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Bad Düben Mozarts Trost mit Tränen: Dübener Kurrende weckt Emotionen
Region Bad Düben Mozarts Trost mit Tränen: Dübener Kurrende weckt Emotionen
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14:34 17.03.2019
Mehr Grün: Die Kurrende feierte ihre Premiere in den neuen Gewändern. Der Chorklang beim Passionskonzert am Sonnabend in der Dübener katholischen Kirche war aber auch im neuen Gewand der vertraute. Quelle: olaf majer
Bad Düben

„Bitte rücken sie zusammen.“ In der katholischen Kirche ging man am Sonnabend auf Tuchfühlung zu seinem Nachbarn. Groß war das Interesse in Bad Düben: Ob nun aus Vorfreude auf die angekündigte Passionsmusik von Mozart bis Jenkins oder aus Neugierde auf den Anblick der neuen Chorgewänder. Enttäuscht wurde keiner. Beides bot genug Stoff zum Staunen, Nachdenken, Diskutieren.

Fast 70 Sänger erlaubten Experimente

Auch in den Kurrendereihen wurde es diesmal eng. Fast 70 Sänger sortierten sich trotz Grippewelle auf dem Chorpodest vor dem geschlossenen Flügelaltar. Die Neuzugänge verstärken den Chor in jeder Hinsicht: Der vertraute Chorklang war diesmal noch eine Spur dichter und eindrucksvoller.

Und der macht Experimente möglich. So zum Konzertbeginn mit dem „Pater Noster“ –einem sehr modern vertontem Vater-unser-Gebet von Alejandro Consolaction. Das Vorspiel zu Mozarts Requiem war gewagt und für einige ungeübte Zuhörerohren sperrig. Stimmiger wirkte da das nachfolgende „Da Pacem Domine“ –eine sehr eindrückliche Friedensbitte von Arvo Pärt.

Im Requiem konnte man Augen schließen

Doch spätestens mit den ersten Takten des „Reqiuems“ konnten Zuhörer getrost die Augen schließen und in Mozarts letztem, unvollendeten Werk völlig aufgehen. Welch eine Klangfülle tat sich da auf: Der eh in der Komposition hervorgehobene Chor gewann durch seine starke Besetzung weiter an Dominanz. Das Orchester musica juventa aus Halle fügte sich hervorragend ein in die von Mozart zugewiesene Rolle: Der Diener des Chores zu sein. Und die Solistenparts –hervorragend besetzt in allen Stimmlagen – rundeten das Pathos der Komposition im elegischen d-Moll ab.

Kantorin Neumann als Detailarbeiterin

Wieder wurde deutlich, dass Kantorin Elisabeth Neumann eine akribische Detailarbeiterin ist. Wer genau hinhörte, konnte viel Schönes im Kurrende-Klang entdecken. So der gewaltige Aufschrei im „Dies irae“. „Tag der Rache, Tag der Sünde“ heißt es im Text –und wurde temporeich und opulent gestaltet. Oder beim „Rex traemende“ –wo der Chor sehr bestimmend dreimal mit der Betonung „Rex“ den König um Gnade bittet. Und natürlich der berühmteste Teil: „Lacrimosa“, das der 1791 verstorbene Mozart nach acht Takten unvollendet zurückließ und welches erst später durch Franz Xaver Süßmayr vollendet wurde. Am „Tag der Tränen“ streichelte die Kurrende unglaublich berührend die Seele und manch einer im Publikum schämte sich seiner Tränen nicht.

Nach dem Schlussakkord hatte sich Kantorin Neumann mit ihren Kurrendesängern noch etwas besonderes einfallen lassen. Ohne Pause fügte sich Karl Jenkins „God shall wipe away all tears“ nahtlos an Mozarts Requiem. Welch ein Trost: Gott wird abwischen alle Tränen. Ein Satz, der dank der Kurrende-Empathie in der Trauer trägt. Der minutenlange Schlussapplaus, eher die Ausnahme nach „stillen“ Passionskonzerten, war hochverdient!

Neue Gewänder? Die ersten Reaktionen

Und die neuen Gewänder? Wie so oft sind die Geschmäcker verschieden. Die ersten Reaktionen reichten von Zustimmung bis Zurückhaltung. „Die breiten grünen Kragen leuchten herrlich“, hieß es. Andere wurden mit den kühler wirkenden weiß-grauen Talaren noch nicht recht warm. Doch entscheidend, so eine treue Dübener Zuhörerin, sei der Chorklang: „Und der war so schön, dass ich noch die ganze Woche davon zehre.“

Nächstes Konzert in Leipzig-Sellerhausen

Mindestens. Wer die Kurrende in der vorösterlichen Zeit erneut hören möchte, der sollte am 13. April nach Leipzig fahren: Dort singt der Chor um 19 Uhr in der Emmauskirche ein Abendsingen zur Passionszeit. Für Chorleiterin Elisabeth Neumann ein „Heimspiel“: In der Emmausgemeinde Leipzig-Sellerhausen war die Kantorin engagiert vor ihrer Dübener Kurrende-Zeit.

Von Olaf Majer

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