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Einbruch in Nerzfarm: Stecken autonome Tierbefreier dahinter?

Einbruch in Nerzfarm: Stecken autonome Tierbefreier dahinter?

Erst ein Einbruch, verbunden mit Tierbefreiungen. Dann eine Demonstration gegen die Haltung von Nerzen. Die Farm in Söllichau bei Bad Düben kommt nicht zur Ruhe.

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Wer hat die Nerze in Söllichau freigelassen? Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Quelle: Jens Schlueter

Bad Düben/Söllichau. Die Täter der nächtlichen Aktion sind nach wie vor unbekannt. Das Unternehmen schließt derweil nicht aus, dass der Anschlag auf das Konto der autonomen Tierbefreiungsgruppe ALF Nordost geht und es einen Zusammenhang zur anerkannten Tierrechtsorganisation Peta geben könnte. Spuren führen jetzt ins Internet.

Illegale Tierbefreiungen sind eine Katastrophe für Alfons Grosser, dem Chef der Heideblick GmbH mit Sitz im niedersächsischen Melle. Zu dem Unternehmen gehört die Nerzfarm in Söllichau - und dort ist in der Nacht zum 9. März eingebrochen worden. Unbekannte öffneten 22 Gehege, fünf Tiere kamen frei, drei konnten wieder eingefangen werden (wir berichteten). Die verbleibenden zwei Nerze befinden sich noch immer in freier Wildbahn. Von den Tätern fehlt nach Angaben der Polizei in Wittenberg jede Spur. "Einen konkreten Tatverdacht haben wir nicht", sagt Polizeisprecherin Cornelia Dieke.

Das Unternehmen hegt derweil einen Verdacht: Die ALF Nordost, dahinter stecken autonome Tierbefreier, die sich zu Aktionen zusammenrotten, könnte für den Anschlag verantwortlich gewesen sein. Ein Bekennerschreiben, sonst offenbar üblich, liegt nicht vor. Doch im Internet sind jetzt Fotos aufgetaucht, die nach Angaben der ALF am 3. März an der Nerzfarm entstanden sind. Abgebildet sind Käfige, Abwässer und Dreck. Aufgenommen in der Dunkelheit. Ein Zufall?

Alfons Grosser glaubt nicht daran. Und das Unternehmen hegt einen weiteren Verdacht: Dass die Tierschutzorganisation Peta in dieser Sache verstrickt sein könnte. Denn die ALF habe laut Grosser im Internet um Unterstützung gebeten und einen bekannten Namen ins Spiel gebracht - den von Patrique-Robert Noetzel, Aktionskoordinator bei Peta, der die Demo vorige Woche an der Nerzfarm organisiert hatte. Gibt es also Verbindungen zwischen der autonomen Tierrechtsszene und Peta?

Peta weist das zurück: "Wir führen keine Tierbefreiungsaktionen durch", teilt Harald Ullmann, der zweite Vorsitzende von Peta Deutschland, auf LVZ-Anfrage mit. Peta sei "eine legale, als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannte Organisation, die oft als Sprachrohr für die Befreier dient. Wir haben weder Möglichkeit, mit den Befreiern Kontakt aufzunehmen, noch wissen wir, ob wir jemals wieder etwas von ihnen hören werden", so die Organisation weiter, distanziert sich aber auch nicht hundertprozentig von den ALF-Aktivitäten. In einer Abhandlung im Internet schildert Peta, warum die ALF Tiere befreit. Sie "ist sicher keine Gruppe von 'Terroristen'. Die Mitglieder sind vielmehr mutig in ihren Handlungen, riskieren ihre Freiheit und ihre Karrieren, um dem Terror, dem Tiere ausgesetzt sind, ein Ende zu bereiten." Peta wolle die ALF nicht verurteilen. Die Aktionen seien "oft die einzige Möglichkeit für eine ethisch ausgerichtete Gesellschaft" und um "konkrete Beweise über Straftaten und Gesetzesverstöße zu erhalten". So wohl auch im Fall der Nerzfarm in Söllichau, wo Peta dem Betrieb vorwirft, die Pelztier-Nutzungsverordnung zu umgehen, sprich die Tiere nicht so zu halten, wie vorgeschrieben. Heideblick-Chef Grosser bestreitet dies, weil sich mit rechtlichen Fragen derzeit die Gerichte beschäftigen.

Über die Aktionen wie die Demo vor einer Woche, auf der als Sensenmänner maskierte Aktivisten "sich medienwirksam in Szene setzten", könne er nur den Kopf schütteln. Und auch über die Vertreter der Grünen aus Nordsachsen und des Ortsvereins Bad Düben, den Tier- und Umweltschützerin Petra Würdig anführt. "Die stellen sich mit denen, die sich vermummen, auf eine Stufe und lassen zu, dass solche Bilder entstehen, auf denen sie selbst zu sehen sind." Der Heideblick-Chef bezweifelt, dass dies der Partei gefallen könnte.

Dank der Grünen beschäftigt die Nerzfarm mittlerweile auch die Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Nach LVZ-Informationen hat die Abgeordnete Dorothea Frederking eine "Kleine Anfrage" an die Regierung gestellt und will unter anderem wissen, ob dem Ministerium bekannt sei, dass die Haltung der Nerze "den geltenden Bestimmungen nicht entspricht", dass Gerichtsverfahren anhängig und Strafanzeigen gegen die Heideblick GmbH gestellt worden seien. Die Grünen warten jetzt auf eine Antwort. Und die Polizei ermittelt weiter "in alle Richtungen", so Sprecherin Dieke. Dabei wolle man auch das im Internet zugängliche Material auswerten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2013

Nico Fliegner

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