klewe die Kollegen in den höchsten Tönen. Jeden Tag wird auf der Wiese Fußball gespielt, auf den Klettertürmen herumgetobt oder auch mal ein defektes Spielzeug repariert. "Wir sind multifunktionell einsetzbar. Und auch die Bevölkerung hat sich mittlerweile daran gewöhnt, wenn ein Mann mal den Kinderwagen durch die Stadt schiebt. Klar, gab es anfangs schon mal komische Blicke von Passanten. Aber das hat sich gelegt", so Cierpinski, der hofft, dass bald es bald noch mehr männliche Erzieher gibt. "Kindergärtner werden gesucht, Männer traut euch, eine Ausbildung zu machen", macht Cierpinski Mut. Auch "Märchenland"-Chefin Sieglinde Wuttke möchte auf ihre männlichen Mitarbeiter nicht mehr verzichten. "Die machen sich. Auch die Kinder wollen sie nicht mehr missen. Jetzt drücken wir ihnen die Daumen, dass sie ihre Ausbildung bestehen und dann vielleicht bei uns dauerhaft bleiben", so Wuttke.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2013

Steffen Brost

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