Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Dübener Kettensägen-Künstler Raik Zenger stiftet Holz-Pokal für Island
Region Bad Düben Dübener Kettensägen-Künstler Raik Zenger stiftet Holz-Pokal für Island
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 02.04.2018
Raik Zenger will seinen Holz-Pokal an Island – seinen Europameister der Herzen stiften. Quelle: Quelle: Alexander Prautzsch
Anzeige
Bad Düben

Island ist im Viertelfinale ausgeschieden. Aber Island ist trotzdem Fußball-Europameister. Der Herzen. Sagt Raik Zenger. Der Bad Dübener schnitzte mit der Kettensäge aus Pappelholz einen EM-Sieger-Pokal und wollte diesen eigentlich dem Land stiften, dessen Mannschaft am Sonntag nach dem Finale den Pott in den Pariser Nachthimmel streckt. Das war der Plan. Das furiose Auftreten der isländischen Mannschaft, das weltweit für Aufsehen sorgte, hat den Künstler aber zum Umdenken bewogen.

Bei der Arbeit: Raik Zenger werkelt an dem EM-Pokal Quelle: Wolfgang Sens

Am Radio verfolgte der Kurstädter in dieser Woche fasziniert, wie euphorisch das Team nach seinem Ausscheiden gegen Gastgeber Frankreich am Montag in der Heimat empfangen wurde. Wie das Flugzeug tief über der Hauptstadt Reykjavik hinweg flog, bevor es landete, wie Tausende frenetisch jubelten, als ob da die neuen Europameister der Maschine entsteigen würden.

Unvergessene Momente während der EM

Unvergessen ist auch der Moment, als Kolbeinn Sigthorsson im Achtelfinale in der 18. Minute das entscheidende Tor zum 2:1 gegen die hoch-favorisierten Engländer schoss. „Der Name klingt schon wie Siegtor“, schmunzelt Zenger und hat den Angreifer, der beim FC Nantes in Frankreich unter Vertrag steht, zu seinem ganz persönlichen EM-Helden auserkoren.

Unvergessen ist zudem der schier hyperventilierende TV-Kommentator, der bei den Toren der Spieler von der Insel seine Stimme zu verlieren schien. Oder die schätzungsweise 30 000 Anhänger – und damit etwa ein Zehntel der gesamten isländischen Bevölkerung –, die ihr Team vor Ort in Frankreich unterstützten. Und nicht zuletzt der mittlerweile in ganz Europa bekannte „Huh“-Schlachtruf, der ganze Stadien in ein einziges Beben versetzt. „Der wird uns fehlen“, ist Raik Zenger immer noch tief beeindruckt.

Bei ihrer Ankunft in Island wurden die EM-Helden frenetisch gefeiert. Quelle: imago sportfotodienst

So beeindruckt, dass er sein Vorhaben, den Pokal ans Land des EM-Siegers zu stiften, an jenem Nachmittag zu Wochenbeginn, als der Beitrag im Radio lief, spontan über Bord geworfen hat. Zumal er selbst ja auch irgendwie Island-Fan ist: „Ich war vor zwei, drei Jahren mal dort. Die Weite, die Ruhe, die Tiere“, das und mehr habe ihn fasziniert: „Das ist Natur pur.“ Der spontanen Idee folgte die konkrete Handlung: Mittlerweile hat er Kontakt mit der Botschaft in Berlin aufgenommen und ist dort vor allem auf eins gestoßen: Begeisterung.

Botschafter S. E. Gunnar Snorri Gunnarsson habe er noch nicht sprechen können, dafür aber eine Mitarbeiterin. „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn“, sei deren Reaktion gewesen. Das Angebot und die Bitte Zengers, der Botschafter möge das Geschenk annehmen und Bad Düben liege ja nicht weit entfernt von Berlin ... jedenfalls hat sie angenommen und will es mit ihrem Chef besprechen. Zenger selbst untermauerte seine ernsthaften Absichten noch mit einem Brief an den Botschafter und schrieb: „Ich habe mich nun entschlossen, diesen Pokal als Europapokal der Herzen zu bezeichnen. Und diesen hat laut deutscher Presse, Funk und Fernsehen eindeutig das Land Island verdient.“

Gefühlt war ganz Island im Stadion, wenn die Mannen von der Insel ihre Spiele hatten. Erst im Viertelfinale war Schluss für das Überraschungsteam der EM. Quelle: EPA

Die Idee, den hölzernen EM-Pott zu schaffen, basiert auf einer bierseligen Idee in einer Juli-Nacht 2014. Jener Nacht, als Deutschland im WM-Finale in Rio de Janeiro gegen Argentinien stand. Als nach 90 Minuten noch nichts entschieden war, verkündete Zenger selbstbewusst: Wenn Deutschland gewinnt, schnitz ich den WM-Pott aus Holz. Deutschland siegte, Zenger schnitzte.

Skizzen und Fotos als Vorlage für das Kunstwerk

Der Pott wanderte in Privat-Besitz, ist aber derzeit als Leihgabe im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig in der Ausstellung „Deutsche Mythen seit 1945“ zu sehen. Und was zur WM geht, geht auch zur EM, sagte sich der 52-Jährige und machte sich noch vor Turnier-Beginn wieder ans Werk. Innerhalb kurzer Zeit entstand aus hellem Pappelholz ein 1,30 Meter großes und rund 70 Kilogramm schweres Pendant zum versilberten Coupe Henri-Delaunay. Zunächst arbeitete Zenger anhand von Skizzen und Fotos mit der Kettensäge die Form heraus, später arbeitete er mit dem Schleifer nach, eine Silber-Lasur drauf – fertig.

Derzeit steht der Pott im Lokal „Goldener Löwe“ in Bad Düben. Gut sichtbar unterhalb der große Leinwand, auf der die Kurstädter während der EM beim Public Viewing die Spiele verfolgen. Und weil der Europameister-Pokal standesgemäß eine Gravur erhält, bekommt auch der EM-Sieger der Herzen eine individuelle Gestaltung: rote Herzchen und die Island-Fahne.

Von Kathrin Kabelitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stiftung Warentest hat bei ihrem jüngsten bundesweiten Vergleich der Kurtaxen Bad Düben links liegen gelassen. Dabei spült die Gebühr ganz erhebliche Summen in die Stadtkassen.

08.07.2016

Bad Dübens Vereine können sich über einen finanziellen Zuschuss freuen. 3050 Euro verteilt die Kommune. Doch nicht alle bekommen auch Geld. Der Frauenverein geht diesmal leer aus. Er hatte 400 Euro für eine Fahrt zum Mitteldeutschen Rundfunk gewünscht. Für Stadtrat Mike Kühne eine „Spaßfahrt“, die die Stadt nicht finanzieren sollte.

07.07.2016

Einst waren die ferngeheizten Neubauwohnungen in Laußig gleich neben dem Betonwerk sehr begehrt. Nach der Wende zogen jedoch viele der Arbeit hinterher. Das lässt sich auch an einer Leerstandsquote von 20 Prozent ablesen. Dennoch sieht der Bürgermeister nicht alles schwarz.

06.07.2016
Anzeige