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Bad Düben Dübener Kurrende im neuen Gewand
Region Bad Düben Dübener Kurrende im neuen Gewand
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17:11 11.02.2019
Ein besonderer grüner Farbton, ein neu geformter Kragen und ein grau-weißer Talar mit grünem Bund an den Ärmeln: In diesen neuen Gewändern wird die Bad Dübener Kurrende künftig auftreten. Quelle: Foto: privat
Bad Düben

Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Der erste, der in Bad Düben aus einem wilden Haufen singender Kinder Leute machte, war Schneidermeister Günther Feist. Anfang der 1980er-Jahre griff der inzwischen längst verstorbene Dübener Schneider zu Maßband und Schere und fertigte die ersten grün-weißen Kurrende-Gewänder an – sortiert in den vier verschiedenen Größen A bis D. Die älteren Sänger erinnern sich an lange Anproben – und an ein gewöhnungsbedürftiges Ergebnis. Jungs sollten plötzlich Röcke tragen? Wer nicht gerade als katholischer Messdiener daran gewöhnt war, musste erstmal schlucken. Der Spott der Schulkameraden schien gewiss wie das Amen in der Kirche. Erst später wusste man die luftigen Beinkleider zu schätzen: Bei heißen Sommerauftritten blieb einfach die Hose untendrunter weg.

Fast 40 Jahre lang haben hunderte Kurrendaner nun die Gewänder aus der Kollektion Feist getragen – und umgekehrt auch. Die Kurrende wurde gut getragen von den praktischen Dreiteilern. Wenn nur nicht die ewige Suche nach dem passenden Rock oder Kragen gewesen wäre ...

Die Frage: Neue Gewänder, neuer Stil?

Warum also neue Gewänder? „Wir haben lange gezögert. Aber ein Blick auf die alten zeigte, dass es doch Not tut“, erinnert sich Kurrende-Vereinschef Ralf Hönemann. Im Frühjahr 2017 habe sich der Vereinsvorstand das erste Mal mit dem Gedanken beschäftigt.

Und damit lag sofort ein ganzer Fragenkatalog vor der Chorgemeinschaft: Sollte man die kostspielige Anschaffung lieber über mehrere Jahre verteilen? Und wie soll die neue Chorkleidung überhaupt aussehen? Unverändert, wieder ein Gewand oder mal ganz anders – Hose, Hemd? Ideen wurden geboren und wieder verworfen. Auch die Kurrendesänger wollten bei diesen Entscheidungen mehr als nur ein Wort mitreden.

Recht schnell war klar: Eine „Kulturrevolution“ wird es nicht geben. Das seit Jahren entstandene Außenbild soll gepflegt werden. „Uns war auch wichtig: Was schätzen unsere Zuhörer an uns? Wie sehen uns die Dübener, unsere Gäste, die finanziellen Förderer vor Ort? Die Frage war, wie stark der Wunsch nach Veränderung Ausdruck finden soll“, blickt Hönemann auf spannende Wochen zurück. Die „richtige” Kleidung sollte jedenfalls auch zu den von der Kurrende gesungenen Liedern, Programmen und Konzerten passen.

Die Ideensuche bis zur Entscheidung einschließlich der Zulieferung von einigen Schnitt- und Stoffmustern zog sich über ein Jahr hin. Schnell war dagegen klar: Die Sache wird teuer. „Im Sommer 2018 wussten wir aufgrund eingeholter Angebote, dass die Sache viel mehr kostet als gedacht“, so der Kurrende-Chef.

Der Schnitt: Ein einteiliger Talar

Trotzdem siegte am Ende die Qualität. Die Aachener Firma Clemens Jansen+Co machte das Rennen. Die Traditionsfirma, die schon etliche Dom- und Kirchenchöre eingekleidet hat, überzeugte mit ihrem Prototyp. Dennoch war der Auftrag aus Nordsachsen kein alltäglicher, wie Geschäftsführer Sebastian Hermanns sagt. „Die Anforderungen, vor die uns die Dübener Kurrende stellte, waren eine Herausforderung. Wir haben aber gleich gemerkt, dass man sich hier ganz viele Gedanken über die Gestaltung gemacht hat. So etwas weckt immer gleich unsere Leidenschaft und fordert uns heraus.“

Die neuen Gewänder aus Aachen sind nun nicht mehr dreigeteilt, sondern bestehen aus nur einem Teil. Die Form nennt sich Talar, eine für liturgische Gewänder, aber auch Amtskleidung übliche Bezeichnung für weitärmelige, knöchellange Obergewänder. Das beliebte Ratespiel „Wo ist mein Rock?” oder „Du hast doch meinen Kragen?” gehören bei der Kurrende damit der Geschichte an.

Neu ist neben dem schlichten grau-weißen Schnitt der grüne Armbund und der runder fallende grüne Halskragen, der nun außen aufliegt. Außerdem ist an den Seiten links und rechts ein Hosentaschendurchgriff eingearbeitet. Der schnelle Griff zum Taschentuch, rechts schon immer möglich, ist damit jetzt auch links zum raschen Ausschalten des vergessenen Handys kein Problem mehr.

Die Farbe: Ein fast vergessenes Grün

Diese Frage trieb die Entscheider lange um: Bleibt man bei einer der kirchlichen Liturgie entnommenen Farbe? Neben grün wären rot, violett, weiß und schwarz, sogar blau und rosa möglich gewesen. Es blieb letztlich beim Grün – allerdings nicht beim gewöhnlichen. „Die Farbwahl der Dübener ist sehr speziell“, bestätigt Ausstatter Hermanns. Ein Farbton, der eigentlich gar nicht mehr verfügbar ist. „Das ist in der Branche jetzt was echt Besonderes.“

Kurrende-Vereinschef Hönemann begründet das so: „Das Grün ist die Farbe des Alltags im Kirchenjahr. Keine besondere Festzeit, auf die ein kräftiges Rot hinweisen würde. Keine Fastenzeit, auf die ein Violett deuten würde. Kein Schwarz, das liturgisch auf Trauer hinweist. Das Grün ist die passende Farbe, um regelmäßig schöne und besinnliche Konzerte und Abendsingen zu versprechen.“ Und Grün ist schließlich auch die Hoffnung, dass die Chorproben weiter regelmäßig konzentriert besucht werden – und Nachwuchssorgen gar nicht erst aufkommen.

Die Kosten: Ganz viele Unterstützer

Die ersten 40 neuen Gewänder sind geliefert, weitere 40 Gewänder werden in den nächsten Wochen folgen. Rund 250 Euro kostet ein Gewand, die kleineren Größen sind etwas günstiger. Ein Mustergewand verbleibt in der Werkstatt in Aachen – bei erneutem Bedarf kann die Kurrende so jederzeit die identische Form nach Bad Düben geliefert bekommen.

Möglich gemacht haben dieses grün-weiße „Wunder“ viele Gönner und Förderer des Chores, aber auch einfache Konzertbesucher und LVZ-Leser. So wird die Kurrende im Kulturraum Leipziger Raum seit Jahren finanziell gefördert. Ein Teil der Gewänder kann deshalb über diesen Fördertopf finanziert werden. Weitere Gelder kommen von den treuen Sponsoren des Chors, Konzertbesuchern und aus den Kollekten der monatlichen Abendsingen. „Doch gereicht hat es erst, als wir bei „Angestupst“ das Preisgeld gewinnen konnten“, erzählt Hönemann. Bei der von der Sparkasse Leipzig gemeinsam mit der LVZ veranstalteten Aktion zur Unterstützung heimischer Vereine in Nordsachsen konnte die Kurrende 5000 Euro gewinnen. Der Chor hatte es geschafft, bei dem Telefon-Voting die meisten Anrufer zu mobilisieren, darunter neben vielen treuen Kirchengemeindemitgliedern auch viele ehemalige Kurrende-Sänger in ganz Deutschland, Darsteller vom Landschaftstheater oder Freunde des Chores, die bis nach Stralsund reichen. „Das war toll! Deshalb gehören die Gewänder auch nicht nur uns, sondern allen, die uns unterstützt haben. Sie können sich alle mit uns – und auf viele weitere Kurrende-Jahre freuen.“

Die Premiere: Das Konzert am 16. März

Im neuen Gewand ist der Chor erstmals am 16. März in Bad Düben zu erleben. Im großen Passionskonzert „Gott wird abwischen alle Tränen“ werden in der katholischen Kirche Mozarts Requiem und liturgische Gesänge aufgeführt. Ein paar Freudentränen der Kurrendaner dürften dann auch mit dabei sein.

Von Olaf Majer

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