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Dübener Mittelschule setzt auf Integration

Dübener Mittelschule setzt auf Integration

Petra Wolle ist Integrationslehrerin. Zweieinhalb Jahre hat sich die studierte Pädagogin von der Mittelschule Bad Düben für diesen zusätzlichen Job ausbilden lassen.

Bad Düben. "Das war notwendig, um eine intensivere Betreuung von integrativen Schülern durchführen zu können", sagt Wolle. Im Freistaat Sachsen gibt es verschiedene Möglichkeiten, behinderte Kinder bestmöglich zu fördern.

Neben dem Besuch einer Förderschule wird das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern zunehmend Normalität. "Erwiesen ist, dass sich Kinder mit einer Behinderung an Regelschulen im Zusammenleben mit Gleichaltrigen besser entwickeln. Das hängt natürlich auch vom Schweregrad der Behinderung ab", erklärt Wolle. Wurde beispielsweise bei einem Schüler sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt, muss er nicht zwingend eine Förderschule besuchen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann er in einer anderen allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schule gemeinsam mit nicht behinderten Schülern lernen. Wichtig ist dabei, dass an dieser Schule die erforderlichen Lehrkräfte und - falls nötig - qualifizierte Pflege- und Betreuungskräfte vorhanden sind.

Seit Januar wird das Recht auch in einer UN-Konvention geregelt. Danach haben behinderte Kinder den Anspruch, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen. Die Bundesländer haben seitdem die Forderungen dieser Konvention in ihren Schulgesetzen und Vorschriften umzusetzen. Die lassen sich jedoch mit der Anpassung Zeit. Einige versuchen sogar, die Konvention zu unterlaufen, obwohl Deutschland in der Schulbildung behinderter Kinder hinterhinkt. Mit einer Integrationsquote von 15,7 Prozent ist Deutschland Schlusslicht in Europa.

"Eine Zuweisung zur Sonderschule gegen den erklärten Willen müssen Kinder und ihre Eltern nicht mehr dulden", sagt Camilla Dawletschin-Linder, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen". In der Mittelschule Bad Düben wird bereits an der Umsetzung gearbeitet. "Wir haben einige körperbehinderte Schüler sowie Kinder mit ADHS, das bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität, und ADS, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Beide Behinderungen unterscheiden sich im Verhalten der Schüler. Bei vielen ist die Konzentration über einen längeren Zeitraum nicht möglich. Sie können die vielen Informationen aus dem Unterricht nicht so schnell verarbeiten. Zurzeit haben wir zwei diagnostizierte Kinder an unserer Schule", erklärt Wolle.

Die Lehrerin vermutet, dass die Dunkelziffer viel höher ist, weil sich Eltern scheuen, mit ihrem Kind zum Arzt zu gehen. "Ich verstehe die Eltern sehr gut. Aber wir können als Intergrationslehrer erst tätig werden, wenn eine entsprechende Diagnose vorliegt", so Wolle weiter. Liegt diese vor, kann es nach Absprache mit dem Integrationslehrer ein bis vier zusätzliche Stunden in der Woche geben, in denen sich der Speziallehrer je nach Schweregrad der Behinderung mit dem Schüler beschäftigt. "Das kann sehr unterschiedlich aussehen. Wir machen Konzentrationsübungen, holen Unterrichtsstoff langsam nach und festigen ihn. Meist kann ich das bereits in den normalen Stunden erledigen, weil ich dann als Zweitlehrer mit in der Klasse bin und mich um die betroffenen Schüler kümmern kann, während der Fachlehrer den Unterricht leitet", so Wolle.

Zum Repertoire der Integrationslehrerin gehören spezielle Spiele, die die Fingerfertigkeit und Geduld schulen. Integrative Betreuung gibt es in der Mittelschule in allen Fächern. Mittlerweile beteiligen sich auch weitere Pädagogen an dem Programm, das zum Ziel hat, alle betroffenen Schüler zum erfolgreichen Mittelschulabschluss zu bringen. Vor dem neuen Schuljahr treffen sich Lehrer, Eltern und Kind, um gemeinsam zu besprechen, welches die besten Hilfen und Fördermaßnahmen sind. "Der Kontakt zum Elternhaus ist dabei besonders wichtig. Das bildet die Grundlage für das erfolgreiche Absolvieren der Schule. Regelmäßig gibt es auch während des Jahres Gespräche, um die Ziele zu überarbeiten, weil sich im Laufe der Zeit auch Änderungen ergeben", sagt Wolle.

Parallel wird auch das sogenannte Nachteilausgleichsgesetz angewendet. Es besagt, dass behinderte Schüler beispielsweise bei Klassenarbeiten eine Zeitzugabe erhalten oder weniger Aufgaben im Gegensatz zu ihren Klassenkameraden lösen müssen. Möglich ist auch ein übersichtlicheres Arbeitsblatt, auf dem die Aufgaben besser farblich hervorgehoben sind. "Wir sind auf dem besten Weg, in diesem Bereich etwas sehr Positives zu erreichen. In Zukunft wollen wir einen zusätzlichen Raum für integrative Arbeit schaffen, in dem neben Lernzonen auch ein Ruhebereich entstehen soll", so Wolle.

Für den Schulleiter Matthias Schuster ist die Integrationsarbeit ein wichtiger Schritt. "Ich bin sehr froh, dass wir mit Frau Wolle eine ausgebildete Lehrerin für diesen Bereich an unserer Einrichtung haben und somit eine intensivere Betreuung von Schülern absichern können."

Steffen Brost

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