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?Eine Überdosis Schwein braucht es nicht?

?Eine Überdosis Schwein braucht es nicht?

Die geplante Erweiterung der Schweinemastanlage in Wellaune hat weitere Gegner auf den Plan gezogen. Während der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen die Dübener und Wellauner dazu ermuntert, sich am Verfahren mit Einwänden zu beteiligen, hält der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Regionalgruppe Eilenburg, die Pläne von Europas größtem Schweine-Produzenten Adrian Straathof für chancenlos.

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Blick auf die Schweinemastanlage in Wellaune: Sieht so ländliche Idylle aus? Auf den ersten Blick ja, doch die Wellauner haben andere Erfahrungen.

Quelle: Nico Fliegner

Wellaune. Erst die Schweinemast in Krippehna, dann eine Hühner-Farm in Pristäblich und jetzt die Ausdehnung der Schweinemastanlage in Wellaune: Dass Nordsachsen, und hier besonders die Eilenburg-Bad Dübener Region, immer mehr zur Spielwiese der Agrarindustrie wird, machen die Pläne von Investoren deutlich.

Für neue Aufregung sorgt nun der Fall Wellaune, dem kleinen Ortsteil von Bad Düben an der Bundesstraße 2, der ohnehin vom Verkehrslärm gebeutelt ist. Dort soll der Bestand der Sauenanlage Wellaune GmbH, die mittlerweile zur Straathof Holding GmbH gehört, von über 4000 Schweinen auf über 37.000 Tieren, darunter 31.000 Ferkel, ausgedehnt werden.

Nachdem die LVZ vor einer Woche als erstes darüber berichtete, melden sich immer mehr Gegner zu Wort. Der Ortschaftsrat von Wellaune lehnt das Vorhaben konsequent ab, befürchtet noch mehr Gestank und Verkehr. Die Stadt hat ebenfalls Bedenken geäußert, weil die Anlage nicht zum Kur-Charakter und dem Stadtentwicklungskonzept passt.

"Es ist schon erschreckend und für uns Bürger beängstigend, mit welcher Dreistigkeit und Frechheit holländische und dänische industrielle Schweine- und Hühnerproduzenten versuchen, sich in unserer Region breit zu machen, und dabei noch die volle Unterstützung der Genehmigungsbehörden und die finanzielle Unterstützung vom Freistaat Sachsen, Deutschland und der EU erhalten", sagt Martina Schneider von der Eilenburger Regionalgruppe des BUND. Sie prognostiziert einen jährlichen Durchlauf von zirka 90000 Tieren in der Kurstadt. Doch sie hat Hoffnung, dass es gar nicht so weit kommt. Die Anlage "vom Landratsamt genehmigt zu bekommen, dürfte nach dem jüngst verkündeten Bescheides des Oberverwaltungsgerichts Bautzen bezüglich der Schweinemastanlage Krippehna für den holländischen Investor aussichtslos sein", so Schneider. "Denn die Gründe des Gerichts, wonach die vom Landratsamt erteilte Baugenehmigung als inhaltlich rechtswidrig bewertet und ein Baustopp verkündet wurde, treffen ebenso für die Anlage in Wellaune und die in Pristäblich zu."

Die Bündnisgrünen fragen sich wiederum, wem diese Ställe überhaupt nützen. Der Fleischmarkt stagniere seit Jahren. "Die Dübener Heide hat Besseres verdient", konstatiert Bernd Brandtner, Mitglied im Kreisvorstand und Direktkandidat für den Bundestag. "Um die Dübener Heide als einen der Gärten für Leipzig und Halle zu etablieren, sind kleine, aber feine Unternehmen nötig, die für Qualität statt Masse stehen. Eine Kurstadt mit guter Erholung ohne weite Wege, gesunden Nahrungsmitteln und viel frischer Heide-Luft - das könnten die Zutaten für eine stabile Regionalwirtschaft sein. Eine Überdosis Schwein braucht es dazu nicht."

Eckehard Nieman, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), meint indes: "Man muss die Bürgerinnen und Bürger von Wellaune und Bad Düben mit allen Kräften gegen die geplante Schweineanlage des Straathof-Konzerns unterstützen." Das Unternehmen werde "an vielen Orten massiv kritisiert wegen Missachtung bau-, umwelt- und tierschutzrelevanter Vorschriften", so Niemann und zählt etliche Fälle auf, wo der Konzern bereits aktiv ist und im Clinch mit Anwohnern und Behörden liegt. "Die agrarindustrielle Tierhaltung beeinträchtigt Lebensqualität, Gesundheit und Immobilienwerte der Anwohner sowie ganze Regionen und ihren Tourismus." Der Stadt Bad Düben rät er, dass sie das im neuen Bundesbaugesetzbuch verankerte Recht nutzen sollte, wonach Kommunen generell einen Bebauungsplan für derartige gewerbliche Vorhaben verweigern und diese somit verhindern könnten. "Die Gründung einer Bürgerinitiative sollte rasch organisiert werden."

Wie auch immer - das Verfahren läuft bereits. Laut Landratsamt sei der Antrag des Unternehmens an alle zu beteiligenden Behörden verteilt worden. Derzeit erfolge die Prüfung der Antragsunterlagen auf Vollständigkeit. Liegt alles ordnungsgemäß vor, werde das Vorhaben öffentlich bekannt gemacht. Dann könnten die Bürger Einwände geltend machen. "Nutzen Sie diese Chance, bringen Sie Ihre Einwendungen zu Gehör", sagt der Grünen-Politiker Brandtner. "Genau dazu ist diese Beteiligung da. Entwickeln Sie eigene Vorstellungen, wie Ihre Region zukünftig aussehen soll."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.05.2013

Nico Fliegner

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