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Durchwehnaerin beweist in letzten Kriegstagen 1945 Zivilcourage und wird posthum geehrt

Interessengemeinschaft Todesmärsche Durchwehnaerin beweist in letzten Kriegstagen 1945 Zivilcourage und wird posthum geehrt

Durch Durchwehna bei Bad Düben zieht im Frühjahr 1945 eine große Gruppe von Häftlingen. Die sogenannten Todesmärsche gehören zu den letzten unheilvollen Kapiteln der Vernichtung von KZ-Häftlingen während der Nazidiktatur. Ehrentraud Fichtner will einem der Häftlinge helfen. Jetzt wurde sie für ihre Zivilcourage posthum geehrt.

Im Ehrenbuch für Zivilcourage steht jetzt auch Ehrentraud Fichtner aus Durchwehna.

Quelle: Steffen Brost

Durchwehna. Eine ganz besondere Ehre wurde jetzt der Durchwehnaerin Ehrentraud Fichtner zu teil. Sie wurde posthum im Ehrenbuch für Zivilcourage verewigt. Da die Durchwehnaerin bereits verstorben ist, übernahmen den Eintrag jetzt ihre beiden Kinder Christina Fichtner und Eckhard Meyer. „In das Buch werden Menschen eingetragen und damit geehrt, die versucht haben KZ-Häftlingen auf den Todesmärschen 1945 zu helfen“, sagte Hans Richter von der Interessengemeinschaft Todesmärsche. Diese Märsche im Frühjahr 1945 gehören zu den letzten unheilvollen Kapiteln der Vernichtung von KZ-Häftlingen während der Nazidiktatur. Auch durch die Region zogen mehrere Marschkolonnen.

Marschkolonne zieht durch Durchwehna

Es war der 19. April 1945. Eine große Kolonne KZ-Häftlinge, die zuvor vom 18. zum 19. April in Söllichau übernachtet hatten, wurden unter starker Bewachung auf der heutigen Söllichauer Straße durch Durchwehna getrieben. Viele konnten in ihren Holzpantinen nicht mehr richtig laufen. Manche schwankten und konnten sich nur mit großer Mühe auf der Straße in Richtung Kossa bewegen. „Ehrentraud Fichtner wohnte damals mit ihren Eltern auf dem Hof in der heutigen Söllichauer Straße 22. Das Haus steht nur wenige Meter vom Straßanrand. Frau Fichtner hörte schon von weitem das ihr unbekannte Geräusch der klappernden Holzschuhe. Sie stand am Hauseingang und sah diese armen Menschen heran kommen“, erzählte Hans Richter aus seinen Recherchen.

Erst bittet ein Bewacher um Wasser, dann ein Häftling

In Höhe des Hauses der Familie Fichtner kam plötzlich einer der vielen uniformierten SS-Bewacher zu Ehrentraud Fichtner und bat um etwas zum Trinken. Verschreckt ging sie ins Haus und holte ein Glas Wasser. Plötzlich schwankte ihr auch ein Häftling entgegen und bat ebenfalls um Wasser. Die junge Ehrentraud lief ins Haus und holte noch ein Glas mit Wasser. Doch der SS-Mann drohte ihr, das sie dem Häftling auf keinem Fall Wasser geben solle. Wenn ja, könne sie sich gleich mit in die Kolonne einreihen. Danach musste Ehrentraud Fichtner mit ansehen, wie der SS-Mann den Mann zusammenschlug. Er konnte danach kaum noch laufen. Als die Kolonne endlich am Haus vorbeigezogen war, lag ein Stück weiter ein erschossener Häftling. Sehr wahrscheinlich war es der Mann, der wenige Minuten zuvor um Hof der Familie Fichtner um etwas zu trinken gebeten hatte. „Bei unseren Recherchen sind uns viele solcher hilfreichen Taten oder Versuche bekannt geworden. Diese Dinge wollen wir nachträglich ehren und somit die Erinnerungen an diese schlimme Zeit wachhalten. Mittlerweile stehen rund 60 Namen in diesem Ehrenbuch“, so Richter.

Kinder tragen sich stellvertretend für Mutter ins Ehrenbuch ein

Im Beisein von Kossas Ortsvorsteher Peter Mösing trugen sich die beiden Kinder von Ehrentraud Fichtner jetzt im Ehrenbuch ein. „Das ist eine große Ehre für unsere Mutter und auch für uns. Auch wenn sie das persönlich nicht mehr miterlebten durfte“, sagte Eckhard Meyer. Bei der posthumen Ehrung war auch Klaus Holz aus Ermsleben (Harz) dabei. Als siebenjähriger Junge erlebte der heute 79-Jährige den Todesmarsch mit. Er stand 1945 am Haus seiner Eltern, als KZ-Häftlinge vorbeiliefen. „Unser Nachbar stellte gekochte Kartoffeln vor die Türe und die Häftlinge haben sie dankbar gegessen“, schilderte Holz seine persönliche Erinnerung. Am gleichen Tag wurde auch noch der Söllichauer Oberforstmeister Ernst Woite mit einem Eintrag in das Buch posthum geehrt, weil er einem SS-Kommandanten eines KZ-Häftlingszuges keine geeignete Stelle für die Erschießung der Häftlinge in seinem Forst gezeigt hat.

Von Steffen Brost

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